So, 06.07.2025
Lk 10:1-12, 17-20
Der Text
Der Text ist recht lang – hier zur Erinnerung eine Zusammenfassung.
Jesus sandte siebzig Jünger zu zweit in die Städte, wohin Er Selbst gehen wollte. Er sagte: Die Ernte ist groß, aber es fehlen Arbeiter. Geht wie Lämmer unter Wölfe, nehmt nichts mit, wünscht Frieden in den Häusern, bleibt dort, wo man euch aufnimmt, heilt die Kranken und verkündet: Das Reich Gottes ist nahe. Wo man euch abweist, schüttelt den Staub ab und warnt sie dennoch. Sodom wird es am Gerichtstag besser ergehen als diesen Städten.
Die Siebzig kamen freudig zurück und berichteten, dass sogar die Dämonen ihnen gehorchten. Jesus erwiderte: Ich sah den Satan wie einen Blitz fallen. Ihr habt Macht über das Böse, doch wichtiger ist, dass eure Namen im Himmel stehen.
Ich betrachte auch den Text von Hildegard von Bingen aus Evangelium Tag für Tag. Siehe: Der mit Gott verbundene Mensch durchdringt die ganze Welt
Vollmacht
Hildegard von Bingen hatte diese Vollmacht, von der dieses Evangelium berichtet. Ich dagegen nicht – und ich kenne niemanden mit dieser Vollmacht.
Beim Schreiben dieses Satzes überfällt mich eine große Traurigkeit. So viel Struktur, so viel Aufwand – aber so wenig Vollmacht.
Ich sehne mich nach dieser Vollmacht – egal ob bei mir oder jemandem anders – oder besser noch: in der Kirche.
Keine Mission
Dieser Text wird oft als Beispiel für Mission gedeutet.
Das ist er nicht.
Israel ist Gottes Volk, es wird nichts missioniert. Deshalb wird auch keine Gemeinde gebaut oder sonst etwas organisiert.
Wenn ich den Text auf heute übertrage, geht es um Klärung, Prüfung der Kirche. Es geht also um Menschen, die schon dabei sind – nicht um Heiden.
Die ausgelassenen Verse 13-16 sind die Wehrufe über galiläische Städte!
Auch und gerade Christen steht eine scharfe Prüfung ins Haus, mehr als Heiden.
Satan fällt vom Himmel
Warum? Es ist weder Mission noch erkenne ich eine Bußbewegung oder Umkehr. Was bringen die Jünger?
Sie bringen Vollmacht zur Scheidung der Geister. Sie bringen Klarheit. Sie bringen Licht – ein Licht, das auch die Dunkelheit, die bleibt, als solche deutlich macht.
Die Decke wird abgezogen und die Menschen scheiden sich nach Menschen des Schalom und Menschen ohne Schalom, als Menschen des Friedens oder Menschen des Unfriedens.
Aber erst, als ihnen die Wahrheit begegnet.
Gestern sprach ich mit einem Freund über die Wahrheit in unserer Rede. Zunächst einmal das Weglassen der Weichmacher. Wie klingen meine Worte, wenn ich nur sage, was wahr ist – ohne „ich denke“, „ich sage mal“, „aus meiner Sicht“, oder gar: „ich würde mal denken – aber nur aus meiner Sicht – …“.
Was für ein gereinigtes Herz brauche ich, dass ich dann nicht falsch und möglicherweise verletzend werde! Habe ich so viel Licht in mir?
Wir sind keine Gefäße Gottes, keine Kanäle und keine Briefträger Gottes. Wir selbst sind Menschen Gottes oder wir gehören nicht zu Seinem Reich.
Der Schalom ist mein Wesen – oder ich bin „raus“, wie ich heute höre.
Und raus ist, wenn das Licht erst einmal anklopft, schlimmer als Sodom und Gomorrha.
Am 06. August 1945 fiel auf Hiroshima eine Bombe, die sofort 70.000 Menschen tötete. Ein Symbol für das Feuer auf Sodom.
Aber zu sterben ist bei Weitem nicht das Schlimmste, was uns widerfahren kann. Sondern eine mir mögliche Verhinderung versäumt zu haben, ist die eigentliche Höllenqual.
Mir scheint:
Die Kirche hat in meinem Land ihre Kraft, Salz der Erde zu sein, weitergehen verloren. Dabei rede ich nicht einmal von Vollmacht.
Ich bin Teil dieser Kirche und Teil dieses Landes. Vielleicht überlebe ich – aber wozu? Zu einem Leben im Blick auf die, denen ich nicht Licht war, obwohl ich es hätte sein können?
Weil ich in meiner eigenen Unreinheit keine Klarheit für meine Umgebung war (bin)?
In Hiroshima gibt es die „Hibakusha“; es ist ein offizieller Status. Einige hunderttausend gelten als betroffene Überlebende. Viele sind krank – aber mindestens ebenso erleben sie soziale Ausgrenzung und leiden an dem Phänomen der „Überlebensschuld“.
Vor dem Gericht aber kommt der Ruf zur Klarheit – hier bin ich, Vater.