10.10.2022
Lk 11:29-32 Jesu Rede vom argen Geschlecht
Heute geht es zum einen um das Thema Geschlecht. Nicht das biologische, sondern es geht um die Volksgenossen und Zeitgenossen. Und in dem Zusammenhang um das Zeichen des Jona.
Im Kontext mit dem Zeichen des Jona spricht Jesus von einem argen oder bösen Geschlecht. Ein Geschlecht kann das Geschlecht der Stauffer oder Hohenzollern sein oder der Deutschen oder es kann den Zeitgeist meinen. In diesem Kontext kann man es für beides gelten lassen. Ich betrachte heute aber den Zeitgeist.
Wenn Jesus den Zeitgeist anspricht, also einen Zusammenhang zwischen den Menschen, dann muss es den geben und dann muss er bedeutsam sein. Meine persönliche Verantwortung bezieht sich also nicht nur auf mich, sondern auch auf die mit mir in Verbindung stehenden Menschen, bis hin zum Geschlecht und zu den Menschen meiner Zeit.
Vater unser In dem Beitrag zum Vater-unser versuche ich deutlich zu machen, dass das Wesen des Vaters von Seiner Vaterschaft abhängt, also von mir als Seinem Sohn. Hat der Vater einen weiteren Sohn, oder eine Tochter, was der Fall ist, so hängt mein Wesen als Bezogener zum Vater dadurch auch mit dem Wesen meines Bruders zusammen. Ich kann nicht Sohn sein, also wesenhaft Sohn des Vaters, ohne wesenhaft Bruder zu sein. Also ganz deutlich: Mein Sein ist nicht allein in sich begründet. Sondern es ist im Vater und damit im Bruder und damit ganz schnell in allen Menschen, also in dem Geschlecht.
Das klingt kaum tragbar, aber: Meine Rettung hängt und an der Rettung des Geschlechtes meiner Generation. Ich rette mich nicht, in dem ich mich individualisiere oder als autonome Person erkläre. Denn damit erkläre ich mich nicht mehr als Mensch, als Sohn des Vaters und gehöre sowieso nicht zum Vater und bin schon tot.
Tröstlicher Weise ist es aber nun so, dass, wenn ich meine Verbundenheit verbindlich annehme, meine eigene Rettung einen entscheidenden Einfluss auf die Rettung des Geschlechtes hat. So, wie der Tod eines Einzelnen, nämlich Jesus Christus, einen entscheidenden Einfluss auf alle Menschen hat.
Nun zu Jona.
Jonah wollte zunächst seine Personalität, seine Individualität bewahren und floh vor seiner Verantwortung für Ninive.
In dem lebensbedrohlichen Sturm auf dem Schiff wurde er inne, dass er Verantwortung für die Seeleute hat, und dass er, mit seinem Tod dieser Verantwortung gerecht wird, und die Seeleute leben werden.
Und als er nun vom Tod ausgespien wurde, wurde er inne, dass er auch für Ninive Verantwortung hat. Gott hatte das Leben der Niniviten an Jona gebunden, dem Zeitgenossen dieser Menschen.
Das Zeichen des Jona mag noch mehr bedeuten, aber es bedeutet auch dieses. Nämlich dass Jonah unbedingt mit den Menschen in Ninive verbunden ist, und Gott ihn nicht im Tod lässt, weil er sonst auch Ninive im Tod lassen müsste.
Würde nur Gott die Menschen lieben, könnten die Menschen keine Gottessöhne werden. Nur als Liebende, den Bruder Liebende, sind wir wie Gott, denn Gott ist liebend.
Nachdem wir uns selbst gestorben sind, werden wir für den Bruder wieder auferstehen. Zunächst und vor allem hier auf der Erde vor unserem physischen Tod.
Jesus steht nicht da und konstatiert mit einem Kopfschütteln die Argheit des Geschlechtes. Er steht da, konstatiert die Argheit und sagt: gut, ich werde diese Argheit auf mich nehmen und für dieses Geschlecht sterben.
Heilungswunder, Predigten, Totenauferweckungen waren gut und sind gut. Aber sie retten nicht. Allein der Tod rettet zum Leben.
Da wir vom Wesen Gottes sind, können wir das auch, ja wie sollen es. Wie das im Einzelnen geht, gilt es weiter zu bedenken.