Fr 01.05.2026
Joh 14:1-6 Jesu Weg zum Vater
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Euer Herz werde nicht erschüttert. Glaubt an Gott, und glaubt an Mich.
2 Im Haus Meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte Ich es euch gesagt. Denn Ich gehe hin, euch einen Ort zu bereiten.
3 Und wenn Ich hingehe und euch einen Ort bereite, komme Ich wieder und werde euch zu Mir nehmen, damit auch ihr seid, wo Ich bin.
4 Und wohin Ich gehe, den Weg wisst ihr.
5 Thomas sagt zu Ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin Du gehst; wie können wir den Weg wissen?
6 Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch Mich.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
– „erschüttert“: stärker als bloße Unruhe; inneres Beben, wie ein ins Wanken geratenes Fundament
– „Wohnungen“: eher Bleiben, Aufenthaltsorte; nicht statisch, sondern Raum der Zugehörigkeit
– „Ich komme wieder“: kann auch als fortwährendes Kommen verstanden werden, nicht nur zukünftig
– „der Weg“: nicht nur Richtung, sondern gelebter Zugang; Person statt Methode
– „Wahrheit“: im semitischen Sinn Treue, Verlässlichkeit, das, was trägt
– „Leben“: nicht bloß Existenz, sondern erfülltes, von Gott her kommendes Leben
Erleben
Manchmal ist das Sterben so nahe, so bedrohlich, so überwältigend, dass sich alles verändert. Alle Farben verblassen, alle Erfolge, alle Pläne wirken plötzlich klein, ja sogar befremdlich. Das Sterben will auch sie verschlingen. Es ist, als wäre das Leben eine Leinwand, auf der ein Film gezeigt wird – und diese Leinwand reißt plötzlich ein, der Film wird bedeutungslos, fast schon lächerlich unwichtig.
Zudem sprachen wir gestern auf Instagram über dieses Thema. Eines bewegt mich im Zusammenhang mit dem Text heute besonders.
Nicht im Sterben
Nicht im Sterben werden wir klug, was viele oft hoffen.
Im Sterben werden wir offenbar.
Und dieses offenbar werden, reißt das Herz bis in sein Innerstes auf.
Selbst ein Herz, das bereitet ist, wird hier noch einmal geprüft – und diese Prüfung ist eine Reinigung. Sie fragt: Wer bist du?
Wir wissen nicht, wer wir sind – bis das Sterben uns prüft.
Petrus
Petrus hatte soeben Jesus ewige Treue und Nachfolge geschworen. Und Jesus erzählt ihm von seinem kommenden Verrat.
Angesicht des Verlustes jeder Macht, Angesicht der Dunkelheit der Welt, wird das Herz des Petrus geprüft werden. Und vieles wird offenbar, was er nicht kannte, nicht wissen wollte.
Jesus aber tröstet ihn nicht.
Er redet stattdessen von einer anderen Wirklichkeit.
Einer Wirklichkeit, die die Jünger nicht im Geringsten fassen und verstehen.
Jesus legt einen Samen. Den Samen der künftigen Welt. Sie wirkt im Herbst der alten Welt unrealistisch, fremd, unreal.
Vor dem Denken
Seit einiger Zeit wird mir die Welt vor dem Denken wichtig. Ich schrieb schon darüber.
Meine Frau hatte sich sehr um Saat für Tomatenbäume bemüht. Lange waren nur die zwei Keimblätter zu sehen, und es war nicht klar, was werden wird. Was werden wird, war nicht erkennbar, am Keimblatt kann ich es nicht erkennen. Und doch ist es verborgen da.
Vor allem Denken, vor allem Sehen ist schon etwas da.
Vielleicht solche Reden Jesu von den Wohnungen im Himmel.
Reden, die in mein Herz gelegt werden, denen ich zuhöre – und sie nicht verstehe. Aber ich vertraue dem Redenden. Ich begebe mich in den Raum, in dem das Fremde, nicht Verstandene geschehen wird.
Ich vertraue – lange bevor ich verstehe. Ich wähle die Saat, die ich noch nicht erkenne.
Und auch: Andere bereiten mich für kommendes, weil sie mehr kennen, als ich verstehen kann.
Es ist diese Rede vom Haus des Vaters, aber auch andere Reden Jesu, besonders die mit Nikodemus. Sie geschehen in der Nacht und ich weiß nicht, wie und was ich empfange.
Ich verstehe nicht
Weder verstehe ich den Tod, noch leibliche Auferstehung. Ich verstehe manches ein wenig – von viel mehr aber meine ich zu verstehen, und vermute, in den noch kommenden Prüfungen meines Herzens wird sehr viel davon zerbrochen werden.
Also will ich leben, als lebe ich nicht – aber das mit voller Kraft.
Arbeiten, bauen, schreiben, kämpfen, als wäre das alles, was es gibt – und doch willkommen heißen den Moment, wo dieser Film zerreißt, als hätte es ihn nie gegeben.
Heute ist der Tag der Saat – nicht im Sterben selbst.