Mi 13.05.2026
Joh 16:12-15 Der Heilige Geist
Der Text
12 Noch vieles habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber Jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus Sich selbst reden, sondern was Er hören wird, das wird Er reden, und das Kommende wird Er euch verkündigen.
14 Er wird Mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird Er nehmen und euch verkündigen.
15 Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum sage Ich, dass Er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.
Nis Puk will lesen lernen
Eine Geschichte, die ich vor ca. 62 Jahren gelesen habe, in meinem Schulbuch „Das Tor zur Welt“. Sie geht in etwa so:
Nis Puk will lesen lernen und fragt darum die Tiere im Wald. Er kommt zu der klugen Eule. Sie hat gesehen, wie Menschen lesen und erklärt ihm: Du musst ein Buch aufschlagen und hineinschauen. Nis Puk probiert es – und hat keinen Erfolg. Er geht wieder zur Eule. Die Eule denkt nach und sagt: Ich sah, wie die Menschen eine Brille aufsetzten. Nis Puk versucht es damit. Aber selbst damit kann er nicht lesen. Aber die Eule weiß Rat. Ich sah, wie die Menschen sich mit einem sauberen Tuch die Brille geputzt haben. Tu das, und du wirst lesen können.
Wie viele Menschen tun genau das, um geistig zu wachsen.
Sie fragen nach Methoden und Hilfsmitteln. Hören Vorträge und gehen auf Seminare. Und sogar: ein Warten auf den Geist Gottes, der es für sie erledigen soll gehört oft dazu.
All das kann – im rechten Maß – gut sein.
Aber will ich ernsthaft üben, was ich schon verstanden habe? Will ich am Widerstand wachsen, immer erneut wiederholen, mich konzentrieren, innerlich ringen?
Mit einem Wort: Will ich das tragen, was Gott mir schon zu tragen aufgegeben hat. Will ich den Preis der Wahrheit auf mich nehmen?
„Ich habe euch noch vieles zu sagen
… aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen.“
Wahrheit braucht einen Ort in mir, der sie tragen kann, der sie verantworten kann.
Der Heilige Geist kommt nicht nur als Hilfe zur Entlastung, Er kommt selbst mit einer Last. Er hilft, nicht mehr auszuweichen, den Fuß fest und sicher zu setzen.
Denn Er bringt mir Anteil an der Last, die Jesus getragen hat. Er nimmt von dem, was auf Jesu Schulter ist, und gibt es mir.
Das übe ich ein, indem ich mehr und mehr auf schwankende Unterstützungen verzichte. Auf Stimmungen und das Bestreben nach Erlebnissen.
Dann kommt die Zeit, Gottesdienst nicht mehr zuerst als Erlebnis, sondern als Dienst an Gott zu verstehen.
Omer Tag 41
יְסוֹד שֶׁבִּיְסוֹד
Treue in der Treue. Innere Wahrhaftigkeit, tragfähige Bindung. Weitergabe des Lebens.
Was bleibt, wenn alles Seelische wegfällt?
Stimmungen, Bedürfnisse, Ängste, Bewunderung, zeitliche Begeisterung?
Ich habe einen Freund, der viele sehr begeistert hat.
Nun setzt eine Ernüchterung, ja eine Enttäuschung ein – und sie sind in Gefahr sich von ihm loszusagen.
Die Tragfähigkeit wird einer Prüfung unterworfen. Auf beiden Seiten!
Die Herrlichkeit Gottes aber sucht tragfähige Menschen zu Gefäßen.
„Der Gerechte ist ein Fundament der Welt“. Sprüche 10,25:
וְצַדִּיק יְסוֹד עוֹלָם
(we-zaddik jesod olam)
Dort steht dieses jessod, um das es seid Tagen geht.
Ein Mensch, eine Familie, eine Gemeinde die nicht in diesem Sinne tragfähig werden will, wie soll Jesus ihr den Geist der Wahrheit anvertrauen.
Denn Wahrheit ist immer Last!
Eine Last, die ich nur tragen kann, wenn ich als Person gegründet bin.
Nicht in Parolen und Glaubenssätzen.
Sondern selbst in Wahrheit.
Gründet meine Beziehung in Substanz – oder sind es nur Eigenschaften, Gefühle, Meinungen. Dinge, die der Wind verweht.
Ein Fundament ist gültig – unabhängig von Erfolg.
Denn der Erfolg ist Gottes!