Mehr Liebe als Kraft

Di 12.05.2026

Joh 16:5-11 Das Werk des Heiligen Geistes

Der Text

1 Nun aber gehe Ich hin zu Dem, der Mich gesandt hat, und niemand von euch fragt Mich: Wohin gehst Du?

2 Doch weil Ich dies zu euch geredet habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt.

3 Aber Ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass Ich weggehe. Denn wenn Ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn Ich aber hingehe, werde Ich Ihn zu euch senden.

4 Und wenn Er gekommen ist, wird Er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht:

5 von Sünde, weil sie nicht an Mich glauben;

6 von Gerechtigkeit aber, weil Ich zum Vater hingehe und ihr Mich nicht mehr seht;

7 von Gericht aber, weil der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

  • „Beistand“ entspricht dem aramäischen Gedanken des Trösters, Helfers und Fürsprechers zugleich.
  • „überführen“ meint nicht nur anklagen, sondern innerlich aufdecken und ans Licht bringen.
  • „weil sie nicht an Mich glauben“: Im semitischen Denken ist Glaube stärker mit Treue und Vertrauen verbunden, nicht nur mit Für-wahr-Halten.
  • „der Herrscher dieser Welt“ bezeichnet die gegen Gott stehende Machtordnung dieser Weltzeit.

Wohin gehst Du?

So lange Zeit geht es um die Hilfe und den Segen, den die Jünger von Jesus erhalten. Auch bei den Christen sonst scheint es mir so zu sein.

Ja, braucht denn ein Gott wie Jesus meine Einfühlung wie ein Mensch?

Und kann ich sagen: Gehe gern zum Vater, denn Du hast Ihn solange vermisst. Warum werden die Jünger traurig? Um Jesu willen eher nicht – wieder um ihrer selbst willen?

In diesem zweiten Halbvers (V1) nennt Jesus etwas, was Er bei den Jüngern vermisst und das Ihn selbst betrifft.

Und gleich danach bist Du wieder der Tröster. Der ganz an Seine Jünger denkt, an die Welt denkt, ihre Traurigkeit sieht und sogar ihren Nutzen benennt.

Der Beistand

Das Grundbild des Heiligen Geistes ist oft Kraft.

Ist der Heilige Geist wie ein Stromkabel, das meinen seelischen Motor antreibt? Steht Er mir bei, indem Er mir etwas abnimmt, etwas übernimmt. Mir das Leben leichter macht?

Vielleicht.

Mir scheint etwas anderes im Vordergrund zu stehen:

Der Geist Gottes offenbart, was im Menschen schon ist.

  • Wir können an Jesus Christus glauben.
  • Es ist gerecht und möglich zu glauben, ohne zu erleben.
  • Wir sind keine Knechte Luzifers mehr und können entsprechend leben.

Das alles ist keine Kraft, es ist Offenbarung.

Glaube ist mehr eine Substanz, die aufgedeckt wird.

Wem will ich mein Herz geben? Wem habe ich mein Herz gegeben?

Omer Tag 40

Hod schebe Jessod הוֹד שֶׁבִּיְסוֹד

Demut des Fundamentes, der Hingabe

Es geht um die Frage, was bleibt, wenn der Impuls, die Ansprache, das Gefühl vergangen ist.

Wenn Jesus gegangen ist.

Sammle ich dann meine alte Ich-Sucht wieder auf? Oder jammere in Selbstmitleid ob des Schicksals?

Oder ertrage ich die Leere meines Gefäßes (das ist Demut).

Ertrage ich den leeren Altar meines Herzens?

Wie auch zu Karsamstag.

Die Liebe konstruiert nicht

Der leere Altar erzeugt eine Art Unterdruck in meiner Seele.

Alles Mögliche von Außen will hinein und verlangt Zutritt.

Und meine Seele selbst will aus irgendetwas wieder ein Kalb machen, ein Kalb, das mich leiten kann, dass ich anbeten kann. Das Kalb des Selbst.

Aber die Liebe konstruiert nichts Neues.

Sie hält den Platz leer für die Wahrheit.

Sie bleibt in der Demut (hod) – und diese Demut wird zum Charakter des Fundamentes (jessod), zum Glanz seiner Reinheit, seines „Nichts als“.

Und dann

Und dann schaue ich in das Herz Jesu.

Und finde es bei den Menschen um mich herum.

Den komischen, den unansehnlichen, den befremdlichen.

Denen, die ich nicht lieben kann.

Die Du mir aber auf den Altar meines Herzens als Dein eigenes Herz legst.

Und bin nun frei, nicht nach meinem Nutzen zu fragen, meiner Freunde, meinem Segen. Denn der Fürst dieser Welt hat keine Macht mehr über mich.

Soziale Treffen

Ich bin viel auf sozialen Treffen, allein schon wegen meiner großen Familie. Dort ist niemand, mit dem ich über das Meine sprechen kann. Und schnell berge ich mich in mir selbst und verhülle den „Altar meines Herzens“.

Das wird zu Recht kritisiert.

Und ich beginne den ganz Anderen, den seelisch Kranken, den von der Welt verschmutzten, in mein Herz zu lassen. In mein Innerstes.

So wie Du.

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