Legt ihr diese Worte in eure Ohren

Sa 26.09.2026

Lk 9:43b-45 – Zweite Leidensankündigung

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

43b Während aber alle sich wunderten über alles, was Er tat, sprach Er zu Seinen Jüngern:

44 „Legt ihr diese Worte in eure Ohren: Denn der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen übergeben werden.“

45 Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, damit sie es nicht begriffen; und sie fürchteten sich, Ihn über dieses Wort zu fragen.

Anhalten

Verstehen bedeutet zumeist: einordnen, zuordnen, anfügen, einfügen. Erlebnisse zu erinnern, bei denen die Zuordnung des Geschehens mit der Zeit und dem Davor und Danach fehlt, sind ein typisches Merkmal einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Das Gehirn vergisst zwar kaum etwas, aber es braucht einen Pfad, um zu diesem Gedächtnisinhalt zu kommen.

Aussagen, die ich nicht in eine Erwartung oder Erfahrung einordnen kann, werden zumeist von meinem Herzen abgewehrt.

Jesus weiß, dass die Jünger die Worte, die er gleich sagt, nicht zuordnen können. Aber es ist wichtig, dass sie sozusagen in Bereitschaft liegen bleiben. Es geht darum, innezuhalten, anzuhalten und Worte zu bewahren, die ich noch nicht wirklich hören kann.

Praxis

Menschen betrachten häufig Sätze nur für sich und erwarten, dass ein einzelner Satz in sich vollständig verständlich sein muss. Diesen Satz im Gedächtnis zu behalten, vielleicht noch einen zweiten oder dritten, um zu warten, wie es sich am Ende insgesamt fügt, fällt Menschen schwer. Und ich beobachte: Selbst der KI fällt es schwer, und sie macht dabei öfter Fehler, wie sie mir selbst bestätigt hat.

Oder es geschieht, dass man einer einzelnen Aussage eine Deutung aufzwingt, weil es so schwer zu ertragen ist, sie einfach stehen zu lassen.

In der Auferstehung

Unter anderem in Lukas 20, 35–36 sagt Jesus, dass in der Auferstehung nicht mehr geheiratet wird. Das fügt sich nicht an das an, was die Bibel sonst über Ehebund, Ein-Fleisch-Werden, Braut und Bräutigam sagt.

Manche deuten daraus nun einen Trend in der Bibel und sprechen von der Dekonstruktion heiliger Ordnungen. Jesus aber heiligt die Ordnung der Ehe über das Maß hinaus, wie es bei Mose formuliert wurde.

Falls ich gewürdigt werde, in den Himmel zu kommen, werde ich überrascht feststellen, was es bedeutet. Und bis dahin will ich nicht etwas konstruieren oder dekonstruieren, nur weil ich es nicht zuordnen kann.

Der Schalom Gottes.

Schalom bedeutet nicht einfach „Guten Tag“, sondern es bedeutet Frieden und es bedeutet auch: Vollständigkeit.

Es ist mir nicht gegeben, in mir vollständigen Frieden zu haben!

Gott mutet mir Unklarheiten, Brüche und unverständliche Worte zu. Und ich werde sie nicht aussortieren, um mir meinen eigenen Frieden zu schaffen.

Denn mein Frieden liegt im Frieden Gottes, der die Zukunft kennt, den Sinn von allem. Für Gott ist das ganze Bild vollständig und wunderbar.

Und so dient mir diese Unklarheit sogar. Sie fordert mich heraus, Gott zu vertrauen, meine Beziehung zu Ihm zu vertiefen und in die Schatten meines Herzens Licht zu stellen. Die Schatten sind nicht Schatten des Verstehens, sondern des Vertrauens.

Abraham sagt zu Isaac: Gott wird sich ein Opferlamm ersehen.

Forschen und fragen

Glücklicherweise ist dieses Stehenlassen eines Geheimnisses kein Hindernis im Forschen und Fragen. Im Gegenteil. Ich kann Dinge zunächst stehen lassen und weitergehen und durch die Räume gehen, die Gott für mich jetzt bereitet hat. Forschen wird so zu einem gemeinsamen Weg. Ich suche die Wahrheit und akzeptiere die Schatten, die Gott über ein Geheimnis gelegt hat, weil es jetzt noch nicht dran ist für mich.

Auch wenn ich vermute, dass Erkennen im Erkannt-Haben nicht endet, so wird Erkennen doch an Bedeutung verlieren, vielleicht verschwinden?

Die Liebe aber wird bleiben.

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