Sa 04.04.2026 Karsamstag
Mt 28:1-10 Auferstehung Jesu
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Nach dem Sabbat aber, als es auf den ersten Tag der Woche hin zu dämmern begann, kam Maria von Magdala und die andere Maria, um das Grab anzusehen.
2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn stieg aus dem Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee.
4 Vor Furcht vor ihm erbebten die Wächter und wurden wie Tote.
5 Der Engel aber antwortete und sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht; denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
6 Er ist nicht hier; denn Er ist auferweckt worden, wie Er gesagt hat. Kommt, seht den Ort, wo Er lag.
7 Und geht schnell hin und sagt Seinen Jüngern, dass Er von den Toten auferweckt worden ist. Und siehe, Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr Ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
8 Und sie gingen schnell vom Grab weg, mit Furcht und großer Freude, und liefen, es Seinen Jüngern zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus begegnete ihnen und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu, umfassten Seine Füße und warfen sich vor Ihm nieder.
10 Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht; geht hin, verkündet Meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen; dort werden sie Mich sehen.
Der lange Sabbat
Eigentlich beginnt der erste Tag der Woche, wenn die Sonne ab Sabbat untergeht.
Aber das griechische Original spricht explizit von dem Dämmern des ersten Tages der Woche – also wie eine Nacht mehr als der Sabbat.
Die Welt um die Jünger herum hat Pessach gefeiert – was haben sie getan? Was hat die Mutter Jesu getan? Und die anderen zwei Marien?
Ein langer Sabbat ohne Verstehen, ohne die Nähe von Dem, der doch Mitte von allem war. Man sieht die anderen fröhlich feiern, aber wie soll ich nun leben?
Besonders für Petrus, von dem ich glaube, dass er lieber mit Jesus gestorben wäre, als nun mit dieser Verleumdung zu leben.
Ein Glaube nach Jesus
Wie lebt ein Mensch ohne die Hoffnung der Auferstehung? Besonders ein nachdenklicher Mensch, der sich nicht durch Eile und Ablenkung betäubt?
Mir scheint, es ist nahe an der Situation derer, die den ihnen noch unbekannten Jesus suchen.
Sie glauben schon etwas.
Die Wahrheit Jesu ist in den Herzen der Menschen da, auch schon vor Jesu Erscheinen. Die Wahrheit, dass es außer dem selbstbezogenen Leben auch noch ein anderes Leben gibt.
Vielleicht ist das eilige Denken an Auferstehung und Himmel oft in der Gefahr, an mir selbst und meinem Leben in dieser Welt vorbeizugehen.
Lieben, ohne Auferstehungshoffnung.
Lieben, weil es im Wesen des Menschen von Anfang an eingehaucht ist.
Kein verzwecktes Lieben für ein ewiges Leben oder einen herrlichen Himmel.
Kann das Herz weiterschlagen, wenn der Geliebte weg ist?
Ist das nicht die Situation, in der viele Mütter sind, deren Söhne im Krieg fallen?
Es ist gut, hier einen Moment innezuhalten, und die unbekannte Länge des dunklen Sabbats zu verkosten. Den bitteren Kelch der unerfüllten Liebe, der doch die Liebe selbst nicht aufhebt.
—
Praxis
Liebe ich nicht oft mit einer Erwartung?
Auch die Jünger hatten eine Erwartung – bis zum Ende.
„Herr, stellst Du in dieser Zeit das Königtum für Israel wieder her?“
Das fragen die Jünger auch noch nach der Auferstehung, das heißt, diese Frage war immer ihre Frage.
Wenn meine Liebe wenig Frucht bringt, ja es sogar danach aussieht, dass die Frucht verwelkt, sich vielleicht umkehrt – was macht mein Herz dann?
Will es diese Liebe hassen, ob des Schmerzes der Fruchtlosigkeit?
Oder bleibe ich treu. Treu um der Wahrheit in meinem Herzen willen, die mir vom Vater von jeher eingepflanzt ist, und die Jesus geweckt, begossen und gepflegt hat.
Kann ich die Scherben der Liebe noch lieben, weil die Liebe in mir wirklich ist?
Liebe ich die Frucht der Liebe mehr, als die Treue zu dem in mir Gewordenen.
Viele Menschen lieben ihre Kinder mehr als ihren Ehepartner.
Viele Menschen lieben ihr Werk mehr als das Werken selbst.
Und doch
Und doch bewahrt die Liebe immer den Keim. Das Objekt der Liebe bleibt mit der Liebe lebendig. Und die Hoffnung umhüllt sie, ohne sie zu ersticken.
Die Liebe nährt die Hoffnung – nicht andersherum.
Und wenn ich ohne meinen Erlöser auch lieben kann – ich will doch den, der mein Herz allein kennt, und der die Einsamkeit meiner Liebe auslöst.