Mo 12.12.2022
Mt 21:23-27 Die Frage nach der Herkunft der Taufe des Johannes.
Die Pharisäer fragen Jesus nach Seiner Vollmacht im Tempel. Jesus erwiderte die Frage, mit der Frage ihrer Beurteilung der Vollmacht des Täufers.
Die Pharisäer denken taktisch. Es ist eine Versuchung, Jesu Gegenfrage auch als Taktik zu deuten. So ist es aber nicht.
Jesus fragt sie und fragt mich: willst du es wirklich wissen?
Denn wenn du es weißt, dann stehst du vor der Frage, ob du gehorchen willst.
Das Gehorchen geht mit einem Zerbruch einher. Du wechselst aus der Rolle dessen, der fragt, um zu beurteilen, in die Rolle dessen, der fragt, um zu gehorchen.
Taktische Überlegungen folgen einem strategischen Ziel. Unterstellen wir, dass die Pharisäer das Volk beschützen wollten. Menschlich gesehen brauchten Sie dazu Macht. Die taktische, also kurzfristige Überlegung, fragte nun also nach Macht. Die Mittel werden zu Zielen.
Jesus handelt nicht aus Seiner Macht heraus, sondern aus Seinem Gehorsam. Er handelt nicht taktisch, sondern seelsorgerlich.
In der Tiefe des Herzens wissen die Pharisäer, dass, wenn sie die Wahrheit wissen, sie ihre Macht verlieren werden.
Bevor ich gehorchen kann, muss ich auf meine Macht verzichten. Ich muss im Alltag über den Tellerrand des „Genuss sofort“ hinausblicken. Die aktuelle Lust ist ein Lügner. Das menschliche Machtstreben ist ein Mörder. Es mordet den anderen und es mordet mich selbst.
Es mordet den anderen, weil es ihm die Möglichkeit raubt, mit mir wahrhaft in Kontakt zu kommen. Emmanuel Levinas beschreibt diesen Aspekt ausführlich.
Es mordet mich, weil es mich in der Endlichkeit meines Selbsterhaltes festhält. Endlichkeit ist Sterben.
So hören wir die Antwort von Jesus: „Ich sage es euch nicht“. Wir hören Ihn nicht, weil wir nicht gehorchen wollen. Weil wir unsere Macht behalten wollen.
Nur der Gehorsame kann hören, nur zu dem Gehorsamen wird gesprochen. Gnade allein nützt nichts, wenn sie auf taube Ohren stößt, auf Ohren, die nicht gehorchen wollen.
Praktisch:
Wie rede ich?
Rede ich, wie meine Lust, meine Meinung, meine Sorge es mir eingibt?
„Dazu habe ich keine Lust“, oder „ich finde das und das“, oder „das bringt mir nichts“ und so weiter.
Zwar kann schöne Rede zur Heuchelei werden, dann ist es wiederum nur Taktik.
Aber meine Worte können mir auch ein Zeichen für mein Herz sein. Ich kann anfangen, weniger zu übertreiben, weniger zu Schönen. Weniger eitel zu reden. Ich kann anfangen, nicht sofort zu antworten, sondern zuerst das Gesagte des anderen zu würdigen.
Für jedes Wort werde ich Rechenschaft ablegen müssen.
Alles Gerede verhindert hören. Verhindertes Hören verhindert Gehorchen.
Vielleicht rede ich so viel, weil ich mich fürchte zu hören. Weil ich lieber beurteile, als zu gehorchen. Weil ich mich selbst mehr liebe als Christus. Als Christus als Anwalt meines Nächsten.