Mehr als ein Rechtsakt

Di 21.04.2026

Joh 6:30-35 Vom Manna

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext.

30 Da sagten sie zu Ihm: Welches Zeichen tust Du nun, damit wir sehen und Dir glauben? Was wirkst Du?

31 Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: Brot aus dem Himmel gab Er ihnen zu essen.

32 Da sprach Jesus zu ihnen: Amen, amen, Ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern Mein Vater gibt euch das wahre Brot aus dem Himmel.

33 Denn das Brot Gottes ist Der, der aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt.

34 Da sagten sie zu Ihm: Herr, gib uns dieses Brot allezeit.

35 Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu Mir kommt, wird nicht hungern, und wer an Mich glaubt, wird niemals dürsten.

Kein Werk

Ein Werk ist etwas, das im Wesentlichen außerhalb von mir bleibt. Ich tue etwas, das auch getrennt von mir sein könnte, was vielleicht auch ein anderer tun kann. Eine Sache, die mich zumeist nicht selbst zum Material, zur Substanz macht.

Hat Gott auf diese Weise die Welt geschaffen?

Eine Welt, die Objekt von Ihm ist, außerhalb. Mit Distanz betrachtbar?

So scheint es doch zunächst und so ist das natürliche Denken.

Und das erwarten die Juden von Gott – und erwarte ich es nicht auch?

Ein Werk Gottes, das mir das gibt, was mein Leben schön und gut macht?

Rechtsakt

Mir scheint, für viele Christen ist das Kreuz eine Art Rechtsakt. Die Sünde der Menschen wird von Jesus auf sich genommen und Er trägt sie ans Kreuz. So habe ich es gehört.

Wenn ich dabei stehen bleibe, bleibe ich ich, und nur meine Stellung vor Gott wird eine andere.
Ich bin ein Begnadigter. Aber ich bin weiter ich selbst.

Ich glaube aber, so ist es nicht.

Sondern: Ich als ich bin ein Toter.

Nicht mehr hungern

Ein Toter hungert nicht. Ein Toter hat keinen Durst.

Solange ich die Frage habe, was ich von Gott habe, von meinem Glauben, bin ich auf der gleichen Schiene der Fragen: Was habe ich davon? Vom anderen, von meinen Werken, von meinen Mühen – von meinem Leben?

Ich sage: Ich glaube dann nicht dem, was Jesus mir offenbaren will, sondern dem, was ich mir ausmale.

An Jesus zu glauben heißt, sich selbst für gestorben zu halten. Genauer: Sich selbst für sich selbst gestorben zu sein.

Denn mein Selbst ist nun ein Selbst für. Für das Reich Gottes, für den Herrn, für den Nächsten. Hier dann auch: für ein Werk. Aber nicht mein Werk.

So wie ein Dombauer nicht seinen Dom baut, sondern Gottes Dom.

Wer zu mir kommt.

Man könnte sagen: „in Mich hinein kommt“.

Denn dem Sohn hungert nicht, Er ist allezeit im Vater.

Es hungert Ihn nicht nach Eigenem. Nach etwas, das getrennt vom Vater ist – und auch nicht nach etwas, das getrennt von mir ist!

Es dürstet Ihn nicht – im Gegenteil: Von Seinem Leib fließen Ströme lebendigen Wassers.

Und weiter:
Joh 7,38 „Wer an Mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Daran erkenne ich, ob ich an IHN glaube – oder doch nur an meinen Glauben glaube, wie ich oft sage.

Der Glaube ist leiblich

Oder es ist nicht der Glaube, von dem Jesus redet.

Sondern der Glaube, von dem Seine Zuhörer damals redeten – die sich selbst auch als Gläubige angesehen haben.

Praxis

Als unsere Gäste da waren, habe ich am Montag ein Brot zum Frühstück gekauft. Wir hatten auch noch sehr schönes skandinavisches Knäckebrot und alle wurden satt, es blieb noch etwas Brot übrig.

Später spürte ich etwas bei meiner Frau, das ich schon kenne.

Sie hatte sich mit dem Brot zurückgehalten, denn sie spürte den großen Hunger der vier Jungs am Tisch.

Als ich das Brot gekauft hatte, hörte ich dieselbe Frage in mir: Wird es genug sein?

Später beruhigte ich mich und dachte nicht mehr daran.

Anders meine Frau, die ganz Mutter ist.

Sie spürt allezeit mit existenzieller Priorität den Hunger der Anderen und stellt sich immer hinten an.

Es ist dieses Schlachtfeld der inneren Wahrnehmung des Anderen vor allen Bedürfnissen in mir, um das es geht. Nicht einfach nur um das Tun, sondern um die Bedingungslosigkeit, das tun zu wollen, das Herz im anderen zu haben.

Denn ich selbst hatte auch Hunger.

Und dieser Hunger hat meine Sensibilität getrübt. Es war wie ein innerer Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Nicht um das Brot, sondern um die Wahrnehmung des nicht Sichtbaren.

Schließlich blieb ja Brot übrig (wenn auch keine sieben Körbe).

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