Fr 12.12.2025
Mt 11:16-19 Von den Kindern des Marktplatzes
Der Text
Aus dem griechischen Urtext übersetzt:
16 Mit wem aber soll Ich dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht Kindern, die auf den Märkten sitzen und den anderen zurufen
17 und sagen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
18 Denn Johannes kam, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er hat einen Dämon.
19 Der Menschensohn kam, aß und trank, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund von Zöllnern und Sündern. Und die Weisheit ist gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Grundaussage
Nicht was die Menschen erwarten oder denken, bestimmt die Wirklichkeit. Sondern die Weisheit Gottes ist wirklich, egal, was ich von ihr halte.
Zeit zur Buße, Zeit zur Freude
Kann ich angesichts des Leides der Welt, angesichts des Leides auch im persönlichen Umfeld, überhaupt Weihnachten feiern?
Oder anders herum. Sollte ich nicht immer fröhlich sein, denn Leid, das ich nicht lösen kann, belastet mich doch nur.
Jesus feiert ein Hochzeitsfest und sorgt für gute Stimmung, als Er Wasser zu Wein wandelt.
Und Er schaut auf Jerusalem und weint Tränen des Erbarmens, denn Er sieht mehr Schmerz als jeder andere sehen kann.
Als jemand, der Paare betreut, deren Ehe wie langes Leiden aneinander aussieht, will und kann ich mich doch freuen, wenn eine Ehe geschlossen wird und das Paar den Tag feiern, als ob nun der Himmel auf Erden beginnen würde.
Die Dinge, die Zeiten, die Lasten und die Freuden nehme ich aus Deiner Hand, zu der Zeit, da Du sie gibst.
Gott Gott sein lassen
Ein Thema, das ich gern wiederhole.
Die Gefahr ist groß, Gott nur Gott sein zu lassen, solange mir gefällt, was Er tut und was Er von mir will.
Es gibt den Gott Abrahams.
Es gibt den Gott Isaaks.
Es gibt den Gott Jakobs.
In der Thora selbst wird eine Verkürzung vermieden. Dort finde ich nirgends: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (als Sammelform).
Denn Gott ist zwar an sich Gott.
Aber Er muss auch je mir Gott werden.
Jedem der Erzväter muss Gott persönlicher, je eigener Gott werden.
Die Person, die mir alles sagen darf.
Der Gott, der nicht nur an sich und für sich Gott ist, sondern der mir das wird, was Gott eigentlich heißt: vollkommenen Herr.
Gott als Gott im Himmel nützt mir wenig.
Es ist nur eine Möglichkeit, kein Vollzug.
Viele Menschen glauben an einen, irgendeinen, Gott im Himmel.
Aber selten ist Gott
- Der Gott der wirklich ist, von sich selbst her. Also kein Konstrukt, kein Gottesbild.
- und mir so Gott, dass ich in Ihm bin und Er in mir.
Kein Blatt Papier soll zwischen Dir und mir sein, und alle Bilder, die ich noch von Dir habe, will ich ausmisten.
Praktisch
Das ist auch der Grund, warum mein Slogan „Gleich, ganz, gern“ das Gleich am Anfang hat.
Nichts soll zwischen Deinem Wort und meiner Antwort stehen.
Und Du kommst oft genug klar zu mir:
- In einer Bitte meiner Frau.
- In einem Umstand des Alltags.
- In einem Erkennen des Moments.
Vor einer Zeit habe ich einer REWE-Kassiererin unrecht getan. Als ich es einsah,
fand ich sie aber nicht mehr wieder und die Zeit verging.
Gestern sah ich sie in einer Raucherecke allein sitzen. Als ich die Chance erkannte, war ich schon um die Ecke, kehrte aber um.
Unser kurzes Gespräch war die reinste Gnade. Wunderbar.
Gott schließt die Tür auf, viel zuverlässiger als ich es je könnte. Ich gehe nur durch.
Achtung: Natürlich entbindet es mich nicht davon, nach der Tür zu suchen!
Und all das: Es bereitet mich vor, dort wo mir der Gehorsam zu groß erscheint, Vertrauen und Zuversicht zu sammeln um durch die enge Pforte zu gehen, die allezeit – so scheint mir – neu vor mir ist.