Fr 11.11.2022
Lk 17:26 ff. Wie es sein wird am Tage des Menschensohns.
Es ist der Abschnitt, der von den Tagen des Menschensohns spricht. Ein geheimnisvoller Begriff.
Der Abschnitt spricht davon, dass es so sein wird wie in den Tagen von Noah und in den Tagen von Lot.
Über diesen Text ist viel nachgedacht worden und ich nehme einen Vers, Vers 36. „Zwei werden auf dem Felde sein; einer wird angenommen, der andere sind verlassen werden.“
Mir ist dieser Vers, so wieder wie er da steht, unerträglich.
Zunächst: Was wäre, wenn ich der wäre, der gelassen wird, zurückgelassen wird?
Mein Leben wäre leer und bedeutungslos, denn alles, was mir Freude macht, hat mit Jesus Christus zu tun. Ein Leben ohne Ihn wäre wie eine leere Hülle, ein nichts. Und es wäre mir gleichgültig, es wäre mir einen Dreck wert. Ich hätte nichts mehr zu verlieren.
Und andersherum? Andersherum wäre es zumeist das Zurücklassen, was mir unerträglich erscheint. Ich wäre doch gar nicht im Himmel bei Jesus, wenn die nicht bei mir sind, die ich liebe. Nicht ohne meine Frau, nicht ohne meine Kinder, meine Familie. Die Menschen, deren Leid ich geteilt habe, in Gesprächen und in Therapien.
Den Schmerz eines Herzens im eigenen Herzen verkosten zu haben, bedeutet, sich nicht mehr trennen zu können von dieser Seele.
Herr Jesus: Ich leugne, dass Du die zurücklassen kannst, die zu mir gehören, die zu meinem Herz gehören. Das kannst Du nicht tun. So habe ich Dich nicht kennengelernt.
Ich denke an eine Frau aus der Beratung, deren Leben aus Schmerzen, aus Ohnmacht und aus Verlassenheit besteht. Unmöglich kann sie nun noch mal verlassen werden von Dir, Herr Jesus, oder auch von mir.
Also deute ich diesen Text anders, nicht so, wie er unmittelbar da steht. Ich deute ihn sodass Du mir mit diesem Text genau Dein Herz zeigst, Deinen Schmerz und Deine Sehnsucht, dass alle genommen werden. Das aber geschieht, indem das Herz der Menschen in meiner Umgebung mit meinem verbundenen, verkettet, verschlungen wird. So, dass es eine Rettung ist, und nicht mehrere.
Und ich deute ihn so, wie es unmittelbar gemeint ist: Es ist keine Zeit zu warten. Es geht nicht darum, ob ich gerettet werde. Sondern es geht nur darum, ob der andere und ich gerettet werden.
Es ist offenbar, dass es dann nicht reicht, nicht zu sündigen. Denn dabei geht es zunächst um mich.
Es ist nötig, hellwach zu sein, für den anderen und für die Tür zu ihm, die von Dir geöffnet wird.
Zum Schluss noch ein praktischer Gedanke:
Ein Satz aus Vers 31: Wer auf dem Dache ist und sein Hausrat in dem Hause, der steige nicht hernieder, ihn zu holen.
Bedeutet mir dies: Wenn du auf deinem Stuhl sitzt oder auf dem Sofa und eine leise Stimme spricht zu dir, dann steht sofort auf, eile es zu tun. Und tue es mit ganzem Herz.
Ich nenne es die 3G Regel: gleich, ganz, gern.
Das gilt besonders, wenn es um einen Menschen geht, und ich gerade bei einer Sache bin.