Sa 13.06.2026 Gedenktag an Mariens Herz
Lk 2:41-51 Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
41 Und Seine Eltern gingen Jahr für Jahr zum Fest des Passah nach Jerusalem.
42 Und als Er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie nach dem Brauch des Festes hinauf.
43 Und nachdem die Tage vollendet waren, kehrten sie zurück. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, und Seine Eltern wussten es nicht.
44 Da sie aber meinten, Er sei in der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagesreise weit und suchten Ihn unter den Verwandten und Bekannten.
45 Und als sie Ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten Ihn.
46 Und es geschah: Nach drei Tagen fanden sie Ihn im Tempel, wie Er mitten unter den Lehrern saß, ihnen zuhörte und sie befragte.
47 Alle aber, die Ihn hörten, gerieten außer sich über Sein Verständnis und Seine Antworten.
48 Und als sie Ihn sahen, wurden sie bestürzt. Und Seine Mutter sagte zu Ihm: Kind, warum hast Du uns das angetan? Siehe, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht.
49 Und Er sprach zu ihnen: Warum habt ihr Mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass Ich in dem sein muss, was Meines Vaters ist?
50 Und sie verstanden das Wort nicht, das Er zu ihnen sprach.
51 Und Er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untergeordnet. Und Seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen.
Ordnungen
Maria und Josef werden Eltern Jesu genannt. Mit zwölf wurden Kinder zu dieser Zeit religiös selbstständig. Jedes Jahr gehen sie zum Passahfest, einen weiten, beschwerlichen Weg.
Offenbar wächst Jesus in rechter Ordnung auf. Kirchgang ist nicht optional, er ist Teil der Ordnung, in der das Heil heranreift.
Und: Jesus erkennt sein eigentliches Vaterhaus. Er verkostet es intensiv und lange. Dann aber ordnet Er sich seinen Eltern unter, Er, dessen Vater Gott ist.
Wenn Du, Gottes Sohn, Dich ganz in die Ordnung gibst – wer bin ich, das für unwichtig zu halten, eventuell lässig zu sein?
Maria
Das Wort „bestürzt“ in Vers 48 ist für heutige Ohren zu schwach. Einmal, weil es im Griechischen mehr bedeutet, und auch, weil Übertreibungen und extreme Begriffe inflationär benutzt werden. Jesu Eltern waren fassungslos. Was an allem es genau war – oder eben alles zusammen –, ist nicht sicher.
Maria sagt dann: „Siehe, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht.“ Das Wort erscheint auch beim reichen Mann in der Lazarusgeschichte, als dieser in den Flammen leidet.
Aber es ist kein Schmerz, kein Leid der Vernichtung, sondern wie ein Leid bei einer Geburt.
Maria bewahrt all die Worte in ihrem Herzen. Und damit auch all das Leid. Und sie wird damit bereitet für noch viel größere Schmerzen. Den ohnmächtigen Schmerz am Rand des Leidensweges ihres Sohnes. Der Schmerz einer Mutter, deren Sohn zu Tode gequält wird. Den geistigen Blackout, als sie den Leichnam all ihrer Hoffnung, ihrer Verheißungen, ihres Lebens tot in den Armen hält.
Der Vater mutet ihr all das zu (siehe die Zumutung im Text von gestern). Er bindet sie ein in Sein Erlösungswerk für die Menschen. Auch wenn manch Evangelikaler es nicht hören will, ist doch offenbar: Maria ist eingebunden in das Erlösungswerk des Sohnes. Das geschieht in einem anderen Sinn als bei Jesus selbst.
Vielleicht schreien wir, weil wir für uns diese Zumutung weit von uns weisen wollen. Weil eine ideologische Theologie uns von der Unbegreiflichkeit dieser Dinge schützen soll. Weil doch wieder Erkenntnis es richten soll, wie schon im Garten Eden.
Ohne Erkenntnis
Sondern mitten im Geschehen. Es wird nicht gesagt, dass Maria etwas erkannte, als ihr Sohn von Seinem Vaterhaus sprach. Sondern sie bewegte diese Worte, dieses Geschehen in ihrem Herzen.
Ich möchte sagen:
Sie bewegte ihr Herz in diesen Worten.
Denn der Verlust der Kontrolle, der Verlust des eigenen Ganz-Seins im Schmerz verbindet Maria mit Größerem. Sie wird eingebettet in Gottes Reich. Einbetten ist nicht begreifen.
Und so weiß ich, dass ich nicht weiß. Sondern annehme. Annehme, was der so viel Größere weiß und will.
Das Herz bewegen zu lassen, bereitet es für Wachstum. Aber nicht nur eigenes Wachstum, sondern „Zusammenwachstum“. Verschlingung in das Schicksal Gottes mit den Menschen.
Erleben
Gestern habe ich bei Mordechai ben Jaakov etwas von der Bedeutung der Wolke erfahren (Israelseminar in Poppenbüttel). Und davon, dass die drei Hütten auf dem Berg der Verklärung mit Sukkot-Hütten (Laubhütten) zu tun haben. Offenbar nach oben offen. Unter dem Loslassen eines sicheren, festen Daches. In Erwartung der Schechina Gottes, wie sie Israel durch die Wüste begleitet hat, und wie sie Jesus bei Seiner Himmelfahrt begleitet hat – und begleiten wird, wenn Er wiederkommt.
In Bestaunen meiner Ahnungslosigkeit und meiner Bedürftigkeit, von Juden gelehrt zu werden.
Ich weiß, dass ich nicht weiß – das ist meine köstlichste Weisheit.