Bereite dem König den Weg

Di 29.09.2026 Gedenktag der drei Erzengel

Johannes 1:47-51 – Jesus und Nathanael

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

47 Jesus sah Nathanael zu Sich kommen und sagt von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist!

48 Nathanael sagt zu Ihm: Woher kennst Du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah Ich dich.

49 Nathanael antwortete Ihm: Rabbi, Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König Israels!

50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Weil Ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.

51 Und Er sagt zu ihm: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes hinaufsteigen und herabsteigen auf den Sohn des Menschen.

Legt ihr diese Worte in eure Ohren

In der Andacht vom 26.09.2026 mit diesem Titel beschreibe ich Worte, vor denen ich so viel Respekt habe, dass ich mir eine Auslegung nicht zutraue. Und vielleicht geht es auch nicht immer um eine Auslegung oder um eine Erklärung, sondern um das Erleben von Assoziationen und Klängen, die der Text auslöst.

Gestern sprach ich mit einem guten Freund darüber, dass eine Entscheidung zwar in einem Moment geschieht, aber in der Regel eine lange Vorbereitung braucht. So ist es auch mit einer Erkenntnis. Nathanael wird nicht das erste Mal unter einem Feigenbaum gesessen haben und, wie ich vermute, in kontemplativer Betrachtung über den Schriften der Väter gewesen sein.

Er erkannte in Jesus den, den er in den Schriften gesucht und betrachtet hatte.

Und von da aus führt Jesus ihn weiter. Er spricht zu einem Israeliten ohne Falsch und kündigt ihm an, mehr zu sehen, als Menschen je gesehen haben. Und damit ist klar, dass ich nicht glauben sollte, schon zu verstehen, was die beiden Bilder bedeuten.

Die Jakobsleiter

Von der Jakobsleiter ist in 1. Mose 28,12 die Rede. Die Verse 12–17 sind eine gewaltige Offenbarung der zukünftigen Bedeutung von Jakob. So wird schon da gesagt: „In dir und in deinen Nachkommen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“

Und in Vers 17 sagt Jakob: „Wie furchtgebietend ist dieser Ort! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies ist das Tor des Himmels.“

Jesus offenbart Nathanael nun, dass er selbst diese „Leiter“, diese Verbindung des Himmels und der Erde ist. Er hebt das Erste nicht auf, sondern er erweitert es.

Der Sohn des Menschen

Ich zitiere Daniel 7:13-14

„13 Ich schaute in den Gesichten der Nacht,

und siehe: Mit den Wolken des Himmels kam einer wie ein Menschensohn.

Und er gelangte zu dem Hochbetagten,

und man brachte ihn vor Ihn.

14 Und ihm wurden Herrschaft, Ehre und Königtum gegeben,

und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm.

Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird,

und sein Königtum eines, das nicht zerstört werden wird.“

Ohne Falsch

Ich möchte Gott so begehren, wie Jakob es tat, der alles auf sich nahm und das Erbe Gottes über alles schätzte. Ich sehne mich danach, so gerecht wie Daniel zu sein. Ein Mann voller Standhaftigkeit und Gottes Treue.

Aber ich fürchte, ich bin davon ein ganzes Stück entfernt.

Darum halte ich mich zunächst an Nathanael.

Das Betrachten und Hineinnehmen der Evangelien – und seit einiger Zeit auch der Tora – in mein Leben soll alles Falsche daraus vertreiben.

Als Christ ist es für mich leichter als für Nathanael. Ich kann alles Falsche, alle Lüge, allen Selbstbetrug, vor Dir, meinem Erlöser, ausbreiten.

Und doch ist es ein Dreiklang. Ich brauche auch den Gotteseifer des Jakob und das Streben nach der Gerechtigkeit Daniels.

Einen Acker bereiten

Alle drei betrachteten Männer haben schwere Prüfungen in ihrem Leben erlebt. Erkenntnis und Offenbarung von Gott zu erbitten, ist durchaus gefährlich.

Und auch: Wenn der Acker meines Herzens von Trampelpfaden durchzogen ist, voller Steine und Geröll und überwuchert von Dornengestrüpp, würde er keine Frucht bringen.

Neue Räume im Palast des Reiches Gottes wurden mir bisher immer erst eröffnet, nachdem sie in mir bereitet worden waren. Sei es die Ehe, sei es die Kontemplation, sei es die Kirche, sei es Israel, sei es der ganze Leib Jesu.

Denn es geht nicht um meine persönliche Erbauung, sondern darum, dass der Himmel und die Erde miteinander verbunden werden.

Hinterlasse einen Kommentar