Do 30.07.2026
Mt 13:47-52 Das Gleichnis vom Fischnetz
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
47 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische jeder Art zusammenbrachte.
48 Als es voll geworden war, zogen sie es ans Ufer, setzten sich und sammelten die guten Fische in Gefäße; die schlechten aber warfen sie hinaus.
49 So wird es bei der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern
50 und sie in den Feuerofen werfen; dort wird Weinen und Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr dies alles verstanden? Sie sagen zu Ihm: „Ja.“
52 Er aber sprach zu ihnen: „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der für das Reich der Himmel zum Jünger geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“
Erinnerung
Ich habe schon vom Kampf der Gnade mit dem leeren Acker gesprochen. Siehe den 28.07.2026: Heilsgewissheit.
Vor dem Hintergrund der Frage: Zu wem gehöre ich?, denke ich heute über das Reden nach, weil es mir in den vergangenen Tagen vermehrt begegnet ist.
Der Gerechte
Mein Herr setzt nicht den Bösen gegen den Guten. Sondern den Gerechten.
Wörtlich werden die Engel „die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern“.
Gerechte sind eine Gemeinschaft derer, die zugehörig sind. Zum Vater und zueinander. Die für den anderen denken und reden – und nicht gegen ihn.
Die aus dem Herzen des Vaters heraus denken – und sich nicht erlauben, mit der Welt zu kokettieren.
Das Reden
Entzündet hat sich das Thema an der Frage, ob es für die gute Beziehung, für die Liebe in der Ehe nötig ist dem je anderen öfter etwas Gutes zu sagen. Komplimente insbesondere.
Ich sage: Wie viele Worte sind Lügen. Nicht Sachlügen, sondern Herzenslügen.
Eine wesentliche Aufgabe des miteinander Redens ist, erkennbar für den anderen zu werden. Und wir verhüllen uns mit Worten.
Ich sprach gestern mit meinem Freund Daniel K. darüber. Daniel ist Philosoph und Psychologe. Ich erwähnte schon, dass er auf der Ökumenischen Konferenz einmal mit einer Andacht dran war. Er offenbarte, dass ihm viel dazu eingefallen sei, aber er habe nicht gehört, dass Gott ihm gesagt habe, dass er das erzählen soll.
Dann die unvergesslichen Worte: „Es gibt kein Happy End“ – und die Nicht-Andacht war zu Ende.
Daniel hat auch eine Ausbildung zum Klinik-Clown. Er erzählte mir, dass ich erkennen kann, wann ein Clown unsicher wird. Dann, wenn er anfängt, viel zu reden.
Golddeckung
Vor über 100 Jahren stand auf den Geldscheinen noch, dass die Reichsbank dieses Papier auf Verlangen einlösen würde. Hinter der Mark stand damals Gold. Das nennt man Goldstandard oder Golddeckung.

Für den Dollar galt das faktisch bis 1933. Interessant: Da der Dollar auch Weltreserverwährung war, galt die Einlösbarkeit für Zentralbanken weiterhin. Bis zum „Nixon-Schock“ am 15.08.1971. Ursache war unter anderem die Finanzierung des Vietnamkrieges.
Diese Golddeckung möchte ich gern für meine Worte beibehalten – oder noch weiter einführen. Meine Worte sollen mich haftbar machen. Was ich sage, soll man von mir fordern können.
Und damit verliere ich die „Finanzierung des Krieges“.
Und darum beende ich den Krieg um mich selbst.
Schweigen
Ich bin es so gewohnt, etwas zu sagen, was mein Herz vor Verletzung schützen soll, dass ich eine Übergangszeit brauche.
Nicht in dem Anspruch, sondern in der Verwendung von Worten.
In dieser Übergangszeit will ich so wenig Kredit aufnehmen wie möglich.
Das heißt im Alltag: Ich will im Zweifel lieber öfter schweigen.
Und hier schließt sich der Ring.
Habe ich nicht Gutes zu sagen, das auch von meinem Herzen gedeckt ist, möchte ich schweigen und meine Zunge verschlucken.
Aber hier gebe ich nun Johannes Hartl recht, der in etwa sagt: Hast du nichts Gutes, was du sagen kannst, dann kümmere dich darum. Suche es, entdecke es.
Denken
Wenn ich im Auto sitze und keiner da ist, entdecke ich an meinem eigenen Reden, was ich über andere Autofahrer wirklich denke. Denn es hört keiner.
Ein guter Ort der Übung.
Noch besser: Meine Gedanken hört auch kein Mensch (Gott hört sie).
Ich diszipliniere meine Gedanken vor meinen Worten.
Dort übe ich, was ich wirklich will.
Ich will das Gute im Anderen suchen.
Und ich erlaube mir nicht länger, etwas Schlechtem an ihm nachzugehen, auch nicht in Gedanken.
Das heißt nicht, dass ich das Schlechte nicht mehr sehen darf.
Es heißt: Ich suche das Gute am Schlechten.
