Di 03.02.2026
Mk 5:21-43 Die Auferweckung der Tochter des Jaïrus
und die Heilung der blutflüssigen Frau
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Und als Jesus wieder im Boot an das andere Ufer hinübergefahren war, versammelte sich eine große Menge bei Ihm; und Er war am See.
22 Und es kommt einer der Synagogenvorsteher mit Namen Jairus, und als er Ihn sieht, fällt er zu Seinen Füßen
23 und bittet Ihn inständig und sagt: Mein Töchterchen liegt im Sterben. Komm doch und lege ihr die Hände auf, damit sie gerettet wird und lebt.
24 Und Er ging mit ihm. Und eine große Menge folgte Ihm und drängte Ihn.
25 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren an einem Blutfluss litt
26 und vieles erduldet hatte von vielen Ärzten und all ihr Vermögen aufgewendet hatte und keinen Nutzen davon gehabt hatte, sondern vielmehr schlimmer geworden war,
27 als sie von Jesus gehört hatte, kam sie in der Menge von hinten und berührte Sein Gewand.
28 Denn sie sagte: Wenn ich nur Seine Kleider berühre, werde ich gerettet werden.
29 Und sofort vertrocknete die Quelle ihres Blutes, und sie merkte am Leib, dass sie von der Plage geheilt war.
30 Und Jesus erkannte sofort in Sich selbst die Kraft, die von Ihm ausgegangen war, wandte sich in der Menge um und sagte: Wer hat Meine Kleider berührt?
31 Und Seine Jünger sagten zu Ihm: Du siehst, wie die Menge Dich drängt, und sagst: Wer hat Mich berührt?
32 Und Er blickte umher, um die zu sehen, die dies getan hatte.
33 Die Frau aber, voller Furcht und Zittern, da sie wusste, was an ihr geschehen war, kam und fiel vor Ihm nieder und sagte Ihm die ganze Wahrheit.
34 Er aber sagte zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden und sei geheilt von deiner Plage.
35 Während Er noch redete, kommen einige vom Haus des Synagogenvorstehers und sagen: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Lehrer noch?
36 Jesus aber überhörte das Wort, das gesprochen wurde, und sagt zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur.
37 Und Er ließ niemanden mitgehen außer Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers, und Er sieht das Getümmel und die Weinenden und laut Klagenden.
39 Und Er tritt ein und sagt zu ihnen: Warum lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern schläft.
40 Und sie lachten Ihn aus. Er aber trieb alle hinaus und nimmt den Vater des Kindes und die Mutter und die bei Ihm waren mit und geht hinein, wo das Kind war.
41 Und Er ergriff die Hand des Kindes und sagt zu ihr: Talitha kum – das heißt übersetzt: Mädchen, Ich sage dir: Steh auf!
42 Und sofort stand das Mädchen auf und ging umher; denn es war zwölf Jahre alt. Und sie gerieten außer sich vor großem Staunen.
43 Und Er gebot ihnen eindringlich, dass niemand dies erfahren solle, und sagte, man solle ihr zu essen geben.
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Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
• „gerettet werden“ (V.23, 28, 34): aramäisch „leben / heil werden“ – körperlich und existenziell.
• „Talitha kum“ (V.41): aramäisch, zärtlich-alltäglicher Ton.
• „schläft“ (V.39): Tod unter Gottes Herrschaft gestellt.
• Zwölf Jahre (V.25, 42): innere Verbindung beider Heilungen.
• „zu essen geben“ (V.43): Betonung der wirklichen, leiblichen Wiederherstellung – kein bloßes „Zeichen“, sondern neues Leben.
Prophetischer Text
Kaum ein Text wie dieser beschreibt auf prophetische Weise das Verhältnis von Kirche und Israel. Darüber habe ich mehrmals geschrieben. Darum berührt mich dieser Text sehr und ich hoffe, jemand liest auch die anderen Andachten, denn heute ist mir ein anderer Satz wichtig geworden.
Die Frau, die ich als Symbol der Gojim, der unbekannten Fremden, deute, sie glaubte.
