Fr 15.05.2026 Loccum, Konvent
Joh 16:20-23a Trauer und Verheißung
Der Text
20 Amen, amen, Ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, die Welt aber wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit wird zur Freude werden.
21 Die Frau hat Traurigkeit, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist. Wenn sie aber das Kind geboren hat, erinnert sie sich nicht mehr an die Bedrängnis — wegen der Freude, dass ein Mensch in die Welt geboren wurde.
22 So habt auch ihr jetzt zwar Traurigkeit; Ich werde euch aber wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.
23 Und an jenem Tag werdet ihr Mich nichts mehr fragen. Amen, amen, Ich sage euch: Was immer ihr den Vater bitten werdet in Meinem Namen, wird Er euch geben.
Gewiss werdet ihr weinen
Weinen und wehklagen.
Galt das nur damals, für die spezielle Situation vor dem Kreuz Jesu und Seinem Weggehen?
Nein, es ist der normale Weg des Christen.
Wer immer nur Freude und Glück erwartet, ein ständiges Ruhen im Frieden Gottes, der kennt einen anderen Gott als ich, einen anderen Gott als der Evangelist Johannes.
Jesus setzt ein zweimaliges Amen vorweg. Es ist direkt vom Vater und Er sagt amen dazu.
Omer Zählung für Tag 43
מַלְכוּת שֶׁבִּיסוֹד Malchut sche-biJesod
„Königtum in der Grundlage“ oder „Verwirklichung in der Verbindung“.
Mein Leben ist nicht länger in mir begründet. Es ist in der Verbindung begründet. Ich erbe nicht den Segen, wie etwas, das man im Keller lagern kann.
Ich erlebe mich aber auch nicht als einer, der so Gottes ist, dass es ihn selbst nicht mehr gibt. Ich gehe nicht in Gott auf, Gott und ich sind nicht einfach nur ich in Gott, sondern die Spannung der Unverfügbarkeit Gottes bricht immer wieder auf.
Darum ist das Königtum nicht einfach Gott.
Es ist die Verbindung zwischen Gott und mir, zumeist ausgedrückt in der Verbindung von mir zur Welt Gottes — den Menschen, den Er vor mich stellt.
Du begegnest mir zumeist, indem Du mir den Anderen vorstellst. Mit seinem Anspruch an mich begründet durch Dich.
Ich werde von Dir nach ihm gefragt werden.
Und nun bricht die Unverfügbarkeit in den Alltag. Die Distanz, der Entzug.
Nicht ohne Schmerz
Wenn ich meine, in Dir zu sein, oder Dich in mir erfahre — dann plötzlich ziehst Du Dich zurück.
Fragst nach dem Grund unser Verbindung.
Verbirgst Dich, auf dass ich Dich suche.
Denn der Grund unser Beziehung ist nicht im Erleben, sondern in der Wahrheit.
Ist meine Wahrheit so wie Deine? Gilt sie — immer — auch in der Verlassenheit?
Trauer ob Deiner Abwesenheit ist die Offenbarung meiner Unvollständigkeit ohne Dich. Sie will nicht nur Dich, sie will auch mich für Dich. Sie glaubt Deine Liebe — also auch Deine Trauer.
Daraus entsteht eine Frucht.
Und diese drei freuen sich in und aneinander. Eine Freude, die niemand von uns nehmen kann. So wird die Kirche immer wieder neu aus dieser schmerzhaften Liebe geboren, nicht ohne Leid, aber immer mit der Verheißung großer Freude.