Sa 01.08.2026
Mt 14:1-12 Der Tod Johannes des Täufers
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 In jener Zeit hörte Herodes, der Tetrarch, den Bericht über Jesus.
2 Und er sprach zu seinen Dienern: „Dieser ist Johannes der Täufer. Er ist von den Toten auferweckt worden; deshalb wirken die Wunderkräfte in ihm.“
3 Denn Herodes hatte Johannes festnehmen, fesseln und ins Gefängnis werfen lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus.
4 Denn Johannes hatte ihm gesagt: „Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben.“
5 Und obwohl er ihn töten wollte, fürchtete er die Volksmenge, weil sie Johannes für einen Propheten hielt.
6 Als aber der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias in ihrer Mitte und gefiel dem Herodes.
7 Darum versprach er ihr unter Eid, ihr zu geben, worum sie auch bitten würde.
8 Sie aber, von ihrer Mutter angestiftet, sagte: „Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.“
9 Und der König wurde betrübt; doch wegen der Eide und der Tischgäste befahl er, es ihr zu geben.
10 Und er sandte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten.
11 Und sein Haupt wurde auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter.
12 Da kamen seine Jünger, nahmen den Leichnam, begruben ihn und gingen hin und berichteten es Jesus.
Johannes spricht Wahrheit aus
Wahrheit, die nicht die Bestätigung der eigenen Gefühle ist, wird kaum noch ausgesprochen.
Auch deshalb, weil die Konsequenzen heute nicht so anders sind, als zur Zeit des Herodes – auch wenn das mal der Anspruch der Gesellschaft war.
Karoline Preisler ist ein Beispiel, das jeder kennen sollte. Sie sagt, es vergeht praktisch keine Woche, in der sie nicht beschimpft, bespuckt oder geschubst wird.
Es gibt vielleicht einen noch wichtigeren Grund, als die Angst sozial abgelehnt zu werden oder das Freunde zu Feinden werden.
Sind Gefühle gute Götter?
„Dazu habe ich keine Lust.“ „Weil ich es so fühle.“ „Gefühlte Wahrheit.“
Herodes wollte Herodia. Und es scheint so, dass auch Herodia Herodes wollte.
Vielleicht haben sie sich geliebt?
Das wäre heute ein fast zwingender Grund zum Ehebruch. Die Liebe entscheidet über die Ehe – nicht die Ehe gebiert die Liebe.
Es könnte auch andere Gründe gegeben haben – ich nehme heute diesen Grund:
Ich fühle, also muss ich.
Aber was kommt dabei heraus?
Was kommt dabei heraus, wenn ich meiner Lust folge – selbst wenn es keine gesellschaftlichen Sanktionen mehr gibt?
Weniger Gutes, als man meinen sollte, im Blick darauf, was man alles für die Erfüllung seiner Gefühle bezahlt.
Gibt es also noch einen Grund, warum ich meinen Gefühlen folge, obwohl es mir in Summe oft mehr schadet als nützt?
Vorwand
Ein Vorwand ist eine Wand, die vor dem Eigentlichen steht.
Ich nenne ein Argument als Vorwand, weil es ein akzeptiertes Argument ist. In der Kunst der Verhandlungen ist es wichtig, zwischen einem Vorwand und einem Einwand zu unterscheiden.
Was steht hinter dem Vorwand, ich habe eben entsprechende Gefühle?
Mir scheint:
Gefühle deute ich als meine Gefühle. Als Ausdruck meiner Selbst. Als Bestätigung meines Da-Seins. Nicht mehr „Ich denke, also bin ich“ (Descartes), sondern „Ich fühle, also bin ich“. Sogar: Ich bin, der ich fühle. Das ist noch weitergehend.
Dabei ist das nicht wahr.
Denn ich bin das Ich, das diesen Gefühlen die Rolle, diese Macht gibt.
Und sich damit an sie versklavt.
Rebellion
Rebellion meint Freiheit. Und in der Notwendigkeit der Freiheit als Basis für würdige Beziehung, für eigentliche Liebe, auch nachvollziehbar.
Aber die Freiheit ist schon immer da.
Sie drückt sich darin aus, dass ich „den Herren“ wählen kann.
Und nur ein Herr garantiert mir den Erhalt der Freiheit.
Alle anderen Herren versklaven mich.
Sei es der Islam, seien es die Gefühle, die sexuelle Orientierung, die Rebellion als Prinzip etc.
Frei ist man weder, wenn man keine Bindung hat, noch wenn man sich an sich selbst bindet.
Freiheit wird nur in einem gewährleistet – in dem Einen. Dem, der um meiner Freiheit willen Fleisch angenommen hat. Sich unter Menschen gemischt hat, um sie aufzusuchen, ja heimzusuchen.
Freiheit
Freiheit lebt, indem sie der Knechtschaft stirbt.
Und darum ist die Überschrift in Luther 1984 „Der Tod Johannes’ des Täufers“ auch unvollständig.
Es ist die Erfüllung des Johannes.
Das weiß auch Herodes. Er weiß, ein Mensch, der um der Wahrheit willen stirbt, wird in noch größerer Kraft auferstehen.
Er ist mir, dem König, weit voraus. Seine Macht ist ewige Macht.
Praxis
Es gibt ein Einüben in solcher Art Freiheit. Und es muss geübt werden.
Und es gibt Grundentscheidungen.
Die Grundentscheidung ist: In Christus bin ich nicht länger Knecht.
Auch nicht Knecht meiner Gefühle, meiner Lust, meiner Angst vor dem Selbstverlust.
Das gilt es täglich in Kleingeld zu wechseln.
Immer wenn die Gefühle als Herren auftreten, gilt es zu prüfen, worum es geht.
Um Information – oder um Knechtschaft.
Dazu muss an anderer Stelle mehr gesagt werden.
Heute nur: Ich entscheide, wem ich diene. Mir – oder dem König einer anderen Freiheit. Der Freiheit „von“ als Freiheit für Dich.