Vollmacht und Kraft

Di 01.09.2026

Lk 4:31-37 – Jesus in Kafarnaum

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

31 Und Er ging hinab nach Kafarnaum, einer Stadt Galiläas. Und Er lehrte sie an den Sabbaten.

32 Und sie waren außer sich über Seine Lehre, denn Sein Wort war mit Vollmacht.

33 Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines unreinen Dämons hatte. Und er schrie mit lauter Stimme:

34 „Ha! Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist Du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer Du bist: der Heilige Gottes!“

35 Und Jesus wies ihn zurecht und sprach: „Schweig und fahr aus von ihm!“ Und der Dämon warf ihn mitten unter sie und fuhr aus von ihm, ohne ihm Schaden zuzufügen.

36 Und Entsetzen kam über alle, und sie redeten miteinander und sagten: „Was ist das für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft gebietet Er den unreinen Geistern, und sie fahren aus.“

37 Und die Kunde über Ihn verbreitete sich an jeden Ort der Umgebung.

Was fehlt uns, was fehlt mir?

Die Gemeinde plant einen „Change-Management-Prozess“.

Oha, denke ich.

Nun lese ich dies hier – klingt erfrischender, klingt attraktiver.

Aber es scheint so weit weg.

Wie werde ich Jesus auch in diesem ähnlicher? Also modern: Welches soll mein „Change-Management“ sein?

Wie kam es dazu, dass Du in dieser Weise gehandelt hast?

Der Preis

Deine Vollmacht und Deine Wirksamkeit kommen nicht aus dem Nichts.

Sie haben zu tun mit der Zeit, die reif geworden ist; sie haben zu tun mit der Taufe und Einordnung in die Reihe der Sünder; sie haben zu tun mit der Wüste und dem Bestehen der Versuchung. Und sie haben zuletzt zu tun mit dem Verlust der eigenen Heimat.

Will ich einen solchen Preis bezahlen?

Und: wozu will ich solche Vollmacht wirklich?

Gestern hat jemand aus der Gemeindeleitung gesagt, es geht nicht nur darum, zu arbeiten, sondern man muss auch eine Veränderung wollen.

Und noch ein anderer Impuls hat mich berührt: Ein Christ zu sein, ein Jünger zu werden, ist mit einer Entscheidung nicht erledigt, sondern er kann an Hunderten von Eigenschaften erkannt werden.

Welche Eigenschaften Jesu fehlen mir? Worin will ich mich verändern, und woran kann ich es erkennen?

Knecht sein, Königssohn sein

Bevor die Dämonen erkennen, dass ich ein Königssohn bin, muss Gott erkennen, dass ich Sein Knecht bin.

Aber durchaus ein Knecht auf dem Weg, als Königssohn erkannt zu werden.

Also schaue ich, wie ein Königssohn aussieht, wie er sich gibt, wie er sich verhält, was ihn, außer der Erbschaft, zu einem Königssohn macht.

Es hat zu tun mit Sorgfalt und Genauigkeit, mit Ehrenhaftigkeit, mit Schönheit. Und es hat damit zu tun, dass mein Leben nicht mehr mir gehört, vor allen Dingen mein kleines alltägliches Leben nicht. Es gehört Gott, und es gehört dem Volk.

Knecht sein

Für meinen Weg der Knechtschaft habe ich die 3G gewählt: gleich, ganz, gern.

Heute Morgen habe ich versucht, eine hebräische Formulierung dafür zu finden, und es hat mir viel Freude gemacht. Anbei ein Teil der Konversation: Gleich, ganz, gern auf hebräisch

Gerade das erste Wort ist mir wichtig: bisrisut בִּזְרִיזוּת – mit Eifer, unverzüglich.

Der Eifer kommt dem Sprecher zuvor.

Es ist nicht ein eigener Eifer, sondern Eifer um des Sprechers willen, um der Liebe willen, um der Beziehung willen. Er will den anderen in die Welt bringen und freut sich schon darauf.

Dann kommt das mit ganzem Herzen aus dem Gebot der Gottesliebe.

Und es erfüllt sich mit dem, was schon im großen Fest der Thora-Freude, שִׂמְחַת תּוֹרָה, gefeiert wird. Die Freude daran, dass das ewige Wort im konkreten Wort Fleisch geworden ist.

In Pirkei Avot 5,20 steht:

הֱוֵי עַז כַּנָּמֵר וְקַל כַּנֶּשֶׁר וְרָץ כַּצְּבִי וְגִבּוֹר כָּאֲרִי לַעֲשׂוֹת רְצוֹן אָבִיךָ שֶׁבַּשָּׁמָיִם

Hewé as ka-namér we-kal ka-néscher, we-raz ka-zwi we-gibór ka-arí, la’assót rezón awícha sche-ba-schamájim.

Sinngemäß: Sei kühn wie ein Leopard, leicht wie ein Adler, lauf wie eine Gazelle und stark wie ein Löwe, um den Willen Deines Vaters im Himmel zu tun.

(Pirkei Avot: Kapitel der Väter, Mischna, um 200 n. Chr. redigiert)

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