Heilsgewissheit

Di 28.07.2026

Mt 13:36–43 Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

36 Dann entließ Er die Volksmengen und ging in das Haus. Und Seine Jünger traten zu Ihm und sprachen: „Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.“

37 Er aber antwortete und sprach: „Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen.

38 Der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen.

39 Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters; die Schnitter aber sind Engel.

40 Wie nun das Unkraut gesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es bei der Vollendung des Zeitalters sein.

41 Der Sohn des Menschen wird Seine Engel aussenden, und sie werden aus Seinem Reich alle Verführungen und die, die Gesetzlosigkeit tun, sammeln

42 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre!“

Keine vollständige Antwort

Das Thema ist zu umfangreich und innerhalb eines Geheimnisses verborgen. Ich kann nicht sagen, es ist so oder es ist so.

Aber ich kann andeuten, wie es nicht ist, und was dazu gehört.

In der Konsequenz warnt der Text mich und andere davor, ein Verführer zu sein – etwas, das sehr schnell und auch ohne direkten Vorsatz passiert.

Ich bin auch ein Verführer, wenn ich einseitig schreibe und rede – und wenn ich so lebe, dass ich damit andere in falscher Sicherheit wiege.

Es geht um den Feuerofen.

Die Treue zur Wahrheit darf auch nicht vor einem sozialen oder anderen Martyrium zurückschrecken. Wenn auch niemals gesucht oder provoziert.

Es geht um Christen

Viele evangelikale Christen pochen auf ihre Heilsgewissheit. Sie haben eine Reihe von Bibelstellen dafür, die das zu belegen scheinen.

Dort scheint mir schon eine erste Gefahr. Ich sehe nicht, dass die Bibelstellen sagen, man solle Heilsgewissheit haben. Jesus sagt z. B. in Johannes 10,28–29: „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“,

Aber darf ich mich vorschnell zu denen rechnen, nur weil ich gegenwärtig Nähe zu Gott empfinde oder irgendwann eine Lebensübergabe vollzogen habe.

Das Gleichnis

Es wirkt zunächst befremdlich.

Als ob nichts davon mit dem Menschen selbst zu tun hätte. Der eine kommt aus der einen Saat, der andere aus der anderen. Kein Ort für Freiheit.

Ich lese es so:

Zunächst ist die Scheidung existenziell. Wer Sohn des Lügners ist, bringt keine Frucht hervor. Und wer Sohn des Reiches ist, bringt offenbare und eindeutig Frucht hervor – nicht leeres Unkraut. Der Unterschied ist extrem groß.

Das Unkraut wird nicht begnadigt!

Es wird verbrannt.

Wer meint, Heiligung wäre ein Luxus, der irrt.

Aber was soll ich denn tun? Bin ich nicht dies oder das und es ist, wie es ist?

Niemals.

Würde

Der Mensch ist kein Objekt, auch nicht für Gott.

Er ist Ihm ein Gegenüber.

In Christus ist er Ihm immer wieder ein freies Gegenüber.

Der Boden kann gepflügt werden in der Gnade, im Werk Jesu.

Aber es ist nicht der Sinn des Ackers, gepflügt zu sein.

Sondern er soll Frucht bringen.

Darum kann es nicht ausschließlich mit diesem Gleichnis beschrieben sein.

Gleichnisse

Sie zeigen einen Aspekt des Reiches Gottes. Sie sind keine technische Betriebsanleitung. Sie beantworten viele Fragen nicht und belassen viele Geheimnisse.

Und sie sind nicht für jedermann. Sie sind uns nicht unterworfen. Sondern sie sprechen zu Ohren, die hören wollen.

Zu mir spricht heute besonders der Satz von der Verführung.

Verführe ich Menschen, Christen?

Vorbild

Alle Menschen haben einen Einfluss auf andere. Alle, denen ich mich aussetze, haben einen Einfluss auf mich – und ich auf sie.

Dass mir Hunderte Christen in meinem Leben eine Lässigkeit des Glaubens vorgelebt haben, werden sie vor Gott verantworten müssen. Ich selbst bin in Versuchung, meine eigene Erkenntnis zu diesem Thema von diesen Versuchungen relativieren zu lassen.

Alle anderen glauben es anders – vielleicht bin ich doch zu verbissen?

Aber viel wichtiger:

Inwiefern kann man Christus an mir erkennen?

Wer in meiner Familie sieht Ihn an mir?

Welcher Art ist meine Substanz – Taumelkraut?

Verkümmerter Weizen vielleicht, aber mit kaum erkennbarer Frucht?

Welche Vögel nisten in meinen Zweigen? Vielleicht ein Zaunkönig?

Wie klar lebe ich vor der unsichtbaren Welt die Gestalt meines Königs?

Reichtum

Eine reiche Kirche wird regelmäßig zu einer schwachen Kirche.

Israel im Erfolg ist schon nach kurzer Zeit schwach im Geist.

Ich lebe in einem reichen Land zu einer bequemen Zeit. Ich bin mehr in Gefahr als die Generation meiner Mutter.

Mein „normal“ ist ein dekadentes Normal.

Wenig dringt tiefer ein als in die Fettschicht des „Angenehm“.

Unangenehm ist noch keine echte Bewährung.

Ich habe kein Schlusswort, denn ich stecke mitten drin.

Vielleicht hast Du ein Wort für mich?

Hinterlasse einen Kommentar