Was das heißt, habe ich am 25.09.2025 beschrieben: Das Unkraut des Opportunismus. Und auch im Anhang findet sich etwas.
Blitzlicht
Mit diesem Text ist eine Seite, ein Aspekt angedeutet. Andere sind ebenfalls wichtig. Sie hier nicht zu nennen, ist keine Wertung.
Wenn ich aber im Lichte der Schärfe des Evangeliums bleiben will – und das will ich –, dann soll es auch Konsequenzen haben.
Hintergrund.
Text der KI zu Frage:
„Die deutsche Golddeckung wurde im Zuge des 1. Weltkrieges geopfert – richtig?“
Ja. Der Erste Weltkrieg ist der entscheidende Einschnitt, genauer gesagt der Kriegsbeginn 1914.
Im Deutschen Kaiserreich war die Mark seit der Reichsgründungszeit eine Goldwährung. Grundlage war die Mark von 1871/73; gesetzlich entsprach 1 Mark = 0,358423 g Feingold.
Mit Kriegsbeginn geschah 1914 Entscheidendes: Die Reichsbank wurde von ihrer Verpflichtung entbunden, ihre Banknoten in Gold einzulösen. Gleichzeitig wurden die Regeln zur Deckung der Banknoten gelockert. Damit konnte der Staat die Kriegsausgaben wesentlich stärker über Kredit und Geldschöpfung finanzieren.
Wichtig ist die Unterscheidung: Die Goldmark und ihre Goldparität verschwanden rechtlich nicht schlagartig am 1. August 1914. Aber die entscheidende Eigenschaft einer Goldwährung – die tatsächliche Einlösbarkeit des Geldes in Gold – war außer Kraft gesetzt. Praktisch war die Goldwährung damit suspendiert.
Der weitere Verlauf ist bemerkenswert:
1914 → Goldeinlösung ausgesetzt → Kriegsfinanzierung durch Schulden und Geldmengenausweitung → zunehmende Entwertung der Papiermark → nach dem Krieg weitere Defizitfinanzierung → 1923 Hyperinflation.
Man kann also durchaus sagen:
Deutschland opferte 1914 die funktionierende Goldbindung seiner Währung, um den finanziellen Spielraum für den Krieg zu gewinnen.
Nur würde ich nicht sagen, die Hyperinflation von 1923 sei einfach die unmittelbare Folge davon. Dazwischen liegen Kriegsschulden, Kriegsfolgen, Reparationen, politische Entscheidungen und schließlich die Finanzierung des passiven Widerstands im Ruhrkampf.
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Zweiter Hinweis:
„Es kommt aus dem Grundgedanken, das alles Seiende von Gott ist. Das Böse ist nur eine Veränderung am guten, nicht etwas eigenes.“
Ja. Damit wird mir auch klarer, warum dir „das Gute am Schlechten“ wichtig ist und nicht bloß „das Gute im Anderen“.
Du argumentierst ontologisch: Alles, was ist, ist insofern es ist, gut, weil sein Sein von Gott kommt. Das Böse hat kein eigenes Sein neben oder gegenüber dem Guten. Es ist Mangel, Verkehrung oder Beschädigung eines Guten – klassisch privatio boni.
Das findet sich besonders deutlich bei Augustinus von Hippo und später bei Thomas von Aquin. Thomas formuliert den entscheidenden Gedanken: Das Böse kann nur in einem Guten existieren; denn etwas schlechthin Böses, dem jedes Gute fehlte, hätte auch kein Sein mehr.
Damit bekommt dein Satz eine größere Schärfe:
„Ich suche das Gute am Schlechten.“
Das heißt nicht: Ich rede das Schlechte gut.
Sondern: Welches Gute ist hier beschädigt, verdreht, ungeordnet oder seines rechten Maßes beraubt worden?
Beim Opportunismus könnte beispielsweise die Fähigkeit, sich einer Situation anzupassen, zunächst ein Gut sein. Böse wird sie, wenn Wahrheit oder Treue diesem Gut untergeordnet werden. Das Böse lebt gewissermaßen vom Guten, das es verformt.
Und damit passt es ausgesprochen gut in deine Andacht über das Reden. Auch die Lüge braucht Wahrheit: Sie muss genügend Wirklichkeit enthalten, um überhaupt glaubwürdig zu sein. Auch verletzendes Reden kann aus etwas Gutem entstehen – etwa dem Wunsch, sich zu schützen, Gerechtigkeit herzustellen oder gesehen zu werden –, das aber eine falsche Gestalt angenommen hat.
Dann bedeutet
„Ich erlaube mir nicht länger, etwas Schlechtem an ihm nachzugehen“
nicht, das Böse nicht ernst zu nehmen. Im Gegenteil: Du fragst tiefer nach ihm – bis zu dem Guten, von dem diese konkrete Verkehrung überhaupt lebt.
Das ist philosophisch wesentlich anspruchsvoller als positives Denken. Es ist eine Aussage über die Struktur der Wirklichkeit.