Das träge Herz

So 19.04.2026

Lk 24:13-35 Die Emmausjünger

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt war.

14 Und sie redeten miteinander über all dies, was geschehen war.

15 Und es geschah, während sie miteinander redeten und überlegten, da näherte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie Ihn nicht erkannten.

17 Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Worte, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben traurig stehen.

18 Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu Ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und Er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu Ihm: Das mit Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk,

20 und wie Ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zur Verurteilung zum Tod überliefert und Ihn gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, dass Er es sei, der Israel erlösen werde. Doch auch mit all dem ist heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist.

22 Aber auch einige Frauen aus unserer Mitte haben uns in Erstaunen versetzt; sie waren früh am Grab

23 und fanden Seinen Leib nicht, kamen und sagten, sie hätten auch eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, dass Er lebt.

24 Und einige von uns gingen zum Grab und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; Ihn aber sahen sie nicht.

25 Und Er sprach zu ihnen: O Unverständige und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht der Christus dies leiden und in Seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und Er begann von Mose und von allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften das aus, was Ihn betraf.

28 Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen, und Er stellte sich, als wolle Er weitergehen.

29 Und sie nötigten Ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt. Und Er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als Er mit ihnen zu Tisch lag, nahm Er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten Ihn; und Er wurde vor ihnen unsichtbar.

32 Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie Er auf dem Weg zu uns redete und uns die Schriften öffnete?

33 Und sie standen in derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und die bei ihnen Versammelten,

34 die sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen.

35 Und sie selbst erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie Er von ihnen erkannt worden war im Brechen des Brotes.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

– „träge des Herzens“ (V.25): eher „schwer / stumpf geworden“ – ein inneres Gewicht, das das Vertrauen hindert.

Vergleich

Die Emmausjünger waren an Jesus gläubige Menschen. Nicht weniger als ich. Sie sind mit Jesus gegangen – wie ich. Sie hatten eine persönliche Beziehung zu Jesus – auch wie ich.

Und dennoch haben sie den Tenach (Thora, Propheten, Schriften) nicht so verstanden, wie sie es nun von Jesus her erklärt bekommen.

Ist diese Geschichte nur eine historische Erzählung und ich stehe hier und schaue von oben auf diese Jünger, die das nicht erkannt hatten, was ich doch erkenne. Dass das alles geschehen musste, wie Jesus sagt.

Oder ist es ein Blick auf mich selbst.
Der ich meinen Weg gehe und doch entscheidendes nicht verstehe. Nicht verstehe, weil mein Herz zu träge ist und weil ich den Tenach nicht recht kenne, nicht deuten kann?

Ich sehe bei Glaubensgeschwistern einen Mangel an Gottesfurcht. Eine gewisse „Trägheit des Herzens“.
Aber was ist meine Trägheit des Herzens, das, was ich nicht sehe?

Konkretisierung

Jesus war die Konkretisierung von Texten, die hunderte Jahre alt waren, aus verschiedenen Epochen stammten und in gewisser Weise für Juden selbstverständliche Geschichte waren. Wer hätte es wagen wollen, dies jetzt auf diesen Wanderprediger zu beziehen?
Und die Juden haben es des Öfteren gewagt – und sind damit zumeist gegen eine Wand gelaufen. Ich denke oft an Sabbatai Zvi der um 1665 im Osmanischen Reich als Messias auftrat. Wie ein Lauffeuer gewann er Zustimmung im Osmanischen Reich und in Teilen Europas. Sehr vieles schien zu passen – aber er war nicht der Messias.

So oft ist es falsch – und doch einmal richtig. Wie soll ich das erkennen? Wie sollten die Emmausjünger das erkennen?

Israel

Mir scheint Israel die aktuelle Konkretisierung des Handelns Gottes zu sein. Im Wesentlichen ist es mir gewiss.
Aber im Detail nicht. Zu viel Schwärmerei ist im Spiel. Zu viele, denen ich nicht vertraue, reden laut und selbstsicher daher.

Was lerne ich dazu aus der Emmaus-Geschichte?

Bereitung

Die Emmausjünger wollten mehr, als was geschah. Ihr Herz brannte schon, selbst wenn Jesus es noch „träge“ nannte. Du, Herr, gesellst Dich zu denen, deren Herz brennt, selbst wenn es noch träge ist.

Du gehst mit ihnen einen Weg und lehrst sie den Tenach. Es wird Zeit.
Dann prüfst Du das Herz, indem Du Dich stellst, als wollest Du weitergehen. Wie wunderbar lerne ich: Dränge den Herrn zu bleiben, wenn Er weitergehen will.

Und Du offenbarst Dich im Brot brechen. Ein eigenes Thema.

Aber Du offenbarst Dich nicht für einen nun beginnenden, schwärmerischen Aufbruch.
Sondern für die Bereitung der Herzen.

40 Tage Bereitung mit dem Herren und weiter 10 Tage Bereitung „in dunkler Nacht“.

Reicht deine Liebe für diesen Weg, Andreas?

Im Sommer bin ich 40 Jahre Christ. Eine Zeit der Bereitung. Mir scheint, es fehlt noch so viel.

Ob eine Zeit der gemeinschaftlichen Bereitung folgen wird, wie bei den Jüngern?

Ich weiß es nicht, ich ersehne es.

Oder eine Zeit der dunklen Nacht, wie bei Theresa v. Avila und all den anderen?

Wenn es sein muss, muss es sein.

Welche Rolle spielt Israel in diesen Tagen?

Wie gilt es zu bezeugen: „Das Heil kommt aus den Juden“ – wie Du es gerufen hast.

Es gilt, das Leben nicht für sich selbst zu verplempern. Sondern doch auch so auf dem Weg zu sein, wie meine Brüder damals nach Emmaus.

Ich bin nicht besser als sie – ich will eifern, zumindest wie sie zu sein.

Komm, Herr Jesus.

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