Fr 05.05.2023
Joh 14:1-6 „In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen.“
Lange Zeit hatte ich keine Vorstellung davon, wie es im Himmel sein wird. Auch war mir nicht klar, was es heißt, ein „Gerettet“ zu sein. Nicht in dem Sinne der Frage ob, sondern worin sich die Rettung ausdrückt.
Wie verbringe ich „ewiges Leben“?
Ist es im Himmel wirklich so toll, dass es sich „lohnt“ den Freuden der Welt zu sterben?
Ist der Himmel eine „Belohnung“?
Und all der Fragen mehr, die mir niemand beantwortet hat.
Auch ohne Visionen meine ich heute einiges darüber zu kennen, damit vertraut zu sein. Es bleibt noch genug, was ich nicht kenne – es bleibt ein Geheimnis.
(Und Vorsicht: dies sind meine Berührungen mit diesen Dingen, keine Lehre der Kirche und jeder prüfe für sich, was für ihn relevant ist.)
Was ich wahrnehme, kommt zumeist daher, dass ich jemanden aus dem Himmel kenne.
Jesus, der der Christus ist.
Er war nicht so auf der Erde, dass Er nicht mehr im Himmel war. Jesus ist immer im Himmel gewesen – auch als Er auf Erden gewandelt ist. Denn Er ist Gott, und so eng mit dem Vater verbunden, das Er zugleich im Himmel und auf Erden war (und ist).
Darum auch der Blick zunächst auf „den ganzen Jesus“ (03.05.2023), hier auf Erden. An dem Wandel erkenne ich etwas vom Himmel.
Heute redet Jesus in diesem Evangelium von Wohnungen im Himmel. Also einer Struktur, einer Art Privatsphäre, von Verschiedenheit für jeden Menschen im Himmel.
Vollkommener Gehorsam führt also nicht zu Aufhebung des Person-seins. Im Gegenteil.
Denn die Wohnungen werden bereitet. Es vergeht also Zeit. Mir scheint, dies ist ein Hinweis auf die Verbundenheit des Himmels mit der Erde.
Die Persönlichkeit des Himmelsbewohners wird bereitet, entfaltet und gereinigt. Und zwar zumeist auf Erden. Jesu bereitet die Wohnung, indem das geschieht, was die Kirche „Vorsehung“ nennt. Die Räume, in denen die Bewährung stattfindet.
Die Erde ist mehr als ein Ort der Vorbereitung auf den späteren Himmel. Ich bin jetzt schon in gewisser Weise Himmelsbewohner. Und zwar in dem Maße, wie ich gehorsam bin. Das ist ein Merkmal der Leute des Himmels.
Andere Merkmale sind die vertraut mit der Heimat dort, indem ich vertraut bin mit Jesus und durchaus auch mit anderen (Maria).
Als Gehorchender bin ich Hörender, als Hörender erkenne ich die Verwobenheit des Himmels mit der Erde. Ähnlich dem Bild vom Teppich. Ich sehe die Rückseite. Mit Geduld und Lauschen erkenne ich ein wenig vom Sinn der verworrenen Fäden im Blick auf die Vorderseite – meist nur sehr lokal.
Es ist derselbe Teppich. Im Himmel und auf Erden schauen wir auf dasselbe (nicht das Gleiche).
Ich sehe an „dem ganzen Jesu“ auch, dass Arbeit und Leid im Himmel nicht vollkommen verschwinden. Das Leid um mich wird es nicht geben – aber die Bezogenheit zur Welt bleibt.
Jesus sah im Himmel das Leid und es wahr Ihm nahe. So kam Er zu uns. Wie sollte es Seinen Knechten anders gehen? Noch gestern stand im Evangelium, dass der Knecht nicht über dem Meister steht.
Aber werden nicht alle Tränen getrocknet (Offb)?
Es ist eine andere Träne, die Jesus über Lazarus vergoss, als die Träne der Witwe von Naïn, am Leichenzug ihres einzigen Sohnes.
Es werden Tränen getrocknet – ich aber vermute, dass die, deren Tränen getrocknet wurden, nicht gefühllos das Leid anderer sehen werden.
Das Ziel der Bereitung ist eben nicht ein Ort, sondern eine Beziehung. Der Himmel ist Heimat, nicht Paradies. Der Himmel ist Wahrheit, nicht Wohlergehen. Was auch immer der Himmel sein mag – Hauptsache es bedeutet, in Seiner Nähe zu sein.