Der Schleier zerreißt

Do 11.12.2025

Mt 11:7b.11-15 Rede über Johannes und Elia

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

7 …Was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage Ich euch, und mehr als einen Propheten.

11 Amen, Ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist keiner größer aufgetreten als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er.

12 Von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Reich der Himmel Gewalt, und Gewalttätige reißen es an sich.

13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben bis Johannes geweissagt.

14 Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elija, der kommen soll.

15 Wer Ohren hat, zu hören, der höre.

Hinweise aus der Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• Zu 11: „größer“ lautet ܪܒ rab – „hochstehend, bedeutsam“. Der Satz ist semitisch komparativ gemeint: Die neue Ordnung beginnt nicht gegen Johannes, sondern über ihn hinaus.

• Zu 12: Die Peschitta hat ܡܬܕܒܪ metdabbar – „wird bedrängt / wird vorangetrieben“. Der Akzent liegt stärker auf Druck und Dringlichkeit als auf militärischer Gewalt.

Was hört der jüdische Hörer damals?

Der Jude von damals hört besonders: „Siehe, Ich sende euch Elijahu, bevor der große und furchtbare Tag des HERRN kommt.“ Mal 3,23–24.

Es ist eine enorme zeitliche Kompression. Es drängt.

Und zudem schließt sich Rede Jesu unmittelbar an die Anfrage des Täufers an. Mit dem bald erfolgenden Tod des Täufers ist die messianische Zeit gekommen.

Allerdings verborgen, denn der Messias kommt in Knechtsgestalt.

Aber was geht es uns an? Das ist 2.000 Jahre her.

Zweites Kommen

Wir leben in der Woche des zweiten Advents.

  1. Es gibt ein Kommen Jesu für jeden Menschen, zu mir. Und
  2. Es wird ein zweites Wiederkommen Jesu geben.

Zu mir

Ich rede von der zweiten Bekehrung.

Denn die Juden waren schon das Volk Gottes – ähnlich wie viele heute bereits Christen sind.

Aber wir erleben in der Männerrunde den Kampf jedes Einzelnen mit der Annahme der Königsherrschaft Jesu, die durch die enge Pforte des Loslassens des Selbst geschieht.

Und ich vermute, ob ich durch diese Pforte hindurch bin, werde ich selbst vielleicht zu Lebzeiten nie ganz wissen.

Aber wo ich gegen den nächsten Schritt rebelliere, das spüre ich schon eher. Und das ist die Gnade, die durch den Täufer kommt.

Der Täufer offenbart mir meine Mängel. Mein rebellisches Herz. Meinen Selbstbezug.

Und darin bereitet er den Weg für den Messias, persönlich in mir.

Dort, wo ich nicht mehr mit all meinem Gepäck vor der engen Pforte stehe und schreie, dass ich damit nicht hindurch komme. Dort lege ich die Kleider ab und gehe in den Jordan, metaphorisch „über den Jordan“. Eine Redeweise für den Tod des Selbst.

Und dann wird Er mich empfangen.

Mit einem neuen Namen, einem neuen Kleid, einer neuen Aufgabe.

Zur Welt

Zwar sendet Gott keinen Propheten mehr wie Johannes.

Aber Er sendet andere Zeichen.

Da sind die beiden Zeugen aus der Offenbarung – ein Bild, das mir noch verborgen ist.

Aber ich sehe eine prophetische Offenbarung direkt vor mir: Israel.

Zum einen, durch die Existenz selbst.

Aber seit zwei Jahren auch durch die Scheidung der Welt.

Denn was in des Menschen Herz in Bezug auf den Juden Jesus wirklich ist, offenbart sich in der Haltung des Menschen zu Israel, dem „geringsten Bruder“ Jesu.

Denn was gering ist vor der Welt (Israel ist sehr klein) ist groß vor Gott.

Und jeder Mensch wird am Ende selbst wissen, wie er zu Israel stand.

Es geht nicht um eine Meinung.

Es geht um die Offenbarung des Herzens.

Die einen gehen zum Täufer und tun Buße. Und darin wird, z. B. bei Andreas, der Blick klar für den Messias. „Siehe, das Lamm Gottes“.

Die anderen hören Gott in Israel wohl – und wollen es bändigen, wie Herodes den Täufer im Gefängnis gebändigt hat.

Am Ende aber wird das Schicksal jene, die Ihn zwar gerne hören (wie auch Herodes Johannes gern gehört hat), aber doch unter Verschluss halten, in eine extrem peinliche Situation führen.

Ob sie dann noch umkehren können?

Wach auf, du Christenheit und siehe die Zeichen der Zeit.

Hinterlasse einen Kommentar