Wo ist Petrus?

So 14.06.2026

Mt 9:36-10:8

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

36 Als Er aber die Volksmengen sah, wurde Er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und hingeworfen waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.

37 Da spricht Er zu Seinen Jüngern: Die Ernte ist zwar groß, die Arbeiter aber sind wenige.

38 Bittet daher den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte aussende.

10,1 Und Er rief Seine zwölf Jünger zu Sich und gab ihnen Vollmacht über unreine Geister, sie auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.

2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder;

3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;

4 Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot, der Ihn auch überlieferte.

5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen: Geht nicht auf einen Weg der Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter.

6 Geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

7 Geht aber und verkündet: Das Himmelreich ist nahe gekommen.

8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.

Verlorene Schafe

Nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Die Kirche ersetzt Israel nicht, aber für mich als Nichtjuden ist heute auch die Kirche gemeint. Geht hin, zu den verlorenen Schafen der Kirche – so höre ich Jesu Worte.

Und zuvor: Der Blick Jesu auf die erschöpften Schafe, auf die Schafe ohne Hirten.

Dass die Kirche – und damit meine ich meine katholische Kirche, aber auch alle anderen, die ich kenne – eine Unmenge verlorener Schafe umfasst, scheint mir offenbar. Und es schmerzt mich. Das gilt für persönliche Fragen.
Aber auch die Kirche selbst – wo steht sie?

So hat z. B. weder das katholische Lehramt noch der Papst eine klare Aussage zum Geschehen am 7.10.23 veröffentlicht. Von der evangelischen Kirche habe ich es leider auch nicht erwartet. Und die Freikirchen haben kaum zentrale Aussagen.

Ich sprach auf dem Israelseminar mit einem Mitglied der ausrichtenden Gemeinde (Landeskirche) über die Stellung der Gemeinde zu Israel. Wie schon zu Corona sind Überlegungen der öffentlichen Wirkung vor der Frage nach der Wahrheit maßgebend.

Paulus

Paulus sammelt Geld für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem. Nur für Jerusalem. Es ging um die Armen – aber es ging genauso um Jerusalem.

Eine klare Stellungnahme zu Juden an diesem konkreten Ort. Paulus wagte das. Heute wäre es vermutlich nicht „politisch korrekt“, sich nur für Jerusalem auszusprechen, und nicht auch für alle anderen Armen.

Ich fragte meinen Gesprächspartner, ob er sich in der Gemeinde klar dafür äußert, wie wir auf Israel verwiesen sind. Nein, er möchte keinen Streit.

Und auch ich möchte keinen Streit, so wie es zur Zeit von Corona war. Zwar habe ich einigermaßen gelernt, wie ich auf dem Markt in Buchholz mit Menschen umgehe, die sehr antizionistisch denken. Aber das scheint mir etwas anderes als in der Gemeinde.

Ich bekenne, das ich es nicht weiß. Und ich weiß es nicht, weil ich nicht “sehen will, was auch immer erkannt werden soll“ (siehe die Andacht vom 28.05.2026).

Ich fürchte mich davor.

Petrus

In all diesen Fragen spüre ich, wie sehr mir jemand fehlt, der vorangeht und Verantwortung übernimmt.

In vielen Phasen meines Lebens hatte ich Menschen, die mir väterlich zur Seite standen. Z. B. meinen geistigen Vater J. Paulsen.

Heute vermisse ich das mit Schmerzen.

In der Berufung der Jünger werden konkrete Namen genannt. Und bei Simon Petrus steht: „Zuerst“.

Petrus geht voran. Er hat das letzte Wort.

Es ist ein Bild für die Kirche – aber ich suche es auch im Persönlichen. Wer geht mir voran? Wer lässt sich in persönliche Verantwortung für konkrete andere Menschen rufen? Wir brauchen das – ich brauche das.

Gerade in dieser Situation der Kirchengeschichte, die sich auf besondere Weise mit Israel kreuzt.

Bis dahin

Selbst mit einem geistlichen Vater bin ich auf Gott geworfen und soll in Ihm, in Dir forschen, fragen und klopfen.
Wieviel mehr in der geistigen Einsamkeit.

Vor jeder „Predigt“ kommt das ernsthafte Ringen um den klaren Auftrag, um die zu benennende Wahrheit.

Was von alledem soll benannt werden? Wofür genau stehe ich mit meiner sozialen Existenz gerade? Nicht für eine Meinung, egal wie sicher sie mir scheint.

Nicht für Corona, nicht für Migration, nicht für Ukraine. Ich habe nur einen sozialen Ruf zu geben – wo genau, wann genau wird er von mir gefragt?

Gott helfe mir.

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