Bin ich weise? Bin ich verständig?

So 05.07.2026

Mt 11:25-30 Jesu Lobpreis des Vaters; Vom Joch Jesu

(Tägliches Evangelium)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

25 Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.

26 Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor Dir.

27 Alles ist Mir von Meinem Vater übergeben worden; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem der Sohn Ihn offenbaren will.

28 Kommt her zu Mir, alle, die ihr euch abmüht und beladen seid, und Ich werde euch Ruhe geben.

29 Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn Mein Joch ist gütig, und Meine Last ist leicht.“

Du siehst nicht

Wenn ich jemanden sehe, der nicht sieht, was zu sehen ist, obwohl er doch meint, zu sehen – was lerne ich daraus?

Dass ich zuerst erwarten sollte, dass auch ich etwas nicht sehe, obwohl ich meine, es zu sehen.

Ein Beispiel dafür ist Israel.

Nur wem es Jesus zeigt

Dass ein Volk existiert, das wesentlich durch eine Religion zusammengehalten wird, ist ein Zeichen. Dass dieses Volk nach 1900 Jahren aus allen Ländern der Welt wieder in seine ursprüngliche Heimat kommt, ist ein Zeichen. Dass es seine nur in Konserven vorhandene Sprache wieder zur Muttersprache macht, ist ein Zeichen. Dass es von so vielen angefeindet und doch nicht besiegt wird, ist ein Zeichen.

Und vieles mehr.

Es ist wie mit Neonschrift am Himmel geschrieben: Es gibt einen Gott und es ist der Gott Israels. Und es ist eine besondere Zeit.

Aber selbst diese laute Selbstoffenbarung Gottes, kann die Weisheit der Welt nicht lesen – und kämpft im Herzen dagegen.

Und nun: Was ist offenbar – aber ich sehe es nicht?

Bin ich weise?

Ich verstehe Jesu Worte nicht so, das Weisheit an sich verhindert, dass mir der Vater im Sohn offenbart wird. Sondern Weisheit ist kein autonomes Werkzeug um Wahrheit, besonders um Gott, zu erkennen.

Vor allem Wissen, das bekanntlich Macht ist, ist oft wie ein Pfropfen im Ohr, wie eine volle Tasse, in die Gott nichts mehr einfüllen möchte.

Ich glaube, die wahre Weisheit erkennt, dass sie aus sich selbst nicht weise sein kann. Sondern sie nimmt sich selbst aus dem Weg, um das Ohr und das Herz zu öffnen.

Zu öffnen für die freie Offenbarung Gottes.

Denn die menschliche Weisheit dient von sich aus dem, dem zu dienen sie berufen ist: ihrem Eigentümer – mir selbst.

Sie hilft mir, dass ich wer sei und getrost leben kann als einer, der nicht umsonst lebt.

Aber das ist nur das vorläufige Leben, das immer schon sterbliche Leben.

Ich habe ein praktisches Beispiel.

Erleben

Gemäß meinen eigenen Andachten der letzten Tage räume ich auf und entsorge Dinge.

Warum ist das so schwer und was macht mir Not?

Ich habe schöne alte Notizen von mir in der Hand. Oder wunderbare Texte, die ich gesammelt habe. Oder meine Arabischunterlagen nebst Lehrbuch. Oder kluge Ausarbeitungen zu Israel. Oder gar gute Bücher.

Wenn ich sie jedoch neben die Zeit setze, die ich habe, spüre ich, dass sie weniger Segen als vielmehr Last sind. Was werde ich je wieder lesen? Was davon wird mich verändern?

Und sie sind in meiner „Haben-Schublade“, vielleicht sogar ein Pfropfen in meinem Ohr, weil ICH es habe.

Segen

Ich habe mich entschieden, die KI grundsätzlich nicht nach inhaltlichen Aspekten für meine Andachten zu fragen. Denn ich will Dich hören – nicht die schlaue KI.

Oft sitze ich lange und habe nichts. Dann erinnere ich mich daran, dass Du noch nie geschwiegen hast, wenn ich Dich in dieser stillen Zeit um etwas gebeten habe. Danke!

Und ich muss bereit sein, nichts zu haben.

Du sprichst nicht in ein Herz, das sonst eben jemand anderen fragt.

Alle Weisheit

Alle Weisheit, die ich habe, führt mich in mein eigenes Joch. Du aber wartest auf mich mit Deinem Joch.

Das kann ich nur annehmen, wenn ich meines zuvor loslasse.

Das fällt mir unterschiedlich schwer.

Wie töricht ich dabei bin, werde ich eines Tages voller Scham sehen.

Wenn ich erkenne, dass die, die das Zeichen Israel nicht gesehen haben, mir doch eine laute Lehre ob meiner eigenen Blindheit geben sollten.

So bitte ich: Hilf uns beiden.

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