Di 04.04.2023
Joh 13:21-33.36-38 Jesu Erschütterung am Tisch des Abendmahls.
Seelsorgerlicher Hinweis: Alles, was ich sage, gilt für eine bestimmte Phase im Glaubensleben. Für wen es nicht dran ist, der lese es, wenn es dran ist.
Wenn ich die Naturgesetze beobachte und über die DNA nachsinne, wenn ich die Vorhersagbarkeit des Laufes der Planeten betrachte, scheint es so, als wenn das Universum von Gesetzen geleitet und beherrscht wird. Naturgesetzen eben.
Und müßte nicht ein vollkommener Gott, der unendlich über uns steht, unerschütterlich sein? Unwandelbar und unverletzlich?
In dem Abschnitt vor dem heutigen Text wäscht Jesus den Jüngern die Füße – auch Judas. Und Er setzt sie mit sich selbst gleich: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf“.
Wie kann der Lenker des Universums nur so auf uns – auf mich – schwache Menschen bauen?
Und tatsächlich: Einer wird mich verraten.
Und das ist keine Überlegung, die Jesus wie ein allwissender Taktiker schon mit eingeplant hat.
Sondern dort steht (V21): Jesus wurde zutiefst erschüttert.
Das Wort αράσσω tarásso erregen; stammt von durcheinanderrühren, aufrühren; übertr.: verwirren, stören, beunruhigen.
Und Jesus bezeugt es. Das Wort für Zeugen ist martyréo. Er bezahlt mit Seiner Existenz dafür, nicht aus irgendeinem Überschuss heraus.
Die Verbindung Gottes ist nicht so, wie die Planung einer Feier im Garten aufgrund einer guten Wettervorhersage.
Gott verbindet sich mit mir auf Gedeih und Verderb.
Es macht Ihm etwas aus, was ich in meiner Freiheit tue – auch an Ihm tue und an den Brüdern tue (den mir nahen Menschen).
Das Geheimnis ist, dass Gott sich mit uns „verwandt“ macht – wie ich schon an Maria sehe.
Will ich einen Gott meinen Gott sein lassen, der Seine eigene Allmacht nicht konsequent durchsetzt, sondern sich von mir erschüttern lässt?
Es macht mir Angst vor dem, was mein Sein dann bedeutet, was es ausmacht, wie ich Ihm gegenüberstehe.
Denn darum geht es. Gott gibt uns die Welt in die Hand (siehe Schöpfung) und will, das wir der Welt Gott sind, so wie Er uns Gott ist. Der Welt heißt vor allem: dem Nächsten.
Nicht als Herren, sondern als solche, die extreme Nähe wagen (Jesus und die Jünger) und damit extrem verletzbar sind (Verrat des Judas, Verleumdung des Petrus, Flucht der Jünger vor dem Kreuz).
Es gibt manchmal den heimlichen Wunsch in mir, ein Figürchen im Setzkasten Gottes zu sein. Gern in Seiner Nähe und liebevoll abgestaubt – aber letztlich nicht für etwas verantwortlich.
Und ich habe es mir nicht ausgesucht, dass Gott mich so in Verantwortung setzt. Darf ich nicht wählen, z. B. wählen, nicht verantwortlich zu sein?
Das ist wieder die alte Frage: Ist Gott durch und durch gut, und ist alles, was Er tut, ganz und gar gut?
Dann wäre es auch gut, dass ich genau dort bin, wo ich bin. Mit all der Verantwortung.
Und ja, ich glaube.
Nicht so sehr meinem Glauben – sondern diesem Jesus dort am Tisch.
Ihm ist es das wert – wie sollte ich darauf nicht mit einem „ja“ antworten!
Und es ist ja nicht die Verantwortung eines Gottes, die ich habe. Es ist die Verantwortung eines Sohnes. Allezeit kann, darf und soll ich mit dem umgehen, was mir gegeben ist. Allezeit kann ich am Abend zum Vater gehen und Ihn fragen, warum dort der Baum der Erkenntnis steht und was das auf sich hat, dass wir davon nicht kosten sollen (vergl. J. Splett zum Sündenfall).
Ich gehe nie voran, so wie Jesus. Sondern ich folge Ihm. Und wenn ich falle, rufe ich Ihn – und Er läuft mir entgegen. Genauer: Ich merke plötzlich – Er ist schon da.