Was ist Umkehr für mich

Sonntag 07.12.2025 🕯️🕯️ 2. Advent

Mt 3:1-12 Die Busspredigt Johannes des Täufers

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

1 In jenen Tagen aber tritt Johannes der Täufer auf und predigt in der Wüste von Judäa

2 und sagt: Kehrt um; denn nahe gekommen ist das Reich der Himmel.

3 Denn dieser ist es, von dem durch den Propheten Jesaja gesagt wurde: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade Seine Pfade.“

4 Er aber, Johannes, hatte sein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Nahrung aber waren Heuschrecken und wilder Honig.

5 Da zog zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgebung des Jordan

6 und sie ließen sich im Jordan von ihm taufen, indem sie ihre Sünden bekannten.

7 Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sagte er zu ihnen: Brut der Vipern, wer hat euch gewiesen zu fliehen vor dem kommenden Zorn?

8 Bringt nun Frucht, der Umkehr würdig;

9 und meint nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn Ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag.

10 Schon aber ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

11 Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; Er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen.

12 Seine Worfschaufel ist in Seiner Hand, und Er wird Seine Tenne reinigen und Seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird Er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

Anmerkungen :

Vers 3,12 „unauslöschliches Feuer“ ܢܘܪܐ ܕܠܐ ܕܥܛܝ (nura dʾlā deʿṭi): betont im Aramäischen die Unverfügbarkeit und das Gericht, nicht die Dauer des Schmerzes.

Klarissen der ewigen Anbetung

Auf einer Autofahrt hörte ich im Radio Horeb ein Gespräch mit Klarissenschwestern zu diesem Bibelabschnitt.

Diese Klarissen leben im Kloster der Ewigen Anbetung (in Mainz). Dort wird ganz konkret ohne Unterbrechung der dreifaltige Gott angebetet.

Das tun sie von 1860 bis 1945 und wieder von 1953 bis heute: 24 Stunden am Tag. Sie leben in Klausur, das heißt, sie verlassen ihr Kloster nicht. Ich selbst habe einen anderen Konvent dieser Gemeinschaft in Koblenz erleben dürfen. Mit der gebotenen räumlichen Distanz.

Von wo nach wo wollen diese denn ‚umkehren‘? Was kann ihnen denn dieser Text noch sagen? Ist ihr Angesicht nicht schon ganz auf Jesus gerichtet?

Ich selbst

Ich weiß manchmal nicht recht, von was ich mit weg- und wohin ich mich hinwenden soll. Was ist diese Umkehr für mich?

Es gab solche Kehrtwendungen in meinem Leben. Seit ich Christ bin, habe ich mindestens ein halbes Dutzendmal die Richtung meines geistigen Lebens tiefgreifend korrigiert – vielleicht sollte ich sagen: korrigieren lassen.

Bin ich nun etwas ‚fertig‘, weil ich nicht erkenne, was ich jetzt korrigieren soll?

Niemals, das lehrt mich die Demut dieser Klarissen!

Vertuschung

Ich fürchte, mein wahrer Stand vor dem Himmel ist durch heute übliche Aussagen von Christen – und auch von vielem in der Kirche – vertuscht.

Gnade aller Orten.

An jedem Grab höre ich, dass jener Tote nun in einer besseren Welt sei.

Ist das so?

Ich vermute, das ist nicht so.

Gerade für Christen nicht.

Denn wie der Ort ist, der mich erwartet, hängt von dem Pfund ab, das ich vom Herrn empfangen habe. Habe ich Ihn schon vor meinem Tod gekannt, kenne ich Sein Wort aus Mt 25,24:

„Herr, ich kannte dich als einen harten Menschen, der erntet, wo er nicht gesät hat, und sammelt, wo er nicht ausgestreut hat.“

Vergleich

Ich vergleiche mich mehr oder weniger bewusst mit anderen und richte es mir dann bequem ein. „Geht doch schon irgendwie“, so klingt es in meinem Herzen.

Ist es so?

Doch nur, weil ich mich selbst mit meinem alten Menschen von gestern vergleiche. Aber bei weitem nicht, wenn ich mich mit dem Menschen vergleiche, den Gott eigentlich in mir gebildet hat. Den Menschen, der ich in Gottes Augen sein soll – und seien kann.

Der Täufer

Der Täufer strahlt in seiner Heiligkeit den Kontrast zur Welt aus, die jedem deutlich macht, dass er ein Sünder ist und die Umkehr braucht.

Wo sind solche Heiligen heute?

Wo bin ich so weit Bild des Himmels, dass Menschen mich als Brief Christi erkennen können?

Wo stehe ich mit brennendem Herzen vor Dir, wie es die Klarissen tun?

Kann ich denn nicht eine Nacht mit Dir wachen?

Mehr noch.

Kann ich denn nicht annehmen, was Du mir auf dem Weg schickst, um mein Herz zu demütigen und meine Augen bereit zu machen.

Wozu bin ich da?

Zu viel mehr, als irgendwie durchzukommen.

Und dieses „mehr“ wird in meinem Gewissen brennen, wenn ich erkennen werde, wie ich es vernachlässigt, vielleicht sogar verschleudert habe.

Ich soll nicht mehr werden, als ich kann und eigentlich bin.

Aber ich soll und will aufhören, zu vergraben, was ich von Gott her erhalten habe.

2 Kommentare zu „Was ist Umkehr für mich

  1. Er ist jetzt in einer besseren Welt – an jedem Grab hört man diese Worte. Auch am Grab von Jürg habe ich selbst so gesprochen. Alles andere ist tödlich. Hoffnungslos. Nur mein Bruder meinte hart: Nach dem Tod macht es zack – und der Mensch ist entweder in der Hölle oder im Himmel. Fertig Schluss.

    Ob Gott je mit uns fertig ist? Ob Gnade ein Verfalldatum hat? Ob die Liebe einmal aufhört?

    Ich glaube, vor dem irdischen Leben bei Gott gewesen zu sein. Und dahin kehre ich. Es gibt keinen anderen Ort. Alles ist in ihm. Auch mein lieber Jürg.

    Hab einen guten Tag
    Liebe Grüsse Brig

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