Fr 18.09.2026
Lk 8:1-3 – Frauen in der Nachfolge Jesu
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Und es geschah in der folgenden Zeit: Er zog von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf, rief das Reich Gottes aus und verkündete es als gute Botschaft. Die Zwölf waren mit Ihm,
2 ebenso einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalene, von der sieben Dämonen ausgefahren waren,
3 und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen aus ihrem Besitz dienten.
Jesu Geliebte?
Vor allem Dan Brown (Sakrileg/Der Da Vinci Code) greift Spekulationen darüber auf, besonders aus dem Buch ‚Der Heilige Gral und seine Erben’.
Mein Umgang mit solchen Behauptungen wird am besten durch Ockhams Rasiermesser beschrieben.
Ockhams Rasiermesser
Wilhelm von Ockham (1287–1347) war ein englischer Franziskaner, Theologe und Philosoph. Als Franziskaner war er vertraut mit dem Wert der Armut, oder, ich möchte sagen, der Schlichtheit. Er fragte immer wieder: Brauche ich diese zusätzliche Annahme wirklich? Welche Annahmen genügen mir, um das Phänomen zu beschreiben?
So sagt Lukas z. B. lediglich: Maria war geheilt worden, gehörte zur Gemeinschaft Jesu und unterstützte sie aus ihrem Besitz. Alles Weitere sind zusätzliche Annahmen.
Zwar stammt der Begriff des Rasiermessers historisch vermutlich nicht von Ockham, aber ich beschreibe es folgendermaßen: Das Rasiermesser befreit das Gesicht von dem, was seine eigentliche Gestalt verdeckt.
Das ist ein köstliches Prinzip, das ich gerne noch weiter und tiefer verfolgen möchte. Auf den Glauben angewendet, führt es zu der Frage, die wir in unserer Männerrunde seit einiger Zeit bewegen: Was glaube ich wirklich?
Israelstand
Besonders auf dem Israelstand auf dem Markt wurde mir wichtig zu klären: Wofür trete ich wirklich ein? Welche zwei, drei Dinge sind es, für die ich auch Leid akzeptieren würde?
Außerdem beobachte ich seit Langem, dass Menschen ihre Gemeindezugehörigkeit von allen möglichen Dingen abhängig machen. Oder, wenn ich in einer anderen Gemeinde frage, warum die Menschen zur Kirche gehen, erzählen sie mir viel. Und ich kann mich kaum erinnern, dass jemand gesagt hat, er geht um Jesu Christi willen hin oder um seines Glaubens willen.
Und dieses Thema begegnet mir auch in der Eheberatung: Warum bin ich eigentlich mit dieser Person verheiratet? Was ist wirklich der Kern? Und was sind nur alle möglichen „Bartstoppel“ der Erwartungen?
Wer bin ich?
Ich meine diese Frage hier gar nicht tief philosophisch, sondern einfach in der Begegnung. Wen kannst du an mir erkennen? Wem möchte ich, dass du begegnest, wenn du mir begegnest? Und was ist nur unnötiges oder unwichtiges Beiwerk aus anderen Geschichten, Beziehungen und Erfahrungen, die eigentlich nicht wirklich mit unserer Begegnung zu tun haben?
In der Ehe, aber auch in der Beziehung mit Jesus Christus.
Begegne ich Dir, überwuchert von Wünschen, Träumen und Sehnsüchten? Mit einem langen Bart meiner Lebensgeschichte oder mit den Bartstoppeln meiner täglichen Befindlichkeiten?
All das ist erlaubt und manchmal auch nötig, aber es ist doch nicht die Substanz meiner Begegnung mit Dir, Herr Jesus.
Als Mann in der Ehe
Inwieweit ist meine Frau eine Art Servicekraft für die Wildwüchse meines Lebens? Wie viele meiner Erwartungen sind ungeordnete Erwartungen, die unsere Beziehung überfrachten und der eigentlichen Begegnung entfremden?
Ist meine Frau verantwortlich dafür, mich als den zu erkennen, der ich eigentlich bin, oder mir vielleicht sogar zu helfen, mich zu rasieren?
Ich sage nicht, dass das nicht vorkommen darf, aber ich sage: Steh auf, sei ein Mann, kümmere dich darum, dich selbst zu rasieren.
Und gerade ich als Christ bin berufen, zuerst und zumeist mein Leben mit Jesus Christus zu klären. Mir von Ihm das Rasiermesser für das alte Leben, den alten Andreas, reichen zu lassen.
Das Zweite und das Dritte in meinem Leben wollen mich abhalten von dem Eigentlichen. Der Streit um „des Kaisers Bart“.
(Ursprünglich wohl bei Horaz, Episteln 1,18,15, sinngemäß: „Der andere streitet über Ziegenwolle und kämpft, bewaffnet, für Nichtigkeiten.“)
Verantwortung
Woher kommt dieses Ausweichen auf das Zweite, das Dritte?
Mir scheint, es hat etwas mit dem verdrängten Wissen zu tun, dass ich für das Erste verantwortlich bin, und die Angst vor dieser Verantwortung treibt mich in einen Nebenkriegsschauplatz.
Aber mir wird angeboten, ein würdiges Leben zu führen, und ein würdiges Leben hat immer zu tun mit der Annahme der mir gegebenen Verantwortung.