Di 31.12.2024 Letzter Tag des Jahres
Joh 1:1-18 Im Anfang war das Wort
Zum Text
Vor wenigen Tagen schrieb ich über diese Worte (Wer wird von Gott geboren) und verwende hier die Gedanken von damals.
Heute spüre ich erneut die Kraft der Worte – und höre zugleich, dass es um das Wort selbst geht. Diese große Botschaft ist auch eine alltägliche Botschaft über mein Reden und Tun.
Violine Gottes
Als ich mit meiner Hebräischlehrerin über das Wort Violine sprach (כינור Kinor) erzählte sie mir von dem Lied „Jerusalem von Gold“. Wir arbeiten an diesem Lied. Es ist ein anspruchsvoller, sehr poetischer Text. Ich brauchte oft lange, um den tieferen Sinn eines Satzteiles zu verstehen – besser: zu spüren, zu ahnen.
So auch für den letzten Satz des Refrains: „Für alle deine Lieder bin ich Harfe“ (Harfe ist heute das Wort für Geige).
Die Wirklichkeit Jerusalems drückt sich an, in und durch mich aus, indem ich es singe.
Das Lied enthält auch den Satz: „die Stadt, die einsam sitzt, mit einer Mauer in ihren Herzen“.
Es wurde 1967 komponiert und am 15. Mai veröffentlicht. Kurz vor dem Sechstagekrieg. Am 7. Juni des Jahres waren erstmals wieder Juden an ebendieser Mauer im Herzen Jerusalems.
Jesu Rede verbindet Geist und Leib
Jesu Worte, in der Bergpredigt, wohl besonders die Seligpreisungen am Anfang, sind offenbar von dieser Art Wort, welche Johannes besingt.
Aber das wäre nicht das, worum es geht, gäbe es Seine Passion nicht. Erst in Seiner Passion stimmen die Worte Jesu mit Seinem ganzen Sein überein. In diesem wird das Wort Fleisch.
Jesus verbindet Gott mit dem Menschen – und den Menschen mit Gott.
Von nun an ist unser Mensch-sein nicht mehr unser eigenes Thema – wir sind Söhne Gottes, oder wir sind nicht.
Mit der Menschwerdung Gottes, mit Maria, ist Maria Gottes Mutter und wir Söhne Gottes. So geht es darum, auch so zu leben.
Und das Wesen Gottes ist Geist und Leib zugleich.
Das Wort ward Fleisch und wird immer Fleisch.
Jedes Wort, das ich rede, und nicht mit meinem Leben verbinde, ist eine Ohrfeige in Jesu Antlitz.
Und andersherum.
Jedes Wort, das ich rede, kann die Macht der Worte Jesu haben.
Ich will es praktisch machen:
Praxis
- Zeuge meiner selbst.
Wer bin ich? Stimmt mein Selbstbild mit mir überein? Was glaube ich wirklich, denn das ist das, was sich in meinem Tun zeigt. Stille Zeit, Beichte, Tagebuch – mögliche Werkzeuge mich selbst zu kennen und nicht in meinem Herzen über mich selbst falsches Zeugnis abgeben. - Zeuge meines Sohn seins.
Wer mich sieht, sieht den Vater. So sagt es Jesus. Und so soll und kann es auch bei mir sein. Was jemand an mir sieht, was nicht den Vater zeigt, ist Thema für die Beichte. - Zeuge vor dem Vater.
Zeuge der Welt vor Gott. Als Sohn bringe ich die Welt vor Gott. Und mein Wort als Sohn hat vor Gott Gewicht.
Einüben
Ich kann nicht nicht-reden. (Siehe Watzlawick: Man kann nicht nicht-Kommunizieren). Ich werde allezeit vom Himmel her als Sohn betrachtet. Es wird Zeit, meine Verantwortung zu übernehmen.
Ich tue, was ich sage
Jedes Wort ist ein Versprechen. Ich komme, wenn ich es sage und tue, was ich zusage. Zuerst vor mir selbst, dann vor anderen. Dabei falle ich hundertmal und stehe auf. Hoffend und glaubend, dass der Vater mein Bemühen sieht und mir Gnade zum Gelingen gibt.
Ich repräsentiere, was ich bin
In dem Raum und in der Zeit, in der ich bin, spiegele ich mein Sein. Also Ordnung, Sauberkeit, Wahrhaftigkeit (das Gegenteil von Scheinen).
Ich schweige und höre bevor ich rede
Als Sohn bin ich hörender. Mein Wort hat Wirkung, wie das Wort Wirkung an mir hat. Des Vaters Wort (Siehe Hauptmann von Kapernaum in Wie erkenne ich Jesus).
Ich nehme mein „Kreuz“
Also das, was mir gegeben ist. Indem ich das tue, handle ich wie DER Sohn, wie Jesus. Ich murre nicht und rebelliere nicht.
Ich lasse mich „Festnageln“
Jedes Wort ist ein Nagel. Mein Wort und das Wort, das der Vater zu mir spricht. Jesus war nicht wirksam (Heilungswunder) und ging auch ans Kreuz. Sondern Sein Kreuz hat nach vorn hin gewirkt. Ohne dem wäre Er nur ein Magier gewesen. Die Annahme einer Festlegung für mich entfaltet paradoxerweise überhaupt erst meine Bedeutsamkeit, meine Wirksamkeit für das Reich Gottes.
All das geschieht heute einen Schritt mehr als gestern. Ich lerne es zu wollen. Die Macht ist schon da, ich gehöre zu Gott.
Es wird Zeit sie besser zu vollziehen als gestern.
Ein Kommentar zu „Violine Gottes“