Fr 31.07.2026
Mt 13:54-58 Jesus in Nazareth
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
54 Und Er kam in Seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, sodass sie erstaunten und sprachen: „Woher hat Dieser diese Weisheit und die Wunderkräfte?
55 Ist Dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht Seine Mutter Maria und Seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?
56 Und Seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher also hat Dieser das alles?“
57 Und sie nahmen Anstoß an Ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: „Ein Prophet ist nirgends ohne Ehre außer in seiner Vaterstadt und in seinem Haus.“
58 Und Er tat dort nicht viele Wunderkräfte wegen ihres Unglaubens.
Wie steht es im christlichen Abendland?
Nach Kleinasien war Europa jahrhundertelang eine Art Heimat für Jesus. Noch vor 50 Jahren kannte fast jeder Europäer irgendwie Jesus, das Christentum.
Seine Familie – die Kirche – und manche Tradition, besonders die Feiertage.
Auf meiner eigenen Suche nach dem Transzendenten kam ich jedoch überhaupt nicht auf die Idee, dies im Christentum zu suchen.
Ich sah es ja und es war keine Antwort auf meine Fragen, mein Suchen.
Darum suchte ich an anderen Orten – brandgefährlich, wie ich heute weiß.
Aber wie spricht der Text heute zu mir?
Habe ich mich vielleicht mit einem Jesus eingerichtet, den ich meine zu kennen? Zu dem ich dies und das sagen kann und mit dem ich jenes erlebt habe und erlebe.
Wie war es für die Nazarener?
Jesus, der Sohn der Stadt, kam nun als ein sehr anderer zu ihnen.
Wie soll ich das verstehen – und müsste ich selbst vielleicht ein anderer werden, um diesen Jesus, der der Messias ist, zu erkennen?
Glaube ist neue Familie
In meiner deutschen Kultur ist Familie als Wert sehr klein und schwach geworden. Vielleicht noch die Kernfamilie, vielleicht noch Verwandtschaft ersten Grades – aber auch das ist zumeist nicht das Zentrum des Lebens.
Für die Ehre der Familie zu leiden oder zu sterben, ist äußerst fern. Wenn andere Kulturen das leben, scheint es uns schon ganz unverständlich.
Aber Glaube ist eine Familienbeziehung der höchsten Güte.
Ich glaube nicht an eine Idee. Oder an die Rettung. Oder an das ewige Leben.
Ich trete ein in das Haus Gottes als neues Familienmitglied.
In eine Familie, in der jeder für den anderen alles tut.
Ein wenig wie bei einer irdischen Hochzeit. Ich heirate die Familie mit. Das soll so sein, alles andere ist törichter Egoismus.
Und was nun, wenn meine Frau sich ändert?
Wenn sie nicht mehr die ist, die ich geheiratet habe?
„Sei der, den ich kenne“
In meiner Eheberatung ist das ein Thema. Der andere ändert sich und ich mochte ihn doch so, wie er war, als ich ihn kennengelernt habe.
Ich kenne Jesus als Freund und Erlöser.
Aber nun tritt Er mir auch anders gegenüber.
Zum Beispiel in Israel.
Ja, Israel ist manchen Christen eine zu fremde Seite Jesu.
Sie kennen Ihn als Hausgenossen ihrer Kirche – nun plötzlich als jemand, der Seine alte Heimat wiederherstellt. Puh.
Und ich?
Wie sehr lege ich Dich auf das fest, was ich kenne, was ich liebe?
Wohl auch, weil ich ahne: Würde ich Dich neu erkennen, würde es bedeuten, dass auch ich anders werden muss.
Du und ich, wir sind ja zusammen unterwegs.
Du willst mir fremde, andere Seiten an Dir offenbaren.
Und Du hoffst, ich gehe auch diese Wege mit Dir.
Ich weiß: Erwarte ich, dass Du meinem Bild von Dir entsprichst, kannst Du wenig Wunderbares tun, an dem Ort, an dem wir sind.
Ich verhindere es – auch für den Ort, an dem ich sein soll.
Und auch
Auch der Mensch an meiner Seite – darf er ein anderer werden? Oder ersticke ich ihn mit meinen Erwartungen?
Er gehört in das Reich Gottes hinein – ein Reich, in dem jeder der werden soll, zu dem er eigentlich berufen ist.
Wie sehr interessiert mich, wer du, der du in meinem Leben bist, werden sollst?
Herrliche Familie Gottes.