Mo 27.07.2026
Mt 13:31–35 Die Gleichnisse vom Senfkorn und Sauerteig
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
31 Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor und sprach: „Das Reich der Himmel gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte.
32 Es ist zwar kleiner als alle Samen; wenn es aber gewachsen ist, ist es größer als die Gartengewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen wohnen.“
33 Ein anderes Gleichnis sagte Er ihnen: „Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“
34 Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete Er nichts zu ihnen,
35 damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: „Ich werde meinen Mund in Gleichnissen öffnen; ich werde aussprechen, was seit Grundlegung der Welt verborgen ist.“
Fortsetzung
Die Gleichnisse sprechen zum selben Thema, und deshalb setzt sich auch der Inhalt der Andachten fort. Es geht um die große Scheidung.
Die Gleichnisse im Kapitel 13 reden von diesem Thema.
Kein Gleichnis sagt, wie man besser leben kann. Oder was man moralisch tun soll. Es ist nicht Erziehung, es ist in Verantwortung stellen.
Das Wort Gleichnis
Matthäus (nicht Jesus) weist in V. 35 auf Ps 78 hin. In der griechischen Übersetzung des Psalms, der Septuaginta, wird das hebräische מָשָׁל (māšāl) mit παραβολή (parabolḗ) wiedergegeben.
Es sind aber die Geschichten des Volkes Israel vom Pharao, dem Schilfmeer, der Wüstenwanderung und mehr.
Es sind nicht Geschichten der Väter allein. Sie werden zur Parabeln unseres Lebens als Gottesvolk.
Das heißt: Die Thora ist auch Gleichnis für uns Christen!
Warum keine Handlungshinweise?
Ein Freund sagt oft: „Bitte sage mir doch, was ich genau tun soll.“
Wie oft wünsche auch ich mir klare Worte, was und wie ich etwas tun soll.
Was passiert stattdessen?
Du, Herr, benennst in klarer Form die Folgen all meiner Entscheidungen. Ich wähle zwischen Fluch und Segen. So wie Mose es Israel vorgelegt hat.
Mein Leben ist kein „Sowieso schon“ gerettet sein.
In Wirklichkeit weiß ich doch, worauf es hinausführt, was ich zur Grundlage meines Lebens mache. Meinen Selbstschutz, meine Sicherheit, meinen Nutzen, mein, mein, mein.
Ich kann
Ich kann entscheiden, wer ich sein will.
Jesus nimmt es mir nicht ab – sondern Er offenbart, was meine Entscheidung bedeutet.
Zumeist, wenn ich nach Handlungsanweisungen frage, suche ich nach Ausreden!
Und das ist der Alltag – Ausreden.
Ich erlebe es überall, selbst bei sehr frommen Freunden. Und ebenso immer wieder in meinem Herzen.
Und dabei weiß ich es und kann es. Ich weiß es in der jeweiligen Situation – oder nachher. Ich habe es eigentlich gewusst.
Und ich erlebe im Tun, dass ich es auch kann. Zu können ist kein Vorrat, sondern ein Zufluss. Ich kann es, weil ich im Tun dazu Kraft empfange.
Und dieses Wissen um die Konsequenz, dieses Hörenkönnen auf das, was zu tun ist – es ist wie ein Baum.
Er wächst von einem kleinen Senfkorn an.
Übrigens: Jesus redet von Gartengewächsen – nicht von Zedernbäumen.
Von Anfang an geht es nicht um Größe an sich, sondern um das Hineingeordnetsein in den „Garten Gottes“. Den angebauten, kultivierten Garten – nicht die wilde Natur. Vom Gärtner an seinen Ort gesetzt.
Bildbetrachtung
Mein Freund Gabriel hat mir den wunderbaren Bildband zu den Gleichnissen Jesu geschenkt. Es ist wie ein warmer Sommerregen, die Illustrationen von Eugene Burnand verweilend zu betrachten:
Ich sehe im Blick des kleinen Mädchens die Suche nach dem Vertrauen in den Augen der Mutter. Sie schaut gerade in dem Übergang von Halten zum Geben. Ihr Herz wird geformt und sie ist der erste neue Teig des Geschehens.
Die Frau schaut mit einem Schimmer der Vorfreude auf den Sauerteig. In ihrem Blick ist keine Sorge, kein Zögern, keine Unsicherheit. Ihre Körperhaltung verlangt dem Kind aber eine echte Entscheidung ab. Sie reicht die Hand – aber sie ist doch ganz in ihrer Arbeit und lehnt schon so an dem Trog, wie es das Hineinkneten gleich erfordern wird.
Einkneten des Sauerteigs ist Arbeit, ist ein sich hinabbeugen in den Dienst.
Bildbetrachtungen üben ein in das „Nichts“, von dem ich am 22.07. sprach. Es erscheint uns Männern als ein Nichts, aus dem Frauen etwas „zaubern“. Weil es dem Eiligen, dem Verzweckenden, dem Gierigen entgeht.
Siehe: Aus dem Nichts