Aus welcher Quelle trinke ich?

Sa 12.09.2026 🇮🇱 Israelstand auf dem Markt

Lk 6:43-49 – Vom Baum und seinen Früchten; vom Haus auf dem Felsen

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

43 Denn es gibt keinen guten Baum, der schlechte Frucht hervorbringt, und wiederum keinen schlechten Baum, der gute Frucht hervorbringt.

44 Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn von Dornen sammelt man keine Feigen, und von einem Dornstrauch liest man keine Trauben.

45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.

46 Was aber nennt ihr Mich: Herr, Herr!, und tut nicht, was Ich sage?

47 Jeder, der zu Mir kommt und Meine Worte hört und sie tut – Ich will euch zeigen, wem er gleicht:

48 Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute, tief grub und das Fundament auf den Felsen legte. Als aber eine Flut kam, stieß der Strom gegen jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war.

49 Wer aber hört und nicht tut, gleicht einem Menschen, der ein Haus auf die Erde baute, ohne Fundament. Der Strom stieß dagegen, und sogleich stürzte es ein; und der Zusammenbruch jenes Hauses war groß.

Das Gute geschieht natürlich

Bin ich wie ein Weihnachtsbaum, an dem gute Früchte angehängt werden, oder bin ich wie ein Obstbaum, der von selbst gute Früchte bringt?

Sind gute Werke eine Reaktion meiner selbst auf einen Anruf? Oder muss ich mich aufraffen, gute Werke zu tun? Und ich selbst steht dazu in einer Spannung, vielleicht sogar in einem Widerspruch.

Das Gleichnis vom Baum beschreibt aber nur eine Seite. Es beschreibt etwas vom Ergebnis her.

Daneben steht das Gleichnis von dem Haus und seiner Gründung. Worauf wird es gegründet? Und der entscheidende Unterschied ist nicht der Bau des Hauses, sondern die Gründung: die Frage, wie tief ich grabe.

Es berührt erneut die Frage: Was glaube ich wirklich?

Mein Fundament, meine Quelle

Das Bild des Fundaments betrachtet, was passiert, wenn ich darauf mein Haus baue. Das Bild der Quelle ist etwas gegenwärtiger, und ich benutze es, weil ich jetzt den Alltag betrachten will.

Ich betrachte drei Aspekte, die für mein Handeln wichtig sind: Freude, Kraft und Frieden.

a) Freude

Freude ist ein Motiv zum Handeln. Welche Art von Freude will ich? Will ich Spaß? Will ich Lust? Will ich Vergnügen?

Oder empfinde ich Freude und schöpfe Freude in dem, was die Seligpreisungen beschreiben?

b) Kraft

Bekomme ich meine Kraft zumeist aus einem Motiv, aus einem Ziel?

Oder bekomme ich meine Kraft im Gehorsam, wie ich es an anderer Stelle beschreibe? Im Vollzug des Gehorsams erhalte ich die Kraft.

c) Frieden

Erhalte ich Frieden, indem ich Sicherheit herstelle, indem ich mich schütze und durch Planung Unsicherheit vermindere?

Oder erhalte ich meinen Frieden in der besonderen Form der Hoffnung, der Hoffnung, die nicht Spekulation ist, sondern natürliche Erwartung?

Um in diesen drei Bereichen der Wirklichkeit meines Lebens auf den Grund zu kommen, muss ich graben, tief graben und auch lange weiter graben.

Dieses Graben braucht zumeist Entscheidung zum Graben und nicht vorschnell mit Vorläufigem zufrieden zu sein.

Mein seelisches Herz kann immer beides wollen und will natürlicherweise das Erste. Natürlicherweise habe ich z. B. Freude an einem herzerwärmenden Spielfilm, mit einer Schale gesalzener Erdnüsse.

Aber es gibt auch eine andere Art von Freude.

Ich schaue zurück und frage: Was war das tiefste Empfinden von Freude in den vergangenen Jahren?

Es war in meiner Zeit in der Soldatenküche im Norden Israels.
Zu der Zeit gab es praktisch keine Touristen in Israel, denn es war die Zeit kurz nach dem 7. Oktober 2023.

An einem Busbahnhof bat ich einen Soldaten um eine Auskunft bezüglich der Busse. Nachdem er mir geantwortet hatte, fragte er mich, warum ich da bin. Nachdem ich es ihm kurz gesagt hatte, entstand eine Stille, ein Staunen, eine innere Nähe. Ich kann mich nicht erinnern, jemals mehr innere Freude, mehr innere Kraft und inneren Frieden erlebt zu haben als in dem Moment.

Mein Geist kann sich entscheiden, meinem Herzen zu sagen, dass es auf diesem Fels bauen soll und auf keinem anderen.

Bauen

Ich bin nicht nach Israel gefahren, um ein tolles Gefühl zu haben, sondern es war die Frucht eines langen Weges. Die Frucht ist nicht das direkte Ziel, sondern sie zeigt nur an, an welcher Quelle ich den Baum gepflanzt habe.

Das Zentrum des Geschehens ist der vertrauende Gehorsam. Dieser basiert aber auf einer inneren Entscheidung.

Die Gnadenlehre des Paulus wird durch Jesu Rede vom Tun nicht aufgehoben. Denn das vor Gott gültige Tun hat als Quelle die Gnade einer Liebesbeziehung zu meinem Herrn.

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