Stärke als Entschiedenheit

So 26.07.2026

Mt 13:44-52 Das Himmelreich – Schatz, Perle und Netz

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

44 Das Reich der Himmel gleicht einem Schatz, der im Acker verborgen war, den ein Mensch fand und wieder verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

45 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht.

46 Als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

47 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische jeder Art zusammenbrachte.

48 Als es voll geworden war, zogen sie es ans Ufer, setzten sich und sammelten die guten in Gefäße, die schlechten aber warfen sie hinaus.

49 So wird es bei der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern

50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

51 Habt ihr dies alles verstanden? Sie sagen zu Ihm: „Ja.“

52 Er aber sprach zu ihnen: „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der zum Jünger des Reiches der Himmel geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“

Vorwort

Die Radikalität dieses Evangeliums passt nicht zu dem Alltag der meisten Christen. Auch ich habe nicht ALLES verkauft, um jenen Schatz oder jene Perle zu kaufen.

Ich vermute, es ist eher so, wie bei einem Hauskauf. Ich setzte etwas Eigengeld ein. Dann entscheide ich mich für das Haus in einem Termin bei einem Notar. Ich kaufe etwas, das ich dann im Laufe von Jahrzehnten bezahle.

Das Beispiel hinkt, denn ich bezahle nicht mit allem, was ich habe. Aber es zeigt, dass ich den Preis für die Perle erst im Laufe meines Lebens mehr und mehr verstehe. Ich habe mich grundsätzlich entschieden – aber es bleibt eine lange Aufgabe, mein Leben ganz in das Reich Gottes einzuordnen.

Es hinkt auch insofern, als die unvollständige Hingabe nicht ein Abbezahlen, sondern ein fehlendes Einnehmen dieses großen, himmlischen Hauses ist. Je mehr ich vom alten Leben zurücklasse, desto mehr erkenne ich die Größe und Pracht des Hauses.

Aber ich möchte heute ein Erleben schildern, das sich auf die Andacht zur Stärke von gestern bezieht.

Erleben

Am Freitag habe ich eine große körperliche Schwäche empfunden. Immer wieder wollte ich mich hinsetzen, am besten hinlegen. Ich hatte praktisch kaum Kraft.

Aber da meine Frau im Krankenhaus ist und wir zudem Hund und Hühner der Kinder wegen deren Urlaub versorgen müssen, habe ich einige Dinge zu tun. Und weitere Dinge sollte ich zudem tun.

Es gab eine innere Entschiedenheit zur Treue in diesen Diensten. Und so konnte ich sie tun.

Am Samstag ging es mir wieder sehr gut. Neben dem Israelstand auf dem Markt konnte ich alle Dienste aus einem Überschuss heraus tun.

Ich habe nun wahrgenommen, dass ich am Samstag Gott weniger nahe war als am Freitag. Die Entschlossenheit zum Gehorsam war weniger nötig, weil es leichter war.

Zwar war es schön und ich bin dankbar – aber ich merke, Kraft ist nicht das, was ich fühle, sondern die wichtige Form der Kraft ist die Entschlossenheit zum Gehorsam.

Mir scheint sogar, beides hängt zusammen. Es ist ein wenig wie Training und Pause im Sport.

Es gibt Tage, da sehe ich zumeist, was es gilt für Gott loszulassen. Was es kostet, ein Jünger zu sein. Tage mit Grenzerfahrungen.

Und dann gibt es Tage, an denen ich den Glanz der Perle sehen kann und mich sehr an ihr freue.

Für beides bin ich dankbar.

Das Netz

Man muss es stehen lassen.

Es gibt ein Gericht und es betrifft Christen.

Zähneknirschen erlebt der, der die Gnade kannte und sie nicht in seinem Lebensvollzug gelebt hat. Es ist der Schmerz über mich selbst, meine gewählte Torheit.

Und was ist der gute Fisch?

Es ist der Fisch, der für andere genießbar ist.

Es ist der Mensch, der ein Segen für seine Umwelt ist.

Der Mensch, der Gott ehrt, indem er Schritt für Schritt – oder mit einem großen Schritt – auf seinen eigenen Nutzen verzichtet.

Die Perle ist zum Schmuck im Haus Gottes – nicht vor meiner Brust.

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