Und Jesus sagt nicht: Sieh nur, Ich habe dich gerettet. Sondern Er sagt:
„Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht“.
Diesen Glauben möchte ich betrachten.
Ehre
Oft höre ich, im christlichen Glauben gehe es um Demut. Es geht darum, dass alle Ehre dem Herrn gebührt.
Aber hier redet Jesus so nicht. Es geht hier nicht um die Demut der Frau – es geht um Beziehung.
Jeder Mensch liebt sich selbst. Von Natur aus.
Und wir kommen zu Jesus, weil wir zunächst etwas davon haben, uns etwas davon erhoffen – für uns.
Die Frau wollte Heilung. Heilung für sich.
Aber es ist etwas Besonderes zu glauben, dass Jesu das ebenso für sie will.
Nicht abstrakt, sondern genauso wie sie selbst.
Mein Heil liegt in der Berührung Seines Gewandes. Denn alles an Ihm ist Heil.
Viele verlachen die Verehrung von Reliquien. Ja, sie wurden sicher missbraucht.
Aber diese Frau berührt das Gewand.
Übrigens: Es liegt heute in Trier, im Dom St. Peter.
Aber Achtung: Es ist nicht Magie – es ist Glaube.
Glaube
Es gibt keinen Glauben als etwas Eigenes, ebenso wenig wie Liebe.
Glauben ist immer ein Bezug. Ich glaube etwas, genauer: Ich glaube an etwas oder jemanden.
Ich sitze hier im Obergeschoss unseres Hauses. Und ich glaube, dass mein Fußboden mich trägt und ich nicht einstürze. Darum bin ich hier ganz ruhig und handle in diesem Glauben, dass der Boden mich trägt.
Also kann ich sagen: Mein Glaube hat mir ermöglicht, hier zu sitzen.
Wie sehr ist mein Glaube an Jesus Christus von dieser Art?
Wenn ich vom Untergeschoss die Treppe hochgehe – ich habe noch nie Zweifel gehabt, dass all dies bestehen bleibt und ich sicher bin.
Aber wie oft zögere ich, alles ohne Sorge auf Dich, mein Erlöser, zu setzen?
Meine Ehre, meine Sorge, mein Leben.
Wo glaube ich so fundamental, dass ich ohne diesen Glauben nicht leben könnte?
Ganz konkret.
Es gab Dinge in meinem Glaubensleben, in denen es genau so war. Wärst Du nicht, mein Gehorsam Dir gegenüber hätte in einem Abgrund geendet.
Und ist es nicht dies, was ich doch auch ganz will? Warum zögere ich so oft?
Skizze
Vielleicht darf ich sagen: Der Blutfluss der Frau sind die Kriege der Welt.
Bezahlen nicht zumeist die Frauen den Preis des Krieges?
Ihr Leben, das aus ihnen kam – es wird geschlachtet. An so vielen Fronten.
Und die Welt hat versucht, es zu heilen, vielleicht zu beenden. Schon Rom wollte die Welt durch hegemoniale Macht befrieden. Und in der Neuzeit wollte der Völkerbund, und dann die UN, die Gräuel der Kriege beenden – ohne Erfolg. Seit 2010 nehmen die Kriegshandlungen und Konflikte wieder erkennbar zu.
In den Prophetien Israels werden die Völker am Ende nach Israel ziehen und dort Frieden empfangen.
Heute noch unvorstellbar.
Noch haben wir Geld „um Ärzte zu bezahlen“.
Ich spüre, wie in mir der Glaube wächst, dass die Versöhnung der Kirche mit Israel eine Vorbereitung ist den Blutfluss zu beenden. Ich bin Teil der Kirche. Ich will damit anfangen.
Und ich glaube: Gott achtet auch auf die ganz Kleinen, die „Namenlosen“.
Und wenn alle glauben, die Tochter Zion (Tochter des Synagogenvorstehers) sei tot, wird Jesus sie erwecken. Auf dem Weg dahin ist unsere kurze Gelegenheit, mitten im Gewühl.
Es sind viel mehr ungesagte Worte als hier gesagte – es ist eine Skizze.