Mi 05.08.2026
Mt 15:21-28 Die kanaanäische Frau
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet kam heraus und schrie: „Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird schlimm von einem Dämon gequält.“
23 Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten Seine Jünger herzu und baten Ihn: „Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her.“
24 Er aber antwortete und sprach: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“
25 Sie aber kam, fiel vor Ihm nieder und sprach: „Herr, hilf mir!“
26 Er aber antwortete: „Es ist nicht gut, das Brot der Kinder zu nehmen und es den kleinen Hunden hinzuwerfen.“
27 Sie aber sprach: „Ja, Herr! Denn auch die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: „O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst.“ Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.
Jesus zog sich zurück
Jesus verlässt Israel. Den Ort, zu dem Er gesandt ist (V. 24). Nur zu diesem ist Er gesandt. Dass Er nach Tyrus und Sidon ging, ist zunächst Rückzug. Vielleicht die Suche nach Stille. Vielleicht das Erleben mit den Pharisäern und die Ablehnung durch die Elite Seines Volkes.
Es ist aber nicht der Abbruch Seiner Mission. Im Gegenteil. Auch hier bekennt Er, dass Er für Israel gekommen ist – nur für Israel.
Die Schafe aus dem Hause Israel waren damals schon verloren – so nennt sie Jesus. Aber der Auftrag an ihnen endet nicht.
Gott kümmert sich um Israel – aber was ist mit den Heiden? Woher sollen sie Heil empfangen? Und woher weiß die Frau, dass sie sich in dieser extremen Weise an Jesus wenden kann, an diesen fremden Juden?
Weil das Heil von den Juden kommt.
Die Thora
Die Thora ist zuerst die konkrete Geschichte des Volkes Israel.
Gottes Handeln an ihnen offenbart Gott selbst. Genauer: Wie Gott zu Seinem Volk steht.
Alles, was an Israel geschieht, geschieht nur in einem bestimmten Sinn Israel selbst. In einem weiteren Sinn ist es die Offenbarung Gottes in der Welt.
Die Welt erfährt von Gott anhand der Geschichte Israels und dann auch an deren Messias Jesus.
Die Frau kannte wohl die Geschichte Israels.
Vielleicht kannte sie sogar die Thora.
Wer die Thora liest, der kann wissen: Das Heil, die Rettung für meine Tochter kann nur aus Israel kommen, von einem jüdischen Mann – vielleicht von diesem hier?
Kirche
Wenn nun solche, wie diese Frau, nach der Heilung der Tochter aufstehen und sagen: Das Heil ist nun auf die Kirche der Heiden übergegangen – was ist das dann im Angesicht der Wahrheit?
Es ist so finster, dass ich es kaum formulieren kann. Vielleicht ein wenig ähnlich wie der Umgang der elf Brüder mit Josef.
Es ist wie ein Hund, der die Hand seines Herren beißt, der ihn füttert.
Und nicht aus Unkenntnis oder Irrtum – aus Eitelkeit.
Es ist nicht weit von der Anmaßung dessen, der sein wollte wie Gott.
Und der die Menschen allezeit verführt, sich Dinge anzumaßen.
An Israel lernen
Israel ist auch Kirchengeschichte.
„Wer nicht aus der Geschichte lernt, der ist verdammt, sie zu wiederholen.“
Das Original dieses Satzes ist etwas milder:
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)
Sieh das Leid Israels.
Und glaube nicht, es hätte nichts mit dir zu tun.
Oder es könne dir nicht widerfahren.
Ich lese die Thora – aber auch die Diaspora der Juden und ihre endliche Heimkehr als Licht für unsere Kirche der Heiden, der Völker.
Sieh hin
Sieh so auf die Thora, auf dass in dir ein Glaube entsteht, wie bei dieser Frau aus Syrophönizien.
Hat die Frau in ihrer Kultur, in ihrer Heimat, in den großen, modernen Städten Tyrus und Sidon keine Hilfe gefunden?
Haben wir alle Hilfe, die wir brauchen?
- 300.000 Menschen sollen in Hamburg beim CSD gewesen sein. Was feiern sie? Freiheit?
- Es gab immer schon „Zappelphilippe“ und andere Auffälligkeiten. Aber die Qualität und die Quantität haben heute andere Dimensionen. Die Gesellschaft ist offenbar überfordert.
- In Psychiatrien werden immer mehr Patienten nur noch mehr oder weniger „verwahrt“, so erlebe ich es. Die Gesellschaft ist überfordert.
Ich nenne nur drei Bereiche, die viel mit Kindern und jungen Menschen zu tun haben. Einmal, weil ich betroffen bin – und weil es im Evangelium genau darum geht.
Wo findet unsere Gesellschaft Heil?
Wer fragt überhaupt über das hinaus, was wir uns selbst als Methoden und Antworten entwickelt haben?
Keine Anklage
Sondern eine Klage.
Ich selbst bin Teil der Kirche. Und sie verwaltet das Heil.
Hat sie vielleicht ihre Kraft verloren, weil sie so wenig mit ihren Wurzeln verbunden ist?
Ich will mich wecken lassen von dieser Frau.
Sie schrie noch lauter, als ich es heute tue.
Aber sie schrie, weil sie wusste, von wem das Heil kommt, wo es zu finden ist. Es ist –
Direkt vor ihr.