Gebären aus der Ansprache Gottes

Di 15.09.2026 Gedächtnis der Schmerzen Marias

Lk 2:33-35 – Simeon und Maria

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

33 Und Sein Vater und Seine Mutter staunten über das, was über Ihn gesagt wurde.

34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, Seiner Mutter: Siehe, Dieser ist gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird

35 und auch durch deine eigene Seele wird ein Schwert dringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.

Übersetzung

Die KI hatte aus dem Griechischen den ersten Halbsatz von Vers 35 mit Gedankenstrichen versehen. Dieselbe Variante steht bei Luther 1984.

Aber das ist schon eine Deutung des Textes. Es deutet das Geschehen an Maria in das Geschehen der anderen Menschen mit hinein. Es ist eine plausible und legitime Deutung, aber es ist eine Deutung.

Und eine „richtige“ Übersetzung des Textes muss überhaupt nicht eine eindeutige Übersetzung sein.

Ich glaube, die Texte der Bibel haben einen eindeutigen Aspekt und einen absichtsvoll geheimnisvollen Aspekt.

Mein Herz kennt etwas von Maria

Aus dem Gewordensein meines Herzens heraus weiß ich, dass etwas Richtiges noch lange nicht das Ganze sein muss. Maria hat von dem Erzengel Gabriel her schon gewusst, wer Jesus ist und was von Ihm vorhergesagt ist. Für sie gab es nicht die Frage, die es für die vielen gab: Ist dies der Messias? Ihr wird kein Fall und kein Auferstehen vorhergesagt und kein Zeichen, dem widersprochen wird.

Sondern sie ist so verbunden mit ihrem Sohn, dass zwar Seine Herrlichkeit zunächst nicht ihre Herrlichkeit ist, aber Sein Leiden in einem großen Maß auch ihr Leiden sein wird. Als Mutter will sie das Leben ihres Sohnes. Das erst das Sterben ihres Sohnes, das Leben für die Welt bedeutet – wie soll ihre Seele daran nicht verletzt werden?

Gedächtnis ihrer Schmerzen

Aber gerade ihre Schmerzen werden Bestandteil des Erlösungswerk ihres Sohnes sein. Anders als bei der Geschichte von Abraham und Isaak wird kein Engel den Tod ihres Sohnes verhindern.

Und auch ihr Sohn selbst wird um ihrer Schmerzen willen leiden. Vielleicht gehört es mit zu den schlimmsten Schmerzen Jesu, dass er das Leid Seiner Mutter beim Anblick Seines Kreuzweges weder mildern noch aufheben konnte.

So wird aus Marias Leiden für ihren Sohn auch ein Mitleiden am Leiden des Sohnes für die Welt.

Scheidung

Das Schwert im Herzen Marias ist nicht nur ein Schwert des Schmerzes, sondern auch ein Schwert der Scheidung. Es scheidet in ihrem Herzen, was zunächst für uns Menschen als Weg des Heils verständlich und gehbar erscheint. Gnade, Vergebung, Erlösung, Rettung, Heil.

Aber für diesen Teil des Herzens zunächst fremd und kaum erträglich: Ablehnung, Verwerfung, Verfolgung, Kränkung, Leid, Folter und schmerzhafter Tod.

Gebären

Was ich in den letzten drei Absätzen geschrieben habe, ist weniger eine Auslegung als das, was aus der Begegnung meines Herzens mit diesem Text entstanden ist.

Ich übersetze den Text nicht, sondern ich begegne ihm. Denn in ihm begegne ich dem Schreiber des Textes.

Der Schreiber des Textes schreibt mir von seiner Begegnung mit Jesus Christus.

Ein Kind ist zwar von Vater und Mutter und so auch Zeuge von Vater und Mutter, aber dennoch etwas Eigenes, jemand Eigenes.

In einem vollkommenen Sohn begegne ich dem Vater, aber dennoch ist der Sohn eine eigene Person.

In einem gewissen Sinn bin ich Kind Gottes, wenn auch noch kein ausgereifter Sohn.

Wer also meine Texte liest, wird zwar nicht direkt Gott begegnen, aber dem, was aus meiner Begegnung mit Gott entstanden ist.

Und dies ist der Weg, in dem der Vater immer nur dem Menschen begegnet.

Er begegnet den Menschen in der Begegnung mit dem Menschensohn. D. h. aber auch immer in der Begegnung mit dem Bruder.

Mir ist bewusst, wie groß die Spannung ist zwischen der Gefahr des Missbrauchs und der Größe der Verantwortung.

Jeder Mensch, jeder Christ lebt in der Würde und der Verantwortung, dass an ihm etwas vom Vater sichtbar wird, was sonst durch nichts sichtbar werden würde.

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