Verbunden, aber nicht vermischt

Mo 14.09.2026 Fest der Kreuzerhöhung

Joh 3:13-17 – Jesus und Nikodemus

(Evangelium des Tages )

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer Dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist: dem Menschensohn.

14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöhte, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 damit jeder, der an Ihn glaubt, ewiges Leben hat.

16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

17 Denn Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit Er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch Ihn gerettet wird.

Die Bindung Isaaks

Die Juden feiern zwei Tage lang das Neujahrsfest. Gestern Abend habe ich deshalb gemäß den jüdischen Regeln die Bindung Isaaks gelesen; Hebräisch Akedaעֲקֵדָה.

Es ist die äußerst dramatische Geschichte, in der Abraham aufgefordert wird, seinen Sohn der Verheißung, die gesamte Zukunft, zu opfern. Aber wie ein Prophet antwortete er Isaak auf dem Weg auf die Frage, wo das Opfer ist: „Gott wird sich das Lamm zum Opfer ersehen.“ Das Opfer ist am Ende ein Widder, der sich mit seinen Hörnern verfängt. Aus solchem Horn kommt dann das Schofar שׁוֹפָר. Darum wird an Rosch ha Schana רֹאשׁ הַשָּׁנָה das Schofar-Horn שׁוֹפָר geblasen.

Gott wird sich ein Opfer ersehen: Das gehört zur Kreuzerhöhung, es ist der Nikodemus-Text.

Wie gehöre ich dort hinein?

Es geht nicht um mich

Jesus spricht mit Nikodemus – und sie sind ganz allein. Und trotzdem sagt er nicht zu ihm: „So sehr hat Gott dich geliebt, dass Er Seinen einzigen Sohn gab, damit du, wenn du an Ihn glaubst, nicht verloren gehst, sondern ewiges Leben hast.“

Denn es geht Gott um die Welt. Es geht Gott um das große Werk Seiner Schöpfung. Und letztlich, geht es dabei um die Offenbarung Gottes selbst, die Offenbarung Gottes als Liebender.

Aber ich rede nicht als einer, der sagt: „Es geht um nichts anderes als“. Denn Gott ordnet Dinge zueinander, und in Gottes Welt, in Gottes Reich, hat alles und jeder – auch ich als Person – eine Bedeutung. Nicht zuerst für mich, sondern mit Blick auf den Zusammenhang.

Darum hängen auch die Bindung Isaaks, das Fest der Kreuzerhöhung, Nikodemus und die Welt zusammen. Und darin auch ich.

Wenn ich also gestern Abend der Isaak-Geschichte nähergekommen bin, dann nicht um meinetwillen, sondern um der Welt willen, zu der ich gehöre.

Es geht um mich

Und in diesem Sinne geht es dann ganz direkt und persönlich um mich. Nicht um mich für mich, sondern um mich für die Welt, für Gott. Was ist nun meine Rolle, mein Auftrag, so wie ich ihn bisher verstehe?

Mir scheint, es ist der Aufbruch aus der Vereinzelung: aus der Vereinzelung als Christ, aus der Vereinzelung der Kirchen und aus der Vereinzelung der Kirche und des Judentums in der bisherigen Getrenntheit.

Und für heute?

Teschuwa – Umkehr

Die Zeit zwischen dem Neujahrsfest רֹאשׁ הַשָּׁנָה und dem großen Versöhnungstag יוֹם כִּפּוּר ist die Zeit der Umkehr, der Teschuwa תְּשׁוּבָה, der Umkehr zu Gott.

Dabei geht es mir nicht nur um meine persönliche Umkehr zu Gott, sondern um meine Umkehr als Bestandteil der Christenheit, der Kirche. Im Blick auf das Verbinden der bisher je Vereinzelten, wie ich es oben benannt habe.

Und so erhält das Wort „Bindung“ (עֲקֵדָה) für heute eine weitere Bedeutung. Meint die Bindung hier zuerst die Bindung aller Hoffnung und des ganzen Herzens an Gott, so ergänze ich sie mit dem Verbinden der Menschen miteinander und mit Gott.

Dann ist die Feindesliebe keine ethische Tat, sondern ein Leben in Verbundenheit, in Zugehörigkeit.

Du, Herr Jesus, hast Dich binden lassen, Dich binden lassen an das Fleisch des Menschseins und im Fleisch des Menschseins an das Kreuz.

Um diesen Weg zu gehen, hast Du Dein Angesicht nach Jerusalem gewendet. Du hast den Feinden nicht nur vergeben, Du hast sie geliebt.

Beispiel

Ganz konkret spüre ich in meiner inneren Beteiligung an dem Konflikt in Israel, dass mein Erbarmen für die Palästinenser, für die Terroristen und Feinde Israels immer wieder angefochten ist. Dabei bin ich als Deutscher doch Erbe einer Erzfeindschaft mit den Juden. Versöhne Esau mit Israel und versöhne Ismael mit Isaak.

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