Krankenhaus 2

Di 08.04.2025 AK Altona

Die Lage

Es geht mir gut – und das ist nicht selbstverständlich. Die Gewohnheit weckt mich, und ich horche, was ich höre.

Mein Herz sollte einen mehrfachen Bypass erhalten. So die einstimmige Aussage von vier Ärzten. Das wäre übermorgen im Albertinenkrankenhaus geschehen. Für die OP waren verschiedene Ärzte angesetzt, und sie sollte etwa fünf Stunden dauern. Aufschneiden des Brustkorbes, herausoperieren von zwei Arterien, fixieren des Herzens für das Vernähen neuer Adern – und so weiter.

Es kam anders.

Es kam durch eine Freundin – aber es war natürlich mehr. Gewiss auch Gebete vieler Freunde. Sein Name ist Prof. Bergmann. Er traute sich eine Behandlung mit anderen Methoden zu. Weiten mit Ballons, Einfügen von Stents, starke Medikamente.

Und das geschah gestern Nachmittag.

Da dieser Eingriff nur örtlich betäubt wird, habe ich alles miterlebt und gesehen. Ein riesiger Monitor hing neben uns. Und ab und zu hielt er kurz inne und zeigte auf dem Monitor, was passiert. Die einzelnen Aktionen waren mir so ganz präsent.

In der Patientenaufklärung stand, dass beim Aufblasen der Ballons eine Angina Pectoris (starker Brustschmerz, Enge, Angstgefühl) entsteht. Davor hatte ich mich besonders gefürchtet. Ich habe es nicht erlebt und fragte den Prof. nach dem Eingriff. Er lächelte freundlich und schwieg. Eine neue Technik vielleicht – aber ebenso ein freundliches Geschenk meines Vaters.

Mein Herz ist körperlich nun voller Stents (drei) – spüren tue ich in ihm aber nur eine große Dankbarkeit.

Gehe nun, und sündige nicht mehr

Ich bin immer noch jemand, der an vielen Stellen weichlich mit sich selbst umgeht. Die Frau aus Johannes acht ist einer starken Versuchung erlegen. Vielleicht einer sexuellen, vielleicht auch anderen Versuchungen, wie der Schmeichelei eines Mannes. Ich verurteile sie nicht.

Wie mag sie sich gefühlt haben, als sie von den Männern auf den Tempelplatz geschleppt wurde?

Ihre Aussichten, zu überleben, waren praktisch null.

Der Rabbi – kann Er vielleicht noch etwas tun?

Oder werden jeden Moment Steine, glühende Schmerzen, schreiendes Sterben auf meinen Körper prasseln?

Verdient habe ich es.

Und sterben werde ich eines Tages ohnehin.

Aber dies ist ein schmachvoller Tod als Ehebrecherin. Ein Tod vor der Zeit und als Lohn eines Übels.

Ich denke: Wenn sie nach dem Erleben nicht schon aus Angst vor einer Wiederholung ein anderes Leben führt – vielleicht tut sie es, weil sie die Augen dieses Rabbis auf sich gesehen hat.

Ihn will ich nicht enttäuschen.

Wenn schon nicht für mich – für Ihn will ich ein neues, anderes Leben führen.

Große Schuld bereitet sich in kleinen Taten vor. Ich weiß es. In der kleinen Tat habe ich noch die Möglichkeit.

Aber auch: Ein klares Ereignis, wie dieses fast-steinigen – und auch dieses Herzereignis – sind geeignet für eine Wende des Lebens.

Ich kann es nur, indem ich immer wieder Dein Antlitz suche, Deinen Blick auf mich.

Ein Kommentar zu „Krankenhaus 2

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