So 05.04.2026 Ostersonntag
Joh 20:1-9 Der Ostermorgen
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria von Magdala früh, als es noch dunkel war, zum Grab und sieht den Stein vom Grab weggenommen.
2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagt zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie Ihn hingelegt haben.
3 Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, und sie gingen zum Grab.
4 Die zwei aber liefen gemeinsam; und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab,
5 und sich vorbeugend sieht er die Leinentücher liegen; doch er ging nicht hinein.
6 Da kommt auch Simon Petrus, ihm folgend, und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen,
7 und das Schweißtuch, das auf Seinem Haupt war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern getrennt, an einem Ort für sich zusammengelegt.
8 Da ging nun auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und er sah und glaubte.
9 Denn sie verstanden noch nicht die Schrift, dass Er aus den Toten auferstehen müsse.
Erinnerung
Der „andere Jünger“ wird Johannes selbst sein.
Er sieht – und glaubt.
Aber was glaubt er? Er weiß noch nicht von der Auferstehung, wie er hier selbst bezeugt.
Im Menschen ist der Bezug zu Gott angelegt. Vor aller Erkenntnis und vor allem Wecken. Wenn nun ein Wecken stattfindet, ist dies ein Anfang – kein Ende.
Es ist wie das erste Wasser auf eine Saat, die lange geschlummert hat.
Dieses Vorbewusste, das im Herzen des Menschen vor aller Erkenntnis liegt, kann und soll schon vor dem Verstehen bereitet werden. So war es bei Johannes.
Johannes sieht die Ordnung der Tücher. Diese Ordnung verweist auf einen, der ordnet.
Der Glaube entsteht zunächst nicht aus dem Verstehen, sondern aus einem geweckt werden. Noch ohne wirkliches Verstehen.
Dieser Glaube ist Anfang
Verstehen kommt besonders aus der Schrift. Der Thora, dem Tanach. Aber auch aus den Vätern, aus den Zeugen. Die Jünger berichten einander. An andere Stelle sind es vor allem Frauen, die bezeugen.
Darum lohnt es, von den intimen Kennern der Schrift zu lernen.
Z. B. zu diesem Thema „Anfang“ und weitergehen in dem Beginn der Omer-Zählung, wie ich es gestern gelesen habe.
Die Omer-Zählung
סְפִירַת הָעוֹמֶר (Sefirat haOmer)
Sie beginnt mit Pessach, also Ostern. Jetzt.
In diesem Jahr auch vom Kalender her sehr nahe. Wir haben heute den 3. Omer.
Ein Omer ist eine Garbe, ein Maß des Tages. Die Thora spricht davon in 3. Mo. 23,15-16.
Es werden 49 Tage gezählt.
Also analog unserer Zeit von Ostern bis Pfingsten.
Es beginnt mit Pessach, der Befreiung aus Ägypten, und zielt auf Schawuot, der Gabe der Thora am Sinai.
Hebräisch: שָׁבוּעוֹת (Schawuot) = „Wochen“
Es ist folgernder Weg:
Von der Befreiung, der Freiheit von zur Freiheit für.
Für die neue Bindung an den wahren Gott, für den das Herz des Menschen geschaffen wurde.
Das Eintreten in den Bund, den Adam gekündigt hatte.
Und das ist ein Weg, ein Weg, an dem jeder Tag zählt. Jeder Tag seine Aufgabe der Bereitung hat.
Befreiung, Erlösung allein genügt nicht!
Der Mensch muss bereitet werden, um Gottes Wort zu empfangen.
Am besten in 49 Tagen.
Ich fürchte, es können auch Jahre werden.
Aber die Zeit ist begrenzt. Wenn das Herz nicht recht bereit ist, wird das Wort mir auch zum Gericht. Denn im Wort entfällt die Ausrede der beliebigen Freiheit.
Und Israel hat es bitter erfahren.
Die Männer des Auszuges haben in der Masse das gelobte Land nicht erreicht.
Der Weg des Christen
Er ist nicht prinzipiell anders als der Weg des Volkes Gottes.
Man ist nicht erlöst und fertig.
Die Verweigerung der Wüste, wie ich sie oft erlebe, ist ein ernstes Problem.
Jesus sendet Seine Jünger zunächst „zurück auf Los“, nach Galiläa. Dort will Er sie treffen.
Die 49 Tage bis Schawuot, bis Pfingsten waren sicher keine Zeit einfachen Abwartens.
Die Omer-Zählung ist kein Maßband, von dem man jeden Tag einen Zentimeter abschneidet.
Es ist die Zeit der Heiligung.
Der Heilige Geist „macht“ es nicht, sondern er vermählt sich mit Gefäßen.
Einen Moment dieser Reinigung kennen wir von Petrus aus dem 21. Kapitel von Johannes.
Es geschieht mitten im Alltag.
Wie werde ich antworten, wenn ich gefragt werde?