Mo 07.07.2025
Matthäus 9,18–26; die blutflüssige Frau und die Tochter des Jaïrus.
Der Text
18 Während Er diese Dinge zu ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher, fiel vor Ihm nieder und sprach: „Meine Tochter ist eben gestorben; aber komm, lege Deine Hand auf sie, und sie wird leben.“
19 Und Jesus stand auf und folgte ihm, ebenso Seine Jünger.
20 Und siehe, eine Frau, die zwölf Jahre an Blutfluss litt, trat von hinten heran und rührte den Saum Seines Gewandes an.
21 Denn sie sagte bei sich selbst: „Wenn ich nur Sein Gewand berühre, werde ich gerettet.“
22 Jesus aber wandte sich um, sah sie und sprach: „Sei getrost, Tochter, dein Glaube hat dich gerettet.“ Und die Frau wurde von jener Stunde an gesund.
23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler und das lärmende Volk sah,
24 sprach Er: „Geht fort! Denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft.“ Und sie verlachten Ihn.
25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging Er hinein, ergriff ihre Hand, und das Mädchen stand auf.
26 Und diese Kunde verbreitete sich in jener ganzen Gegend.
Es gibt einen systematischen Begleittext, der alles genau beschreibt: Der Saum Israels
„Er wird leuchten“
Gemeint ist Israel.
Israel wird ein Licht werden, das Christus in einer Weise verkünden wird, wie wir Heiden es nicht können. Schon der Jude Paulus hat es auf so eigene und neue Weise getan – wie hätte dies ein Heidenchrist je gekonnt, ja überhaupt gedurft.
Nur die Juden konnten uns erlauben, ohne Beschneidung, ohne manch andere Ordnung, Jesus als Gott anzunehmen.
Das hebräische Wort für „Er wird leuchten“ ist, auch grammatikalisch: יָאִיר (Ja’ir) –
Es ist der Name des Synagogenvorstehers.
Schlaglicht
Die Verwobenheit der Geschichte ist zentrale Aussage. Die Heilung der Frau unterbricht den Gang Jesu zu dem israelitischen Kind. Es ist die Geschichte der Kirche und die Geschichte Israels. Schon durch die Kirchenväter bestätigt. Genauer im Begleittext.
Ich bin gewiss: Wenn wir unser Verschlungen-Sein mit Israel, in all seinen Erscheinungsformen, nicht ernster nehmen, kommen wir in Gefahr, unsere Rolle im Heil zu verlieren – vielleicht unser Heil zu verlieren.
Wer heute zuschaut, wie bei uns die Lügen über Israel wieder ähnlich aufflammen, wie sie über viele Jahrhunderte schon waren – und das nach der Shoah – wie soll dem noch vergeben werden?
Israel hat einen Anspruch an mich – besonders an mich als Deutschen.
Am Saum des Gewandes
Nicht ohne Grund nennt Matthäus diesen Saum.
Das griechische Wort für „Saum“ ist κράσπεδον (kráspedon).
Der Schaufaden oder die Quaste am Gewand eines Juden, im Hebräischen: צִיצִית – tzitzit.
Sacharja 8,23:
„So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen werden zehn Männer aus allen Sprachen der Völker kommen und den Saum (צִיצִית tzitzit) eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen:
Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.‘“
Gewiss ist eine erste Deutung, dass Jesus gemeint ist.
Aber es ist nicht das, worum es hier geht. Sonst könnte es einfach „das Gewand“ heißen.
Es wird aber ausdrücklich das benannt, was das Jüdische daran ist. Das, was die Priester in Israel tragen sollten.
Und es wird erst am Ende der Zeit geschehen – jetzt gerade erst beginnt es.
Praxis für mich
Es ist auch ein Impuls, mein Hebräisch-Lernen wieder zu intensivieren. Es geht immer darum, das, was verstanden ist, zu tun – und zu erwarten, dass sich darin das zeigen wird, worum es tiefer geht. Nicht die große Tat – die jetzt verstandene, treue Tat ist gemeint.
Genauso der Stand für Israel auf dem Markt.
In dem ist mein Zeugnis, Gott treu zu sein, dass Er mir weiteres in den Schoß lege.
Ernsthaft – nicht Folklore
Manches kommt mir bei Israelfreunden zu schwärmerisch vor, manches romantisch, manches wie Folklore.
Aber:
„Man darf nicht gregorianisch singen, wenn man nicht auch für die Juden schreit.“
(Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis in Tegel an Bethge).
Und ich sage für heute:
Schweige zu allem – aber schweige nicht zu Israel.
Du wirst sehen, was dann geschieht.