Di 21.7.2026
Mt 12:46-50 Die „wahren“ Verwandten Jesu
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
46 Während Er noch zu den Volksmengen redete, siehe, da standen Seine Mutter und Seine Brüder draußen und wollten mit Ihm sprechen.
47 Da sagte jemand zu Ihm: „Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wollen mit Dir sprechen.“
48 Er aber antwortete dem, der es Ihm sagte: „Wer ist Meine Mutter, und wer sind Meine Brüder?“
49 Und Er streckte Seine Hand über Seine Jünger aus und sprach: „Siehe, Meine Mutter und Meine Brüder!
50 Denn wer den Willen Meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist Mir Bruder und Schwester und Mutter.“
Einordnung der Mutterschaft Mariens
Wie schon an anderer Stelle betont: Jesus setzt hier Seine Mutter und Seine Brüder nicht zurück – im Gegenteil.
Er macht sie zur Referenz.
Ohne den Wert Seiner Mutter wäre die Aussage ohne Kraft. Denn dann wären Seine Jünger „nur“ wie Seine Mutter – das aber ist nicht gemeint.
Die Überschrift von den „wahren“ Verwandten ist schon aus der Vor-Deutung heraus geschehen.
Referenz
Weil Mutterschaft und Familie die Referenz ist – ebenso Vaterschaft –, bedeutet Familie immer noch mehr als ich dachte.
Was bedeutet das konkret?
In unserer Familie gibt es zwei Mütter, die Kinder haben, die besondere Kraft und Fürsorge benötigen. Die Mütter sind auf eine Weise gefordert, die niemand von einem Mitarbeiter fordern könnte. Einer Weise, vor der ich voller Staunen und Respekt stehe. Mütter tragen schier Übermenschliches – und offenbaren damit die Bedeutung dessen, was Jesus hier sagt:
Du, der du mein Jünger sein willst – sei Mir Mutter in deinem Tun an Mir.
Was tut eine Mutter?
Zunächst: Sie ist nicht fertig mit ihrem Muttersein, wenn sie das Kind zur Welt gebracht hat.
Sondern das ist der Anfang.
Und ein Ende gibt es nicht. Eine Mutter ist ewig Mutter, wenn sich ihr konkretes Handeln an den Kindern auch in den Entwicklungsphasen des Kindes ändert.
Das Ziel der Mutter ist es, zusammen mit dem Vater, das Kind zur eigenen Elternschaft zu führen. Zur vollen Verantwortung in der Welt, mit Kindern, aber auch mit anderen Aufgaben.
Erstaunlich ist, dass Jesus hier nicht von den Jüngern als Schafen spricht. Und mir scheint hierin ein Geheimnis zu liegen.
Mutter der Kirche
Mutterschaft meint zunächst intimste Verbundenheit. So soll unsere Beziehung zu Dir sein.
Dann aber auch das, was eine Mutter zur Mutter macht, wie ich es beschrieben habe.
Und wie wird eine Frau Mutter Jesu?
Indem sie mütterlich in der Kirche lebt.
Denn die Kirche ist der Leib Christi.
Am Ende der Ökumenischen Konferenz in Tastungen hat Achille aus Kamerun zu mir gesagt, ich sei ein rechter Vater. Er meinte damit nicht nur für meine Familie, sondern für Menschen im Leib Jesu.
Mein Impuls war Dank – und zugleich das Gefühl von Überforderung.
Mir scheint, wie es ein Vater nur empfinden kann.
Ich kann nicht vor meiner Aufgabe weglaufen, wenn Gott sie mir gibt. Aber ich spüre zugleich, wie sehr sie mich auf meinen Vater im Himmel verweist. In ihm ist es möglich und geschieht – wie gut und vollkommen auch immer.
Ich „habe“ es nicht
Viele Christen meinen, sie seien Christen, weil sie getauft sind und weil sie glauben. Oder eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus haben.
Hm. Jesus sagt das nicht.
Er sagt: Wer den Willen meines Vaters tut – der gehört zu mir.
Auch nicht: Wer schon mal den Willen Gottes getan hat.
Zugehörigkeit zu Christus ist eine Veränderung des Status in der Welt, ähnlich dem, einer Mutter nach der Geburt ihres ersten Kindes.
Sie ist von nun an immer Mutter.
Und sich so zu verhalten, wie alle anderen, ist nicht mehr möglich, ohne sich schuldig zu machen.
Erlösung ist Geburt in eine neue Aufgabe hinein. Ein neues Sein, ein ganz anderer Alltag des Tuns. Es gibt keine Pause im Gehorsam gegenüber dem, was mir aufgetragen ist.