Vollmacht der Jünger

Do 14.05.2026 Christi Himmelfahrt

Mt 28:16-20 Der Missionsbefehl

Der Text

16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.

17 Und als sie Ihn sahen, warfen sie sich nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und redete zu ihnen und sprach: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19 Geht nun hin und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20 und indem ihr sie lehrt, alles zu bewahren, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

  • „auf den Namen“ steht im Singular. Der „Name“ trägt die Einheit.
  • „bis zur Vollendung des Zeitalters“ meint das Ende dieser gegenwärtigen Weltordnung, nicht das Ende der Welt im materiellen Sinn.

Spannungen

Bei Matthäus endet die Begegnung auf einem Berg in Galiläa. Lukas dagegen verbindet den Abschied Jesu mit der Gegend bei Jerusalem.

Aber Matthäus redet gar nicht von einer Himmelfahrt Jesu. Und im direkten Geschehen der Himmelfahrt bei Lukas gibt es keinen Missionsbefehl.

In meinem Text vom 11.04.2025, meine vier Fundamente, nenne ich schon das Prinzip, dass ein einzelner Aspekt, ein einzelnes Fundament, die Wahrheit in menschlichen Worten nicht ausdrücken kann. Dinge müssen in Spannung zusammen gelesen und angenommen werden.

Lukas, der hellenistisch schreibende Evangelist, schreibt vornehmlich den Griechen (uns) und betont den Tempel, Jerusalem, die Wurzeln.

Matthäus, der Jude, schreibt den Juden und betont das „Galiläa der Nationen“, den Missionsbefehl an die Völker.

Nochmal: Den Juden wird die Heidenmission ans Herz gelegt, den Heidenchristen wird Jerusalem, die Wurzel ans Herz gelegt. Aber alles soll zusammen geschaut werden.

Vollmacht

Vollmacht ist zutiefst die Person sein, zu der Gott mich erschaffen und berufen hat. Jesus ist Sohn Gottes. So wie Er Sohn Gottes ist, so ist Er in der Vollmacht.

Und diese Vollmacht gibt er den Jüngern.

Nicht wie ein Brief mit Unterschrift und Siegel.

Sondern indem Er sie drei Jahre nahe an das geführt hat, was Er selbst ist: der Treue zur Berufung. Und bis zum Obergemach in Jerusalem wird es vollendet.

Meine Vollmacht ist also nicht etwas in meinem Dokumentenordner. Sondern sie besteht in meinem Eingefügt-Sein in den Tempel Gottes, Seinem Reich.

Ein Botschafter repräsentiert sein Land – nicht sich selbst. Auch wenn er das in einer persönlich eigenen Weise tut.

Es ist etwas ähnlich einer Situation, wenn ein Personal Coach für Fitness selbst nicht fit wäre. Denn er verkauft nicht eine Methode, er lebt sie vor und lädt dazu ein.

Omer Tag 42

תִּפְאֶרֶת שֶׁבִּיסוֹד Tiferet schebeJissod

„Schönheit/Harmonie in der Grundlage“

Die Wurzel pe’ar ist Schmuck, Herrlichkeit. Daraus auch: Verherrlichen.

Das Einfügen der Menschen in das herrliche Gebäude des Reiches Gottes ist eine Vermehrung der Schönheit. Der Schönheit der Welt und der Schönheit des Himmels.

Also ganz praktisch: Ist die anmutige Schönheit meines Handelns in der Welt eine Ehre und Freude für Gott? Sehen Menschen an mir den Glanz Gottes. Sehen sie an mir, dass der „Herrscher der Welt“, Luzifer, nicht mehr mein König ist?

Dann habe ich Vollmacht. Die volle Macht für das, was der Vater für mich und durch mich der Welt geben will.

Nicht eine beliebige, willkürliche Macht – sondern die Macht eines wirklichen Herren, der an seiner Verantwortlichkeit erkannt wird.

Mission

Ich sage: Das ist der Weg der Mission.

Sie geht von denen aus, die gelernt haben, was sie andere lehren wollen:

„Alles zu halten, was Jesu uns befohlen hat“ (V20).

Sie geschieht durch Meister – nicht durch Menschen, die nur lehren und kaum so leben.

Sie offenbart den „Kosmos“, also das Geordnete, das im Reich Gottes vor allem die liebende Hingabe ist.

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