Do 24.09.2026
Lk 9:7-9 – Herodes hört von Jesus
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
7 Herodes aber, der Tetrarch, hörte alles, was geschah, und war ratlos, weil von einigen gesagt wurde, Johannes sei von den Toten auferweckt worden,
8 von einigen aber, Elija sei erschienen, von anderen aber, einer der alten Propheten sei auferstanden.
9 Herodes aber sagte: Johannes habe ich enthauptet. Wer aber ist dieser, über den ich solche Dinge höre? Und er suchte Ihn zu sehen.
Maleachi 3,23–24 aus dem hebräischen Urtext:
23 Siehe, Ich sende euch – Elija, den Propheten –, bevor der Tag JHWHs kommt, der große und furchtbare.
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen zurückwenden und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, damit Ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
Wer ist Jesus?
Ist es Johannes, der wieder auferstanden ist, oder ist es Elia oder ein anderer Prophet? Solange das eine Frage ist, kann es in einem frühen Stadium genau richtig sein. Aber in dem Text heißt es: Es wurde gesagt.
Erneut spüre ich die brennende Verantwortung für das, was ich sage. Denn die Menschen gewöhnen sich daran, dass ihnen nur Meinungen gesagt werden und nicht Wahrheiten.
Mein Namenspatron Andreas war bei Johannes dem Täufer. Für ihn war es Elia, auch wenn er es vermutlich nicht gewusst hat. Durch die Begegnung mit Johannes wurde Andreas bereit, den großen Tag seines Herrn anzunehmen, als Er vor ihm stand.
Johannes war auch bei Herodes, und er hörte die Stimme Elias in Johannes. Aber sein Herz nahm es nicht als explizites Wort Gottes an ihn.
Meinungen zu hören, entlastet mich von Verantwortung. Und eine Meinung zu haben, entlastet mich von der Verantwortung für den anderen.
Ein Prophet
Häufig wird prophetisches Reden mit der Vorhersage von Zukunft zusammengebracht. Aber viel häufiger und viel mehr ist ein Prophet derjenige, der aus einer größeren Wahrheit heraus das Konkrete im Hier und Jetzt benennt. Welches Wort der Tora gilt heute und an diesem Ort für dich? Oder für euch als Gruppe?
Um in diesem Sinne prophetisch reden zu können, muss ich zuerst prophetisch hören.
Wenn du, Vater, so zu mir sprechen würdest, dass ich unumstößlich wüsste: Das ist haargenau Dein Wort – es würde es mich in große Bedrängnis bringen. Wenn es für mich ist, müsste ich direkt danach handeln.
Ob ein prophetisches Wort für andere unmittelbar gesagt werden muss, ist eine Kombination des Wortes und der Verantwortung des Propheten.
Bin ich ein Prophet?
Mir scheint, es ist ein wenig so wie bei der Bergpredigt. Aus Angst vor den sehr absoluten und heiligen Worten Jesu und aus Angst davor, sie nicht erfüllen zu können, fange ich an, sie zu relativieren. Und ich mache mich damit zum Herrn über Jesu Worte. Aber ich bin dabei, auf dem Weg meine Würde zu verlieren. Meine Würde besteht darin, Verantwortung zu übernehmen.
Zu sagen: „Ich versuche es“, oder zu sagen: „Ich bin zu schwach“, behauptet eine Ohnmacht und entlässt mich aus meiner Verantwortung.
Ich frage: Wie tief und wie ernst habe ich es eigentlich wirklich gewollt?
Und so ist es auch mit dem Ernstnehmen der Worte und der Wahrheit.
Ein Prophet sein heißt in dem Sinne, die Verantwortung für das Hören und das Reden ganz zu übernehmen.
Keuschheit
Ich habe ein Interview mit Erik Varden, dem katholischen Bischof von Trondheim, gehört. Er hat ein Buch über die Theologie des Leibes geschrieben.
In dem Interview spricht er von der Freude der Keuschheit. Es ist nicht ein Verzicht, sondern eine Widmung. Und ich spüre mehr und mehr, was er meint, und mehr und mehr die Kostbarkeit der vollständigen Hinordnung zu Gott.
Ich wandere durch verschiedene Themen, denn mir scheint all diese Themen sprechen von derselben Sache. Der freudige Einordnung aller leiblichen Vollzüge in die Beziehung zum Vater.
An diesem Morgen konkret: Das Hören und das Reden.
Die Intensität und die Bedeutsamkeit von Beziehung hängen wesentlich von der Verantwortung der Kommunikation ab. Trete ich dem anderen mit einem „rasierten Gesicht“ gegenüber und verantworte meinen gesamten Gesichtsausdruck? (Siehe Ockhams Rasiermesser.)
Weg
Jeder Mensch braucht jemanden, mit dem er reden kann. Und er sehnt sich danach, anerkannt zu werden.
Die Sehnsucht, anerkannt zu werden und Bedeutung zu haben, knechtet jedoch das Gespräch mit anderen Menschen.
Ich rede weniger um der Wahrheit willen als vielmehr um der Beziehung willen, um der Anerkennung willen und der Bedeutsamkeit willen.
Mit Dir, Vater, zu reden, kann mich frei machen und macht mich frei, zumeist um der Anerkennung willen zu reden. Je wahrhaftiger ich mit Dir rede, desto mehr nehme ich deine Anerkennung wahr.
Das reduziert mein Bedürfnis, mein Reden mit Menschen für mich selbst zu instrumentalisieren.
Mir scheint, die Einübung in prophetische Lebensweise geschieht, indem ich „prophetisch“ – also ganz wahr – mit Dir, Vater, rede.
Alltag
Je mehr ich mit Dir rede, Vater, und vor allem, je wahrhaftiger ich mit Dir rede, desto weniger brauche ich mit Reden aus zweiter Hand umzugehen.
Reden aus zweiter Hand sind Reden, in denen der Redner seine Worte nicht wirklich verantwortet.
Das immer besser zu sortieren, ist nicht einfach nur klug für das alltägliche Leben, sondern es ist seinerseits Übernahme der Verantwortung, ein Prophet zu werden.