Will ich Weisheit von Dir – oder Dich?

Fr 12.06.2026

Mt 11:25-30 Jesu Lobpreis und Heilandsruf

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

25 Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.

26 Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor Dir.

27 Alles wurde Mir von Meinem Vater übergeben. Und niemand erkennt den Sohn außer dem Vater, noch erkennt jemand den Vater außer dem Sohn und dem, dem der Sohn Ihn offenbaren will.

28 Kommt her zu Mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und Ich werde euch Ruhe geben.

29 Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und demütig im Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn Mein Joch ist gütig und Meine Last ist leicht.

Eigene Mühe

Mühe ist eigene Mühe. Ich vermute: Sehr oft ist bedrückende Mühe gerade eigene Mühe.

Wer den Vater erkennt, sieht Seine Mühe, Seine Last mit uns.

Dass meine Mühe meine Mühe ist und Jesus sich dafür interessiert, geschieht nach der Offenbarung des Vaters durch den Sohn. Ja, im Sohn. Denn den Vater erkenne ich nur im Sohn.

Erleben

Die „Löcher in meinem Hemd“ (siehe Ein reines Herz ), also die eigenen Taten des Alltages, hängen oft mit dem Gefühl der Schwäche, der Kraftlosigkeit zusammen. Gern möchte ich dann der Schwäche nachgeben und mir irgendwie selbst helfen. Dieses Selbsthelfen kann mehr oder weniger von Weisheit geprägt sein – oft eher weniger. Ich grüble und suche eine harmlose Selbsthilfe, bis ich doch wieder ein kleines Loch ins Hemd reiße und einen Kompromiss eingehen.

Außer – außer ich höre auf die leise Stimme Jesu, die mich zu einer kleinen Mühe in Seinem Reich einlädt. Oft ganz leichte Dinge, z. B. die Töpfe in der Küche abzuwaschen. Oder einem Anrufer eine Priorität über meinen Tagesplan geben.

Also die Frage „Was hilft mir gerade in meiner Schwäche?“ in die Frage „Was willst Du gerade in, und trotz meiner Schwäche?“

Will ich Weisheit von Dir?

Ja, oft ist das meine Frage. Und vor allem in der Seelsorge ist dies regelmäßig meine Frage. Und auch die Frage des Gegenübers. Welche kluge Sache gibt mir die Kraft für meine Last – das ist die normale Frage.

Wage ich nun, nicht nach Deiner Weisheit und Hilfe zu fragen, sondern nach Deinem eigenen Anliegen an mich?

Frage ich die Frage eines Freundes? Frage ich, wie ich Dir ähnlicher werde, welche Last Du in dieser Situation auf meine Schulter legen möchtest.

Und mich darin zu einer Dir ähnlichen Person machst.

Spuren im Sand

Viele kennen die Erzählung Spuren im Sand. Gott trägt mich, wenn es besonders schwer ist, so die Botschaft. Eine Botschaft des Trostes – für viele eine Hilfe.

Ich drehe es einmal um:

„Als du nur eine Spur gesehen hast, da hast du Meine Last mit Mir getragen.“
Es hinkt, weil ich niemals allein Jesu Last trage. Aber ich ziele auf die Würde, die entsteht, wenn nicht mir etwas abgenommen wird, sondern ich erlaube, dass mir etwas zugemutet wird.

Wenn ich nur eine Spur sehe, dann wäre es gut, der Grund wäre, dass ich so genau in Jesu Fußspuren gegangen bin, dass nur eine Spur zu sehen war.

Zumutung

Zumutung ist ein wunderbares Wort. Wie viele gute Worte wird es heute fast genau sinnverkehrt benutzt. Bei „eigentlich“ ist es besonders schlimm. Ich mute dem Leser zu, selbst darüber nachzudenken.

Jesus mutet mir etwas zu. Und macht mich so mutig.
Und Mut ist wichtig, darum geht es – viel mehr als um Kraft.

Mutig Jesus folgen in Seiner Bürde, Seiner Last. Der Last, die Er für den Bruder trägt.

Wenn noch Kraft da ist, vielleicht nur ein Rest, dann verschenke sie an das, was Jesus Dir am Bruder zeigt. Und du offenbarst Gott in der Welt damit.

„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,

und deine Heilung wird schnell sprossen;

deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,

und die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein.“

(Jes 58,8)

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