Warum „aus“ dem Herzen?

Di 04.08.2026

Mt 15:1-2, 10-14 Die Überlieferung der Ältesten und wahre Reinheit

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1 Da kommen Pharisäer und Schriftgelehrte von Jerusalem zu Jesus und sagen:

2 „Warum übertreten Deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.“

10 Und Er rief die Volksmenge zu sich und sprach zu ihnen: „Hört und versteht!

11 Nicht das, was in den Mund hineingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskommt – das verunreinigt den Menschen.“

12 Da traten die Jünger herzu und sagten zu Ihm: „Weißt Du, dass die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie dieses Wort hörten?“

13 Er aber antwortete und sprach: „Jede Pflanze, die Mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.

14 Lasst sie! Sie sind blinde Blindenführer. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.“

Nichts Wichtigeres?

Es gab eine Art Erweckung am Rande des Sees Genezareth. Viele kamen von weit her und wurden geheilt.

Die geistliche Elite kam auch – und fand einen Fehler in der Einhaltung der Satzungen der Ältesten.

Ganz so, erlebe ich es heute nicht. Aber zwei Dinge fallen mir auf:

Wen macht das schlechte Wort unrein?

Ich hätte erwartet, das schlechte Wort belastet den anderen.

Mich selbst belastet doch eher, Gerüchte zu hören, schlechtes Gerede, dunklen Pessimismus, Misstrauen und gar Verleumdungen.

Und: Sind meine schlechten Worte nicht eher Signale für eine schon vorhandene Unreinheit? Wieso machen sie mich unrein?

Es gibt verschiedene Gründe, warum das unreine Wort mich selbst unrein macht – aber ein wichtiger Grund ist: Weil es uns betrifft. Dich und mich.

Blinde Blindenführer

Das „blinde“ Wort der Blindenführer macht sie selbst unrein, weil sie andere damit ebenso in die Grube stürzen lassen. Ja, dahin verführen.

Mein Wort, unser Wort, hat immer eine Wirkung.

Zum Guten wie zum Schlechten.

Dabei erlebe ich: Es ist weniger das appellierende Wort, das Wort, das überzeugen will – es ist die Offenbarung meiner Selbstverständlichkeit. Dessen, was mich bewegt.

Was ist das?

Vielleicht ist es in manchen religiösen Kreisen etwas Religiöses.

Aber viel öfter erlebe ich etwas anderes.

Christen unter sich

Am Rande der Treffen, die ich mit Christen habe, wird viel geredet.

Aber ich höre fast nie etwas, das ein geistlicher Segen ist.

Stattdessen höre ich vom Hauskauf oder vom Urlaub. Von der Arbeit oder dem Auto. Vom Umzug und Werken. In manchen Kreisen auch von Politik und Gesellschaft.

Es ist vielleicht weniger, was gesagt wird – sondern mehr, was nicht gesagt wird.

Das Nichtgesagte offenbart in gewissem Maße die Bedeutung, die das Geistige in dem Menschen hat.

Und redest du über deine Renovierung, dann rede ich über meine Planungen – und nicht von dem, was in mir brennen sollte.

Mut zur Wahrheit

Viel Reden ist auch nur Vermeidung.

Man vermeidet es, zu sagen, was wahr ist, was dienlich ist, weil damit das eigene Ansehen in Gefahr geraten könnte.

Die Jünger sorgen sich um das Ansehen ihres Meisters bei den Pharisäern. Und ja, Jesu Worte machen sie zu Feinden.

Aber liebe ich den Bruder so sehr, dass mir sein Weg wichtig ist? Seine geistige Entwicklung auf der Seele brennt?

Wenn ich nicht aus Überheblichkeit anspreche, was anzusprechen ist – sondern aus Teilhabe an seinem Ergehen?

Du, Vater, gibst Dein Wort, Deine Weisung regelmäßig über einen Bruder an mich. Du sagst es mir nicht selbst, sondern einem Bruder. Der soll es mir sagen, denn Du bindest die Menschen mit ein.

Ich weiß aus der Seelsorge, dass ich klügeren und weiseren Menschen raten kann, als ich selbst einer bin. Einfach nur, weil ich ein anderer bin. Nicht selbst betroffen bin und an ihm erkennen kann, was er selbst nicht sehen kann.

Und es ist meine Pflicht, das zu tun.

Wenn ich sehe, habe ich grundsätzlich einen Auftrag.

Nicht immer ist es jetzt an der Zeit, nicht immer bin ich es, der es sagen soll.

Aber oft will ich es vermeiden, weil ich selbst dadurch vielleicht nicht mehr gemocht werde. Weil es ein Risiko ist.

Die Liebe ist bereit und frei, zu sagen, was zu sagen ist, wenn Du, Vater, sie dazu aufforderst.

Und jedes leere Wort gilt es vor Dir zu verantworten. Ob es nicht eine Decke ist, die das Ohr des anderen zudeckt. Die suggeriert, dies wären die wichtigen Dinge.

Es gibt keinen neutralen Ort!

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