Mi 10.09.2025
Lk 6:20-26 Seligpreisungen und Wehrufe
Der Text
Aus dem griechischen Urtext
20 Und Er erhob Seine Augen zu Seinen Jüngern und sprach: Selig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
21 Selig ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Selig ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen, und wenn sie euch ausschließen und euch schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Sohnes des Menschen willen.
23 Freut euch an jenem Tag und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn so taten ihre Väter den Propheten.
24 Doch wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
25 Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen.
26 Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden; denn so taten ihre Väter den falschen Propheten.
Einordnung
Lukas hat Parallelen und Unterschiede zu den Seligpreisungen aus der Bergpredigt.
Vor allem sind es die direkten Wehrufe, die Matthäus nicht nennt. Und Lukas spricht explizit nur über eine Rede an die Jünger. Sie habe schon alles verlassen.
Im hebräischen Denken ist der erste Satz eines Abschnittes eine Zusammenfassung – ähnlich dem oft fett gedruckten bei Artikeln in Fachzeitschriften (ein Abstrakt). Und Matthäus und Lukas haben als Zentrum die Armut.
Missverstehen
Ein Missverstehen, ja ein Missbrauch wäre es, von sich aus alles zu verkaufen und als Bettler durch die Welt zu gehen.
Wer nicht sorgfältig mit dem ihm Anvertrauten umgeht, besonders in einer Familiensituation, der ist ein Gräuel – kein Glückseliger, keiner, dem im Reich Gottes etwas anvertraut wird.
Wie komme ich denn dann in diese selige Welt?
Annahme
Es geht um das Festhalten des vermeintlich Eigenen.
Eigentum-haben im Unterschied zum Verwalten.
Die Annahme gilt dem Empfangen – und dem wieder Abgeben.
Es war nie mein (nichts ist mein) und es wird nicht mein bleiben.
Weder Besitz noch sozialer Status. Weder Erfolg noch Fähigkeiten. Weder Macht noch Geld, noch im Grundbuch eingetragenes Eigentum.
Weder Kraft, Jugend und Schönheit, noch Gesundheit und Wohlergehen.
Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen – gepriesen sei der Name des Herren (sagt Hiob).
Und es ist die Annahme einer Berufung, einer Rolle, eines Amtes, einer Leitung.
Es ist ein „Ministerdienst“. Ein Minus, also ein Dienst – mehr nicht (Minister kommt vom lat. minus).
Und weiter jeder Segen, den ich empfangen habe.
Alles, was ich habe, habe ich in der Scheune Gottes – nicht in einer eigenen Scheune
(vergl. das Gleichnis vom reichen Kornbauern).
Bereit zur Praxis?
Bin ich dazu bereit, dafür frei?
Kann Gott mich bitten: „Verkaufe dies und das, beende jenes und verlasse deine Sicherheit an dieser Stelle.“
Gib diese und jene Zeit für etwas, von dem du nichts hast.
Sehr praktisch:
Was ich habe, aber nicht verwalte, soll ich wieder geben.
Z. B. ein großer Garten, den ich nicht pflege.
Oder viele Bücher, die ich nicht lese.
Mir scheint, all das sind Einübungen in das Hören und Gehorchen Gottes. Gehorchen noch oft vor dem Verstehen – denn es geht um das Einüben in die Liebe.
Sich zum Märthyrer des Verzichtes zu machen, ist nicht gemeint. Sondern zu einem, dem alles ein Geliehenes von Gott ist – besonders sein eigenes Herz.
Wo mein Schatz ist, da ist mein Herz.
Und wem mein Herz gehört – der ist mein Gott.
Passion
Wie schwer ich eine Last empfinde, hängt damit zusammen, ob ich sie im Joch Jesu trage – oder nicht.
Wenn mein Wille vom Willen Gottes abweicht, werde ich Mühe haben, schwere Last – vielleicht Not.
Wenn ich genau im Willen Gottes bin, wird es immer eine tragbare, ja in gewissem Sinne leichte Last sein.
Wenn ich um des Namens Jesu willen arm werde, hungrig, traurig, abgelehnt oder verfolgt – dann darf das nur aus dem Hören auf Gott geschehen. Nur so wird es wirklich Leben in Seinem Reich, das in Fülle und Freude mündet.
Eine soziale Ächtung, die eigentlich Gott meint, aber stellvertretend mir widerfährt – sie ist reine Glückseligkeit.