Im Herzen bewegen

So 01.01.2023 Hochfest der Gottesmutter Maria

Lk 2:16-21 Die Hirten besuchen die Hl. Familie

„Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Genauer: Sie behütete die Geschichte und bewegte sie im Herzen.

ῥῆμα‭ rhêma ‭Rede

συντηρέω‭ syn-teréo ‭behüten

συμβάλλω‭ sym-bállo ‭zusammenwerfen‭ (bewegen)

Mir wird immer wichtiger, dass es nicht um abstraktes Denken geht. Sie dachte nicht nach. Anders als in der Situation, als der Engel Gabriel sie grüßt. Dort steht ‭διαλογίζομαι‭ dia-logízomai ‭erwägen.

Es ist ein wenig wie in dem Märchen, das mich als Kind gefesselt hat. Ein Junge findet einen Schlüssel. Er betrachtet ihn gründlich und staunt über die besondere, feine Art. Er denkt: Zu so einem Schlüssel muss es ein besonders Schloss geben. So macht er sich auf den Weg, dieses Schloss zu suchen. Die Geschichte endet damit, dass er ein Kästchen findet, in das der Schlüssel passt. Er dreht den Schlüssel – hier endet die Geschichte.

Wenn es so ist, wie ich gestern gesagt habe, dann findet hier die Offenbarung der Vermählung der Schöpfung mit dem Schöpfer statt. Ein Ereignis, das das Universum betrifft.

Im vergangenen Jahr hat das neue James-Webb-Teleskop atemberaubende Bilder von den Tiefen des Universums geschossen. Ich sehe es – und staune still. Oben habe ich zwei Bilder eingefügt.

Der Sinn all dieses gigantischen ist dies, was hier im Stall geschieht.

Die Engel mit all der Herrlichkeit Gottes hatten sich den Hirten für einen Augenblick gezeigt. Die Worte, die sie reden, kann kein Mensch fassen oder durchdenken.

Sie sind einfach nur zu bewegen und zu berühren. Wie dieser Schlüssel in den Händen des Jungen.

Alles denken verkleinert, weil es begreifen will. Für manche Dinge ist das gut – nicht aber für dieses Geheimnis.

Staunen und anbeten ist hier das Angemessene.

Ich glaube, dass Gott uns das Teleskop gern gegeben hat. Er freut sich, wenn wir sehen, was Er gerne geschaffen hat. Wer sollte Ihn dafür loben, wenn nicht wir?

So hat Er all das für uns gemacht, für uns kleine Menschen.

In einem unfassbaren Akt hat Er die Kleinheit des Menschen mit diesem Universum verbunden – zum Nutzen des Universums!!

Denn erst in Jesus, dem Christus, erfüllt sich der Sinn der ganzen Schöpfung.

Und wie merkwürdig. In meinem Herzen pocht die Größe, die ich hier sehe – und nachher gleich werde ich darüber nachdenken, ob ich einen Berliner essen werde.

Und darin, gerade darin steckt unsere Würde: Wir sind frei, frei zu ganz kleinem, irdischen, alltäglichen – und zu ganz großem, zur Sohnschaft.

Wenn ich meinen Blick auf den Berliner richte, hängt es daran, ob ich es frei und im Dank tue – oder gierig, nur an mich denkend.

Ich will mich an Maria halten, die allezeit diese Worte in ihrem Herzen bewegt und diese Geschichte ebenso in meinem Herzen bewegen, wach halten, nähren und pflegen. Aufmerken auf jedes Erzählen von Hirten und Weisen aus der Ferne.

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