Frag nicht nach Wundern

Mo 20.07.2026

Mt 12:38–42 Zeichenforderung von Schriftgelehrten und Pharisäern

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

38 Da antworteten Ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: „Lehrer, wir wollen von Dir ein Zeichen sehen.“

39 Er aber antwortete ihnen: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen; doch kein Zeichen wird ihm gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona.

40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.

41 Männer von Ninive werden im Gericht mit diesem Geschlecht aufstehen und es verurteilen; denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas hin. Und siehe, hier ist mehr als Jona.

42 Die Königin des Südens wird im Gericht mit diesem Geschlecht auftreten und es verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Kein Zeichen zu erhalten, ist keine Strafe

Vers 39 klingt zunächst so, als ob das böse Geschlecht kein Zeichen bekommt, weil es böse ist.

Aber es ist doch eher Gnade.

Denn jedes Zeichen, das ohne konkrete Antwort bleibt, verschlimmert die Schuld und die Verhärtung. Segen, Kraft, Wunder – alles Dinge, nach denen viele fragen, die ihnen aber oft nicht dienen. Sie verlagern die innere Entscheidung in etwas Äußeres. Die Liebe will aber das Innere, das je eigene Herz.

Im Gegenteil.

Es gilt zu schauen, was uns an äußeren Hilfen schon gegeben ist, um darauf zu antworten. Denn sonst werden uns diese schon gegebenen Zeichen zum Gericht werden.

Geschichte

Jede Generation hat als äußeres Zeichen ihre Geschichte und die Geschichte der Völker. Auch die Geschichte und die Geschichten aus der Bibel werden für uns zum Gericht, wenn wir daraus keine Konsequenzen ziehen.

Ich als Deutscher habe eine besonders auffällige und damit besonders mahnende Geschichte. Aber zuvor noch zwei Beobachtungen aus dem Text.

Zwei Formen der Lehre aus der Geschichte

Zum einen ist es Ninive. Gott vergibt ihnen nicht, weil sie in Sack und Asche gegangen sind. Sondern weil sie Buße taten, als Jona ihnen ihr Gericht gepredigt hat.

Sie erklärten nicht ihr Fehlverhalten mit ihrer Biografie – weder als Stadt noch als einzelne Menschen. Und sie pochten nicht einfach nur auf Gnade. Auch warfen sie den Boten nicht hinaus.

Sondern sie taten konkret Buße, das heißt, sie heilten, was zu heilen war, versöhnten sich und nahmen Versöhnung an. Die jüdische Literatur berichtet von konkreten Taten, die über das Normale hinausgingen.

Buße ist mehr als ein seelischer Zustand. Es ist ein Vollzug.

Das zweite ist die Königin aus dem Süden.

Sie war mächtig und weise und nutzte beides, um nach größerer Weisheit zu suchen. Sie nahm sehr viel auf sich, um dem nachzugehen, von dem sie erfahren hatte: von der Weisheit Salomos.

Wieviele Wege gehe ich? Wieviel Zeit und Mühe investiere ich, nicht damit es mir wohl ergeht, sondern um die Wahrheit zu erfahren, die mich weise macht? Weise, Gottes Wegen zu folgen.

Zeit und Studium sind ebenso eine Form, wie das Aufsuchen von Orten und Menschen.

Hier eine Quelle unfassbaren biblischen Wissens: Sefaria

Erleben

In den schweren Monaten, die vor dem Ausschluss aus der Gemeinde waren, habe ich gefragt: Welche Erfahrung anderer kann mir Rat geben?

Damals habe ich den Widerstand im Dritten Reich erkundet, vor allem Dietrich Bonhoeffer. Wie und woher kannte er die Gefahr so klar und was war sein Umgang damit?

Bonhoeffer kehrte aus den USA zurück, einem Ort, an dem er sicher hätte sein können. Denn es war nicht der Ort, in dem er berufen war. Worin ich berufen bin, darin gilt es zu bleiben, das war eine wichtige Lehre aus der Zeit. Der bin und bleibe ich treu.

Was ist heute die Lehre, aus der ich lernen muss?

Israel

Es geht nicht darum, die zu bekämpfen, die heute wieder leichtfertig über Juden und den jüdischen Staat urteilen.

Sondern es geht darum, zu akzeptieren, dass ich nicht besser bin.

Und dass ich darum verstehen möchte, wie der Weg des deutschen Volkes in den Völkermord an den Juden sich entwickelt hat. In den Herzen der Menschen – nicht in der Ideologie der Nazis.

Es ist ein Gegenbild zur Königin von Saba. Die Annahme,

  • dass ich schon weiß,
  • dass ich schon urteilen darf,
  • dass ich es besser machen würde,
  • dass mir derselbe Fehler nicht passieren würde – und vielleicht gerade passiert.

Nein. Ich bin nicht besser – und darum suche ich die Wahrheit nicht in mir – sondern bei Dir und den Quellen und Menschen, die Du mir gibst.

Und: Ich muss sie mit solch einem Aufwand suchen, mit solcher Konsequenz, dass ich frei werde von dem großen „man“, auch dem „man“ der Christen.

Das geschieht nicht mitten im Strom. Dort lasse ich mich mitreißen.

Das geschieht dort, wo es unbequem ist, wo es dunkel scheint, wo ich loslasse, was ich zu haben meine.

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