Gott ermüden

Sa 08.08.2026

Mt 17:14-20 Die Heilung des mondsüchtigen Jungen

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

14 Und als sie zur Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu Ihm, fiel vor Ihm auf die Knie

15 und sprach: „Herr, erbarme Dich meines Sohnes! Denn er ist mondsüchtig und leidet schwer; oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser.

16 Und ich brachte ihn zu Deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen.“

17 Jesus aber antwortete: „O ungläubiges und verdrehtes Geschlecht! Wie lange soll Ich noch bei euch sein? Wie lange soll Ich euch noch ertragen? Bringt ihn Mir her!“

18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und der Knabe wurde von jener Stunde an gesund.

19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“

20 Er aber spricht zu ihnen: „Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, Ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, werdet ihr zu diesem Berg sagen: ‘Rücke von hier dorthin!’, und er wird wegrücken. Und nichts wird euch unmöglich sein.“

Keine Bestätigung

Dieser Text bestätigt mich nicht. Ich habe solchen Glauben nicht – und ich sehe, dass Dich das ermüdet. Das heißt, ich sollte ihn haben, ich kann ihn haben.

Ein paar Annäherungen.

Bei den Juden

Dort habe ich gelesen, dass der Glaube so mit Gott verbindet, dass die Dinge (Berge) im Glaubenden Gott erkennen. Gerade gestern ging es darum, im Zusammenhang mit der Teilung des Schilfmeeres, beim Auszug des Volkes Gottes.

Das mahnt mich, mich nicht einfach in Gott auszuruhen. Denn offenbar ist jemand, der zu Gott gehört, ein wirksamer Ausdruck davon, dass Gott Akt ist. Siehe z. B. Wecke meine Würde.

Verzehrendes Feuer

Ich ahne etwas: Der Glaube, der Berge versetzt, versetzt zuvor mich selbst in die Nähe dessen, der ein verzehrendes Feuer ist.

Vielleicht wehrt mein verborgenes Herz darum diesen Glauben ab. Es schützt mich vor dem Verbrennen dessen, was mir scheinbar doch lieb und teuer ist.

Die Frage ist: Fürchte ich das Feuer? Fürchte ich die Endgültigkeit der vollständigen Zugehörigkeit? Und spreche ich darin nicht Gott Sein unbedingtes Gut-Sein ab? Gut für mich und gut für die Welt.

Diese Frage offenbart Kleinglaube als Schuld – und darauf komme ich noch.

Welche Berge

Es sind nicht beliebige Berge und es sind nicht meine Berge.

Ich glaube, es geht nicht um meine Probleme und die Dinge, die mir im Wege stehen.

Heiligkeit ist Zugehörigkeit zu Gott, der Sein Wesen in Seinem Sohn offenbart. Jesus bittet grundsätzlich nicht für sich. Gethsemane ist die einzige Stelle, die so klingen könnte – aber das ist ein eigenes Thema.

Das Gebet meines Freundes Peter für meine kranke Enkelin ist stärker als mein eigenes – auch, weil mein Gebet näher an meinen eigenen Interessen ist.

Gott wartet darauf

Der merkwürdige Vers 17 mit dem Stöhnen Jesu ist mir zumeist dunkel. Was ich daraus aber erkenne, ist:

Jesus hat einen berechtigten Anspruch darauf, dass wir in diese Vollmacht eintreten.

Gott leidet nicht nur an unseren Sünden – sondern auch daran, dass wir nicht an dem Ort der Vollmacht sind, für den wir berufen sind.

Nicht um unser Selbstverwirklichung willen, sondern um Gottes willen.

Glaube ist Auftrag

Glaube ist weniger Begabung als vielmehr Berufung.

Denn: Glaube und Heiligung hängen eng zusammen.
Pater Pio hat viele Wunder getan und seine Biografie riecht nach Begabung.

Im Blick auf seine Leiden ist jedoch der Kampf um Heiligung offenbar. Vielleicht in einer höheren Liga – vielleicht aber auch nur mit einer höheren Annahme dessen, was Gott schickt.

Ich erfahre gerade von einer jungen Frau, die ihren Beruf, ihr bisheriges Leben aufgegeben hat, um in Israel unserem Auftrag zu dienen: „Tröstet, tröstet mein Volk“.

Heiligkeit beginnt jedoch selten mit großen Schritten. Lydia Prince zeigt in dem unbedingt lesenswerten Buch „Vergäße ich Dein, Jerusalem“, dass der kleine, genaue, tägliche Gehorsam in das große wirkt. Sie hat am Ende wahrhaft Berge versetzt.

Ich warte nicht auf Begabung – Gott wartet auf Annahme Seiner Aufträge. Auf Vertrauen, der sich dort ausdrückt, wo es einen Unterschied zu meinem je eigenen Leben macht.

Ich will Dich, geliebter Herr Jesus, nicht zu lange ermüden, mit meiner Zögerlichkeit.

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