Di 22.09.2026
Lk 8:19-21 – Jesu wahre Verwandte
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
19 Es kamen aber Seine Mutter und Seine Brüder zu Ihm, und sie konnten wegen der Menge nicht zu Ihm gelangen.
20 Da wurde Ihm gemeldet: Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wollen Dich sehen.
21 Er aber antwortete und sagte zu ihnen: „Meine Mutter und meine Brüder – diese sind die das Wort Gottes Hörenden und Tuenden.“
„Dekonstruktion heiliger Ordnungen“
Das ist das Thema, das seit einigen Wochen an mich herangetragen wurde. Sind die heiligen Ordnungen nicht Provisorien, die in einer Vorläufigkeit Dinge zusammenhalten, die eigentlich doch viel freier gemeint sind? Das scheint mir die Frage zu sein, die mir gestellt ist.
Und: dekonstruiert Jesus hier nicht die leibliche Familie in eine viel universellere geistliche Familie? Sagt Jesus nicht, dass wir im Himmel nicht verheiratet sein werden? Ist das himmlische Jerusalem nicht wirklich ein anderer Ort als das Paradies von Adam und Eva?
Und liegt das Heil wirklich in schlichtem Konservatismus und Rückkehr zur Überlieferung?
Ich wiederhole nicht alles, was ich zu dem Bibeltext von heute schon gesagt habe, z. B. in Eine Mutter für Jesus sein.
Nicht aus dem „Off“
Jesus kommt nicht aus dem Nichts auf die Erde oder direkt aus dem Himmel. Das Erste, was die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas tun, ist, Jesu Stammbaum zu notieren. Die Inkarnation Gottes in Jesus ist nicht eine Vergeistigung der Welt, sondern eine Verleiblichung Gottes. Die Ordnungen der Welt sind weniger Provisorien als vielmehr Vorschattungen und Erinnerung an die heilige Ordnung Gottes.
Das beinhaltet auch Provisorien, wie Jesus es zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Scheidebrief zeigt. Aber schon an der Stelle geht es um eine eigentliche, höhere Ordnung und nicht um eine niedrigere.
Es geht vielmehr um das Offenbarwerden des Vollkommenen und das Hineinnehmen des Vorläufigen in das Vollkommene.
Die Ordnung durchdringt die Welt. Und nicht die Welt verschlingt die Ordnungen.
Sohn sein
Bruder Jesu ist man, wenn man Sohn des Vaters ist, und Sohn des Vaters ist man, wenn man den Vater hört und in Seinen Ordnungen handelt.
Von Paulus wissen wir, dass man nicht wegen des Tuns Sohn wird, sondern dass man aufgrund des Sohnseins wie ein Sohn handelt.
Wer also nicht wie ein Sohn in der Ordnung des Vaters handelt, der ist kein Sohn. So steil ist die Kombination aus Jesus und Paulus.
Aber in all dem gibt es Zeit und Raum – ein kostbares Geschenk. Ein Ort der Wandlung.
Sohnwerdung
Mein philosophischer Satz lautet: Ich gewinne Gestalt, indem ich vollziehe, was schon von der zukünftigen Gestalt vorhanden ist.
Aber meine Andachten sollen praktischer werden.
Die Fleischwerdung Jesu geschieht in Maria schon im Augenblick ihres Ja zum Wort Gottes. Aber in diesem Augenblick ist es noch kein bisschen sichtbar.
Sie muss dieses Ja im wahrsten Sinne des Wortes eine lange Zeit tragen. Ich vermute, dass es für eine schwangere Frau, die nicht daran denkt, was das wird, was in ihr wird, oft Mühsal und Plage ist, schwanger zu sein.
Aber es ist der Geist Gottes, der Fleisch annimmt und die Welt verherrlichen wird.
Gehorsam ist die Übersetzung des Geistes in das Fleisch.
Und darin ist auch der kleinste Gehorsam ein geistlicher Akt von unbegrenzter Würde. Gehorsam ist der Vollzug der Inkarnation Gottes.
Gehorsam ist Präsenz Gottes in der Welt.
Gehorsam ist Einstimmen in das Wesen des Schöpfergottes.
Und darum ist das hörende Ordnen Vollzug des Lebens. Aufräumen ist ein heiliger Akt. Weniger das Aufräumen, das ich morgen tue, sondern das Aufräumen, das aus dem Hören kommt: das geordnete Handeln im Jetzt.
Ich rede nicht als Philosoph, sondern im Angesicht meines Alltags. Wenn ich tue, was zu tun ist, und nicht, wozu ich Lust habe, begegne ich meinem Gott – und mein Gott wird in der Welt sichtbar.