Wie glaube ich Jesus?

Mo 06.07.2026

Mt 9:18-26 Heilung und Auferweckung

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

18 Während Er dies zu ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher, fiel vor Ihm nieder und sprach: „Meine Tochter ist eben gestorben; aber komm, lege Deine Hand auf sie, und sie wird leben.“

19 Und Jesus stand auf und folgte ihm, ebenso Seine Jünger.

20 Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, trat von hinten heran und berührte den Saum Seines Gewandes.

21 Denn sie sprach bei sich selbst: „Wenn ich nur Sein Gewand berühre, werde ich gerettet werden.“

22 Jesus aber wandte sich um, sah sie und sprach: „Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet.“ Und die Frau war von jener Stunde an gerettet.

23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler und die lärmende Menge sah,

24 sprach Er: „Geht hinaus! Denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern schläft.“ Und sie verlachten Ihn.

25 Als aber die Menge hinausgeschickt worden war, ging Er hinein, ergriff ihre Hand, und das Mädchen stand auf.

26 Und die Kunde davon ging hinaus in jenes ganze Land.

Ein sehr großes Thema

Ich habe dieses Thema schon oft bedacht und viel dazu geschrieben. Das kann ich hier weder wiederholen, noch darauf verzichten – es wird für das Verständnis der folgenden Gedanken gebraucht. Hier ein paar davon:

Habe ich existenziellen Glauben an Jesus Christus?

Der Saum des Gewandes Jesu

Der Saum Israel

Neu ist heute, diesen Text bei Matthäus zu lesen, der ihn deutlich kürzt und in Beziehung setzt zu dem alten und neuen Wein, den es gestern im Evangelium gab.

Aber was ist Dein Reden heute in mein Leben und in dieser Situation?

Pius-Brüder

Die Pius-Brüder haben am 1. Juli 2026 unerlaubt vier neue Bischöfe geweiht. Das ist schwerwiegender, als manche denken. Mein guter Freund Nikolas aus Schottland ist darum tief besorgt, ich spürte es in unserem Gespräch gestern. Es ist nicht einfach nur eine Weihe, es hat Aspekte, die an Luthers Spaltung erinnern. Eine Frage dabei ist, ob die katholische Kirche noch reformfähig ist, oder ob die Verhärtungen unaufhaltsam zu weiterer Distanz führen.

Die Dramatik ist kaum zu überbieten. Denn sie berührt direkt die Fragen zum Thema AfD, zum Islamismus und zu anderen Nöten in Deutschland.

Eine geistlich geschwächte, in sich gespaltene Kirche verliert die Kraft, der gesellschaftlichen Krise etwas entgegenzusetzen.

Das gilt auch für die meisten anderen westlichen Ländern.

Wenn ich sachlich auf die Situation schaue, sage ich, ohne etwas aufbauschen zu wollen: Ich wüsste nicht, wie unsere Zivilisation noch zu retten wäre.

Sie ist – wie der Blutfluss der Frau – nicht heilbar.

Und anders als beim Auftreten von Franziskus im 12 ten Jahrhundert sehe ich, dass Du, Herr, nicht immer eingegriffen hast. Die Reformation von Luther war keine Reformation – sie war eine Spaltung, eine nicht verheilte Verletzung des Leibes Christi.
Die eigentliche Reformation fand 28 Jahre nach dem Thesenanschlag dagegen in Trient statt. Aber sie konnte die Spaltung nicht mehr heilen.

Ich fasse diese Dinge hier nur zusammen, gern schreibe ich mehr dazu oder spreche einmal darüber.

Was geht es mich an?

Franziskus hat als einzelner Mensch eine Wende in Kirche und Gesellschaft herbeigeführt. Nicht als äußeres Werk, sondern grundsätzlich durch vollkommene Hingabe an Jesus Christus.

Viele glauben an Mission und hoffen auf viele Bekehrungen.

Ich erwarte davon weniger, als nötig wäre. Nicht Bekehrungen retten uns, sondern Heiligung.

Das ist verkürzt formuliert – aber es brennt mir in der Seele.

Petrus war ein Mensch. Paulus war auch nur ein Mensch.

Therese von Lisieux war eine Frau. Charles de Foucauld hat allein gewirkt.

Bonhoeffer und einzelne andere haben mehr bewirkt, als Kampagnen und Organisationen, als Spendenaufrufe und Aktivismus es tun.

Und ich?

Was fehlt mir?

Klarheit der Verantwortung?

Entschlossene Entschlossenheit?

Der Alltag verhüllt meine Augen. Und ich bin nicht sicher, ob das nicht auch ein Teil eines Herzenswunsches ist.

‚Bewahre mich vor zu viel Klarheit, denn ich weiß nicht, ob ich die Verantwortung tragen will, die sonst deutlich würde.‘

Gestern sagte mir ein Mann, den ich sehr schätze, meine Andachten wären zu schwer zu verstehen.

Das mag sein. Aber es ist ein kluger Mann, der das gesagt hat. Er versteht vieles, was andere nicht verstehen, und leistet Dinge, die anderen ein Vorbild sind.

Vielleicht geht es ihm wie mir.

Sein Unterbewusstsein schützt ihn davor, zu verstehen. Denn es ahnt die Konsequenzen.

Etwa so: Es muss anderes gemeint sein, als es da steht, denn was da steht, ist eine zu große Herausforderung.

Blutfluss

Ich nehme den Blutfluss der Kirche wahr. Den Blutfluss, der intensiv auch in meiner eigenen Familie Kraft und Leben kostet. Der unaufhaltbar zum Tode führen wird.

Aber bin ich so entschlossen und so glaubend, dass ich, zumindest von hinten, an Jesus herantrete, um Sein Gewand zu berühren?

Die Frau hat Jesus nach dem Verständnis ritueller Reinheit unrein gemacht. Sie hat als Frau alles übertreten, was kulturell erlaubt war.

Sie sah nur diese eine Gelegenheit, nur diese eine Person, nur heute, hier, alles.

Ich vermute, ich soll aus meinen Trippelschritten heraustreten.

Aber dann scheint mir das Feuer wieder nur wie auf einem TV-Bildschirm. Weit weg und extrem weit außerhalb meiner Komfortzone.

Werde ich lebendig, bevor ich sterbe?

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