Was verkünden die Jünger?

Mi 23.09.2026

Lk 9:1-6 – Die Aussendung der Zwölf

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1 Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und Krankheiten zu heilen.

2 Und Er sandte sie aus, das Reich Gottes zu verkünden und die Kranken zu heilen.

3 Und Er sagte zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Silber, und habt auch nicht je zwei Gewänder.

4 Und in welches Haus ihr hineingeht, dort bleibt und von dort zieht weiter.

5 Und wo immer sie euch nicht aufnehmen: Wenn ihr aus jener Stadt hinausgeht, schüttelt den Staub von euren Füßen ab zum Zeugnis gegen sie.

6 Sie zogen aber hinaus und gingen von Dorf zu Dorf, verkündeten die gute Botschaft und heilten überall.

Evangelisieren?

Ich habe keine Antwort, sondern ich habe Fragen.

Mir scheint es klar, dass der Text nicht von Mission handelt, wie Christen sie in der Regel verstehen. Denn in der Mission verkünden wir Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Wir verkünden die Offenbarung der Gottesliebe anhand des Kreuzes.

Was haben die Jünger verkündigt?

Eher vergleiche ich Israel mit der Kirche. Israel war und ist ein Volk, das lange in der Wüste gelebt hat, obwohl es Gott kennt. Darum scheint mir das Reden vom Reich Gottes mehr eine Erweckung zu sein oder vielleicht sogar eine Ernte.

Erweckung

Erweckung ist ein altes, recht verstaubtes Wort. Das Wort meint nicht, dass etwas Neues gebracht wird, sondern dass etwas schon Vorhandenes erweckt wird.

Mir scheint, der Baum der Kirche hat eine große Krone, aber nur noch wenige Wurzeln. Vor allem wenige Wurzeln, die wirklich in die Tiefe gehen. Ein Baum, der mehr ins Holz gewachsen ist, als dass er wirklich Früchte bringt.

Reich Gottes

Wenn die zwölf Jünger nicht das Kreuz gepredigt haben, was haben sie dann gepredigt? Auch den zwölf Jüngern war das Messiasgeheimnis noch ein Geheimnis, und ich gehe nicht davon aus, dass es Inhalt der Botschaft war.

Was dann?

Mir scheint, dass wir einen wesentlichen Inhalt dieser Botschaft in dem finden, was Jesus zuvor gelehrt hat. Besonders in der Bergpredigt. Zugespitzt in den Seligpreisungen.

Die Bergpredigt kann man kaum in der Kirche predigen, ohne zu hören, dass sie nicht so radikal gemeint ist oder es nur ein grundsätzliches Ziel ist oder dass „irgendwas“ abgeschwächt werden muss. Denn so könne man es doch nicht leben.

Oder an welchem Ort ist von Armut, Gehorsam und Keuschheit die Rede? Eine Art Prüfstein der Bergpredigt. Und darum nicht umsonst Bedingung für monastisches Leben oder für das Priesteramt.

Den Preis bezahlen

Oder vielleicht besser: die Konsequenz vollziehen. Ich vermute, dass Israel zur Zeit Jesu Gott näher war als die Kirche in meiner Zeit. Und doch war Israel nicht vollständig bereit für den Messias.

Ist denn die Kirche bereit für die Wiederkunft Jesu?

Jemand, der das Reich Gottes verkündet oder, besser gesagt, repräsentiert, muss an seinem eigenen Leib Reich Gottes leben. Darum nehmen die Jünger nichts mit auf den Weg: keinen Stab, keine Tasche, kein Brot oder Silber. Nicht einmal ein zweites Gewand. Sie vollziehen, was in den Seligpreisungen genannt wird.

Matthew Ayariga

Im Februar 2015 veröffentlichte der libysche Ableger des IS ein Propagandavideo. Darin wurden 21 christliche Gastarbeiter an einem Mittelmeerstrand in orangefarbenen Overalls vorgeführt und anschließend enthauptet. 20 waren koptische Christen aus Ägypten, der 21. Mann stammte aus Ghana.

Dieser Mann aus Ghana gehörte nicht zur koptischen Kirche; über seinen bisherigen Glauben wissen wir nichts Sicheres. Die Männer wurden einer nach dem anderen befragt, ob sie bei ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus bleiben wollen. Jeder erlebte die Konsequenz des Zeugnisses des Mannes vor ihm. Als die Reihe an Matthew Ayariga kam, sagte er entsprechend dem Video: „Their God is my God.“ (Ihr Gott ist mein Gott)

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